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Stadtbergen

30.10.2020

Abschied in den Lockdown

Für die Regionalliga-Basketballer der Kangaroos steht jetzt erst einmal Individualtraining auf dem Programm. Sponsor Max Gehl hat Lewis Londene (links) und Mario Hack-Vazquez hierfür schon einmal bestens ausgerüstet.
Bild: Kangaroos

Warum den Basketballern der BG Leitershofen/Stadtbergen ein langer und düsterer November bevorsteht

Die Enttäuschung stand den Verantwortlichen der BG Topstar Leitershofen/ Stadtbergen am späten Donnerstagabend förmlich ins Gesicht geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt stand der Lock-Down – verbunden mit der vorübergehenden Einstellung des Spielbetriebes im November – ja schon fest, offen war lediglich noch, ob der 1. Spieltag der Regionalliga Südost am Samstag noch stattfindet oder auch abgesagt wird. Nachdem der Verband am Mittwoch ein klares Signal in Richtung Absage aller Spiele gesendet hatte, schien eine Ausrichtung der Partien im Laufe des Donnerstags plötzlich doch wieder möglich. Danach versiegte die Kommunikation, denn die Situation wurde zunehmend unübersichtlich.

In Abstimmung mit dem samstäglichen Gegner aus Bad Aibling ergriff man dann gegen 21 Uhr selbst die Initiative. Und da bei den Oberbayern die Reise vom einen (Rosenheim) in den anderen Top-Hotspot ( Augsburg) in Bayern auch nicht auf große Begeisterung stieß, entschloss man sich zur gemeinschaftlichen Verlegung der Partie auf einen anderen Zeitpunkt.

Kangaroo Coach Emanuel Richter: „Unser Team hätte gespielt, aber die Situation ist natürlich extrem. Insgesamt ist es frustrierend, aber wir bleiben positiv und hoffen dann, im Dezember oder spätestens Januar in den Spielbetrieb einzusteigen. Zum Glück wurden von Anfang an auf alle möglichen Szenarien von den Vereinen flexible Konzepte entwickelt und der Vorteil im Basketball ist, dass wir die Saison problemlos von Ende März bis weit in den Sommer hinein verlängern können. Die Spieler werden mit Sicherheit bereit sein und fit bleiben über Zoom-Workouts und individuelles Lauf- und Fahrradtraining“, so Richter.

Auch Kangaroos Geschäftsführer Andreas Moser war zerknirscht: „Wir haben unglaublich hart gearbeitet, dass die Spiele beginnen können. Hygienekonzept, Online-Ticketing, Internet-Livestream, alles hat gepasst, sogar die 50 erlaubten Zuschauerplätze waren an ausgewählte Dauerkartenbesitzer vergeben. Jetzt war die Arbeit vieler Monate umsonst. Und da denke ich jetzt noch nicht einmal an die erste Herrenmannschaft, sondern an die Auswirkungen im gesamten Verein.“ Ich möchte mich hier bei allen bedanken, die sich - wohlgemerkt ehrenamtlich - wahnsinnig intensiv eingebracht haben, aber auch bei unseren Sponsoren. Es war sehr wohltuend, wenn man Partner an seiner Seite weiß, die einen in solch einer schwierigen Lage unterstützen. Vor allem das „Wie“ dieser Entscheidungen, nämlich Zusagen binnen weniger Minuten verbunden mit Aufmunterungen, weiterzumachen, das hat uns tief beeindruckt“, so Moser.

Besonders hart trifft es den Nachwuchsbereich der Stadtberger Basketballer. Nach der langen Durststrecke im Frühjahr begann der Saisonstart schon schleppend, da viele Gegner mangels Hygienekonzepten ihre Teams zurückzogen oder dann gar nicht antraten. Sinnbildlich für den Aufwand der letzten Wochen steht Stefan Goschenhofer, sportlicher Leiter der Kangaroos, der mit seinen Jugendtrainern seit Juni Stunden und Tage in der Halle verbracht hatte, um das System ins Laufen zu bringen und auch am Laufen zu halten. „Der Verband hat ja die Entscheidungen alle an uns übertragen. Das fanden wir gut und richtig, auch wenn es mit einer enormen Verantwortung verbunden war. Wir sind aber zu jeder Zeit dieser Verantwortung gerecht geworden, haben alles mitgetragen, was vorgegeben war. Mir tut es leid für die Jugend, die freuen sich seit Monaten auf die Spiele und dann gelingt kein einziges Spiel, wie zum Beispiel bei unserer U10. Da musste man manchmal selbst die ein oder andere kleinere Träne heimlich wegwischen, wenn man am Freitagnachmittag in die traurigen Augen der Kinder sah, als wieder die Spielabsage kam“, so Goschenhofer.

Demzufolge fügt man sich nun der Situation und respektiert die Vorgaben. Mit allem einverstanden ist man aber auch nicht. „Natürlich musste jetzt etwas passieren und es geht uns auch gar nicht um den November-Lockdown, das ist alles ok. Wir hatten aber viele Jahre lang die Wahrnehmung, dass Amateur- und Breitensport sowie das Ehrenamt eine weit bessere Stellung in der Politik haben, als wir es in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben“, so BG-Abteilungsleiter Andres Santiago, der sieht, dass große Risse entstanden sind. „Es wird ein langer und schwieriger Weg, Kinder und Ehrenamtliche wieder zurückholen, zur Stärkung des gesellschaftlichen Faktors.“

Es brauche aber niemand in Stadtbergen und Leitershofen Angst haben, dass man das nicht hinkriegen wird. „Egal, wie viele Lock-Downs noch kommen. Wir haben ein tolles Team. Ein Team, das jetzt noch mehr zusammengerückt ist, als zuvor. Ein Team, das jetzt zwei, drei Mal den Mund abwischen muss. Aber auch ein Team, das dann immer wieder sagen wird: Let’s go Kangaroos“, so Santiago. (asan)

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