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Sportskanonen

02.05.2020

Ohne Wasser kommt sie nicht aus

Über 200 Medaillen hat die zwölfjährige Elena Moreira Dos Santos schon gewonnen. Derzeit muss die Schwimmerin ihre Trainingseinheiten in einem 7 Meter langen Pool absolvieren, den ihre Eltern im Garten aufgebaut haben.
Bild: Marcus Merk

Schwimmerin Elena Moreira Dos Santos hat schon einiges erreicht, ihre über 200 Medaillen können das bezeugen. Wie die Zwölfjährige in Corona-Zeiten trainiert, um weiter deutschlandweit durchzustarten

Wenn man Elena Moreira Dos Santos Zimmer betritt, fällt es nicht schwer zu erraten, was ihre große Leidenschaft ist. Über dem blauen Sofa hängen Bilder von Elena in verschiedensten Schwimmbädern, dazwischen zahlreiche Urkunden. Noch mehr Urkunden stapeln sich in mehreren Ordnern im Schrank. Die Fensterstange ist behängt mit Medaillen, etwa 220 Stück seien es inzwischen, sagt Elena. Auf einem der Fotos sieht man das Schwimmbecken des Titania in Neusäß, darüber steht „Elenas zweites Zuhause“. Dieses darf sie momentan aufgrund der Corona-Krise nicht besuchen.

Die Zwölfjährige ist begeisterte Schwimmerin, und das mit Erfolg. Im vergangenen Jahr konnte sie sich bei den bayerischen Jahrgangsmeisterschaften den dritten Platz holen. Auch auf einem internationalen Wettbewerb war sie bereits: Bei den Meisterschaften in Luxemburg vertrat sie den Bayerischen Schwimmverband (BSV) Schwaben. Auch dort konnte sie sich eine Gold- und eine Bronzemedaille sichern. Das sei für sie einer der größten Erfolge bisher gewesen, erzählt Elena.

Dass sie so gut ist, ist nicht verwunderlich: Die Neusässerin schwimme schon, seit sie ein Baby war, erzählt ihre Mutter Susanne Moreira Dos Santos.„Mit zwei Jahren war ich schon mit ihr beim Babyschwimmen. Danach hat sie nicht aufgehört: Sie hat einen Schwimmkurs nach dem anderen gemacht.“ In der Schwimmschule habe ihr die Trainerin dann empfohlen, in einen Verein zu gehen, sagt Elena. So kam sie erst zur Elementarmannschaft in Steppach, später wechselte sie zum Schwimmteam Neusäß, wo sie bis heute trainiert. „Ich schwimme schon immer, ohne Wasser komme ich einfach nicht aus“, sagt Elena. Ihre Mutter fügt hinzu: „Ich habe das Gefühl, sie schwimmt sich manchmal den Kopf frei.“

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Der Erfolg ihrer Tochter liege außerdem daran, dass diese extrem belastbar sei. „Auch nach zwei Stunden Training ist sie nicht müde.“ Und das, obwohl Elenas Tagesablauf alles andere als entspannt ist: Sofort nach der Schule mache sie sich an die Hausaufgaben, erzählt die Siebtklässlerin. „Nach dem Mittagessen gehe ich dann manchmal reiten oder in den Klavierunterricht. Am Mittwoch habe ich auch noch Krankengymnastik.“ Am Abend folgen dann noch etwa zwei Stunden Training. Insgesamt trainiert Elena an fünf Tagen in der Woche, die meiste Zeit davon im Wasser. Einmal in der Woche gibt es jedoch auch ein Krafttraining.

Auch das Wochenende bietet keine Entspannung, dann stehen nämlich oft Wettkämpfe an. „In der Hauptsaison im Frühling und im Sommer hat Elena mindestens jedes zweite Wochenende einen Wettkampf“, sagt Familienvater Manuel Moreira Dos Santos. Am Sonntag gehe sie dann noch joggen, erzählt Elena. Beim Essen muss sie ebenfalls aufpassen: Süßigkeiten und Fruchtsaft stehen bei der 12-Jährigen fast nie auf dem Speiseplan. Vor allem brauche sie viele Kohlenhydrate, meistens esse sie Nudeln, sagt Elena.

Bei so viel Disziplin und einem derart durchgetakteten Alltag könnte das Familienleben auf der Strecke bleiben. So sei es bei der Familie Moreira Dos Santos aber nicht, erzählt Elenas Mutter: „Wir haben definitiv einen sehr starken Zusammenhalt in der Familie. Zu den Wettkämpfen fahren wir auch immer alle zusammen.“ Selbst Elenas kleine Schwester, die sechsjährige Elana, ist stets mit dabei und ist bereits angesteckt mit dem Schwimmfieber ihrer Schwester. Auch sie nimmt inzwischen an Wettbewerben teil. „Ich bin sehr froh über meine kleine Schwester. Sie steht immer am Beckenrand und feuert mich an“, sagt Elena.

Mit dem großen Engagement ihrer Töchter für das Schwimmen haben ihre Eltern nie ein Problem gehabt. Im Gegenteil: Mittlerweile engagieren sich beide sogar selbst im Schwimmverein. Sie sind dort als Beisitzer und bei Wettkämpfen als Kampfrichter tätig. Außerdem habe sie begonnen, selbst auch Kinder zu trainieren, erzählt Elenas Mutter. „Für Schwimmen wird viel weniger getan als beispielsweise für den Fußball, daher ist es so wichtig, dass wir Eltern die Vereine unterstützen.“

Was sie in ihrer Zukunft machen will, kann Elena noch nicht sagen. Das große Ziel sei natürlich Olympia. Das würde jedoch bedeuten: Weg vom geliebten Verein in Neusäß und der Familie, zumindest für eine gewisse Zeit. Stattdessen müsste Elena dann in einem Leistungszentrum trainieren. Ob sie das will, wisse sie noch nicht, sagt Elena.

Ein großes Ziel hat die junge Schwimmerin auch noch für 2020: „Dieses Jahr will ich unbedingt bei der deutschen Meisterschaft mitschwimmen“, sagt Elena. Ob das möglich sein wird? Um in Form zu bleiben, trainiert sie derzeit im Garten ihres Elternhauses. Dort hat man einen Pool aufgestellt, in dem Elena mangels einer Gegenstromanlage mit Gurten immer wieder zurückgezogen wird. Wenn es wärmer wird, will sie dann in irgendeinen See zum Schwimmen gehen. „Ohne Wasser kommt sie nicht aus“, sagt ihre Mutter.

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