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Gersthofen

19.01.2019

Wenn das Tor leer steht

Verwaiste Tore sieht man derzeit bei der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark öfters. Der Torhüter wird zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers runtergenommen. Diese Variante hat nicht nur Befürworter. Gersthofens Trainer Alexander Polz hat sie nicht unbedingt auf der Taktiktafel.
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Verwaiste Tore sieht man derzeit bei der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark öfters. Der Torhüter wird zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers runtergenommen. Diese Variante hat nicht nur Befürworter. Gersthofens Trainer Alexander Polz hat sie nicht unbedingt auf der Taktiktafel.
Bild: Karl Aumiller

Bei der WM machen viele Torhüter Platz für einen zusätzlichen Feldspieler. Was ein Bundesliga- und ein Bezirksoberliga-Coach und ein Handball-Rentner dazu sagen

Im Handball besteht eine Mannschaft aus sechs Spielern, die im Feld unterwegs sind, und einem weiteren zwischen den Pfosten. Das gehört gewissermaßen zum kleinen Einmaleins in dieser Sportart, die derzeit auf Grund der WM in Deutschland und in Dänemark eine besondere Medienpräsenz erfährt. Bei den Übertragungen im Fernsehen lässt sich unschwer erkennen, dass dies längst nicht mehr in Stein gemeißelt ist. Den Torhüter gegen einen weiteren Feldspieler auszutauschen, ist zu einer taktischen Variante geworden, die immer öfter Anwendung findet. Zuletzt gesehen beim 31:23-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien. Als man drei Treffer hintereinander ins leere Gehäuse kassierte, wurde das vom Publikum mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert.

Wer vorübergehend und seien es nur wenige Sekunden seinen Keeper aus dem Kasten auf die Bank beordert, der geht das Risiko ein, dass es bei einem Ballverlust sogleich im Tor „klingelt“, wie es Hartmut Mayerhoffer formuliert. Der in Leitershofen wohnende Bundesliga-Trainer, weiß von seinen Jobs in Bietigheim und nun beim Erstligisten Frisch Auf Göppingen, dass es in den oberen Regionen dieses Sportes schon beinahe Standard ist, bei einer Strafzeit für einen Feldspieler dieses Manko durch den Verzicht auf den Torhüter auszugleichen. „Das ist sehr, sehr hilfreich, im 6:6 zu agieren“, sagt Mayerhoffer. Doch er gibt auch zu bedenken: „Man muss ballsichere Spieler haben.“ Nur in einem wirklich eingespielten Team macht diese Variante Sinn. Torhüter raus und siebter Feldspieler rein: Diese Maßnahme erlaubt das Regelwerk auch. Doch Mayerhoffer winkt schnell ab: „Ich bin kein Freund vom 7:6.“ Dazu würde er sich nur in speziellen Spielsituationen entschließen.

Während man bei der Weltmeisterschaft diese Variante immer öfters sieht, gefühlt aber dabei mehr Tore kassiert als erzielt werden, kommt es in den unteren Spielklassen eher selten zur Anwendung. „Dazu braucht man technisch gute Spieler und der Ablauf muss genau stimmen. Sonst passieren Dinge wie bei den Deutschen“, sagt Alexander Polz, Trainer des Bezirksoberligisten TSV Gersthofen, der an diesem Wochenende beim TSV Friedberg II in die Rückrunde startet. Gerade bei den Frauen sieht er diese Variante aber als spannende Geschichte. „Hier ist das Risiko eines Gegentreffers nicht so groß, weil Frauen eher selten vom eigenen ins gegnerische Tor treffen.“ Im Männerbereich würde er dieses taktische Mittel nur in den letzten Minuten anwenden, wenn es volles Risiko geht.

Dass Deutschland den Sprung ins Halbfinale schafft, bezweifelt Polz: „Dazu ist der Angriff zu statisch und nicht variabel genug.“ Andere Mannschaften wie Dänemark, Norwegenoder Spanien hätten da weit mehr zu bieten Sein Geheimtipp ist Kroatien. Polz: „Die sind körperlich stark, mannschaftlich geschlossen und sielen immer an der Grenze des Erlaubten.“

Als Max Magg mit dem TSV Gersthofen in den 80er-Jahren bis in die Bayernliga aufstieg, gab es dieses Torwartwechselspiel noch nicht. „Unser Torwart wär gar nicht so schnell rausgekommen“, sagt der 69-Jährige, der am vergangenen Sonntag in der Münchner Olympiahalle drei Spiele (Bahrein – Mazedonien, Kroatien – Japan und Spanien Island) verfolgt hat. Die Karten hat er von seiner Tochter Elke zu Weihnachten bekommen. „Ein grandioses Erlebnis“, schwärmt er nicht nur vom Geschehen auf dem Parkett, sondern auch vom ganzen Drumherum: „Das Publikum war einzigartig. Fair und diszipliniert. Vor allem die Isländer haben mir gefallen.“ Was ihm nicht so gefallen hat: „Die Lautstärke in der Halle und die Musik – daran muss man sich in meinem Alter erst gewöhnen.“

Wenn Magg am morgigen Sonntag das nächsten Spiel der Deutschen gegen Island auf dem heimischen Sofa verfolgt, wird es wieder gemächlicher zugehen. „Da müssen wir gewinnen, dann bleibt es lange spannend“, stuft er den Gegner als „machbar“ ein. Schwieriger werde es gegen Spanien und Kroatien: „Die sind durchwegs überragend besetzt. Um diese Mannschaften zu schlagen, wird es sehr viel Spielglück und gute Schiedsrichterentscheidungen brauchen.“

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