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Augsburg

30.01.2019

80-jähriger Taxifahrer wird nach Geisterfahrer-Unfall nicht bestraft

Der 80 Jahre alter Taxifahrer aus Augsburg ist auf der A95 zum Geisterfahrer geworden und hat einen schweren Unfall verursacht.
Bild: Sabine Hermsdorf-Hiss, dpa

Ein 80-jähriger Augsburger Taxifahrer hat als Geisterfahrer auf der Autobahn A95 einen Unfall verursacht. Welche Folgen das für ihn nun hat.

Er war Augsburgs dienstältester Taxifahrer. 58 Jahre saß er am Steuer von Taxis und galt dabei als absolut zuverlässig. Doch dann löste Rudolf W., 80, einen schweren Unfall aus. Bei einer Kurierfahrt zum Starnberger See fuhr er in die falsche Richtung auf die Autobahn A95 auf. Sein Wagen krachte in zwei andere Autos. Die beiden Insassen dieser Autos wurden laut Polizei mittelschwer verletzt. Bestraft wird Rudolf W. wegen des Unfalls aber aller Voraussicht nach nicht. Die Staatsanwaltschaft ist nach Informationen unserer Redaktion dazu bereit, das Ermittlungsverfahren gegen den Rentner einzustellen.

Rudolf W. sagt, er habe auch in seinem höheren Alter noch gearbeitet, um seine bescheidenen Altersbezüge aufzubessern. Er fühlte sich noch fit genug. Im Frühjahr 2017 bestand er auch noch einen Gesundheitstest, den Taxifahrer regelmäßig absolvieren müssen.

Taxifahrer Rudolf W., 80, mit seinem Anwalt Michael Weiss.
Bild: Jörg Heinzle

Dass es an einem Montagabend im November zu dem Unfall kam, erklärt er sich damit, dass er sich im Bereich des Starnberger Sees nicht gut auskannte und in der Dunkelheit falsch abbog. Er habe zuvor den Weg nicht gefunden und jemanden gefragt. Plötzlich seien ihm dann auf der Autobahn die Autos auf seiner Spur entgegengekommen – und dann krachte es auch schon.

Ein Polizist sagt, es grenze an ein Wunder, dass es keine Toten gab

Ein Sprecher der Polizei sagte danach, es grenze an ein Wunder, dass bei dem Unfall niemand gestorben ist und auch keiner schwerere Verletzungen davon trug. Mit diesem Unfall endete Rudolf W.s letzte Fahrt am Steuer eines Taxis. Er weiß, dass dadurch nicht nur sein Berufsleben als Taxifahrer beendet ist. Er ist auch bereit, seinen Führerschein zurückzugeben. Dieses Angebot unterbreitete sein Rechtsanwalt Michael Weiss der zuständigen Staatsanwaltschaft in München.

Die Behörde ging darauf ein. Sobald Rudolf W. seinen Führerschein unwiderruflich abgegeben hat, werde das Verfahren eingestellt, heißt es in einem Brief der Staatsanwaltschaft an den Rechtsanwalt. Damit droht dem 80-Jährigen keine Strafe. Und auch auf weitere Auflagen, möglich wäre etwa eine Geldzahlung, will die Staatsanwaltschaft dann verzichten. Er sei dabei, das jetzt für seinen Mandanten in die Wege zu leiten, sagte Anwalt Michael Weiss auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Polizei hatte direkt nach dem Geisterfahrer-Unfall vermutet, der 80-Jährige habe sich in einem Zustand der Unterzuckerung befunden und sei deshalb verwirrt gewesen. Sein Anwalt widerspricht dieser Theorie. Es gebe dafür „keinerlei medizinische Anhaltspunkte“, sagte Michael Weiss. Er gehe von einem „Augenblicksversagen“ aus. Rudolf W. hatte betont, es tue ihm sehr leid und er wolle sich gerne bei den Unfallopfern entschuldigen.

Der Unfall löste eine Debatte über eine Altersgrenze aus

In der Augsburger Taxizentrale hatte man sich an jenem Novembertag allerdings gewundert, warum der Fahrer, den man schon um die Mittagszeit wieder in Augsburg erwartet hatte, auch Stunden später noch nicht zurück war. Er wirkte am Telefon zwar normal. In einem Punkt aber wurde die Zentrale misstrauisch. Der Taxifahrer erzählte von Fahrgästen, die den Weg ebenfalls nicht wüssten. Tatsächlich aber saß er allein im Wagen. Der Unfall im vergangenen November hatte auch eine Debatte darüber ausgelöst, ob es eine Altersgrenze für Taxifahrer geben sollte. Bisher gibt es eine solche Grenze nicht.

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