Newsticker

RKI meldet 11.409 neu mit Corona Infizierte
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburg hat 700 Biotope

Umwelt

18.04.2015

Augsburg hat 700 Biotope

Die Küchenschelle, aufgenommen beim Landesamt für Umwelt, ist eine von über 2500 Pflanzen- und Tierarten, die auf Augsburger Stadtgebiet dokumentiert sind. Zum ersten Mal wurde jetzt eine komplette Erhebung veröffentlicht.
Bild: Nicolas Liebig

Die große Artenvielfalt in der Stadt ist jetzt komplett erfasst. Rund ein Viertel des Stadtgebietes steht unter besonderem Schutz. Wertvolle Natur gerät aber immer wieder in Gefahr – aus verschiedenen Gründen

Natur kann schnell in Gefahr geraten. Nahe dem Landesamt für Umwelt in Haunstetten wollte sich eine Hundeschule ansiedeln. Das hätte wohl das Aus für Rebhühner und andere seltene Tiere bedeutet, die den Magerrasen südlich und südwestlich des Amtsgebäudes bevölkern. Die Immobilienfirma des Freistaates verzichtet nun auf einen Pachtvertrag mit der Hundeschule. Die Überlegungen seien vom Tisch – „aus Naturschutzgründen“, sagt Geschäftsführer Dieter Knauer auf Anfrage.

Auf dem Areal beim Landesamt sind die letzten Reste von seltenen Tieren und Pflanzen der Alten Augsburger Flugplatzheide zu finden. Der Magerrasen gilt als einzigartiges Stück Natur in der Stadt. Zahlreiche Rote-Liste-Arten kommen nur dort vor.

Gerade weil die Flächen besonders wertvoll sind, sind sie in einer neuen Erhebung aufgeführt: im Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP). Mit dieser breit angelegten Untersuchung für das ganze Stadtgebiet ist die Artenvielfalt in Augsburg nun praktisch amtlich.

Fachleute haben über 20000 Einzelnachweise von 2504 Tier- und Pflanzenarten erfasst und bewertet, dazu fast 700 Biotope in Augsburg. Ihre Ergebnisse bilden die fachlichen Grundlagen für den neuen rund 1000 Seiten dicken ABSP-Band. Dort sind alle verfügbaren Daten enthalten, die für den Naturschutz vor Ort von Bedeutung sind. Genannt werden aber auch Konfliktpotenziale und Ziele. Fast 14 Jahre hat es gedauert, bis die umfassende Bestandsaufnahme fertig war. Auftraggeber war das Landesamt für Umwelt. Augsburg ist die zehnte Stadt in Bayern, für die ein solches Programm vorliegt. Das Beispiel Augsburg zeige, „Natur und Stadt sind keine Gegensätze“, sagte LfU-Präsident Claus Kumutat bei der offiziellen Übergabe des ABSP-Bands im Rathaus. Er lobte die große Artenvielfalt im Stadtgebiet. Diese komme auch den Erholungsräumen und damit den Menschen zugute.

Als bestes Beispiel dafür gilt der Stadtwald. Er ist eines der größten Naturschutzgebiete in Bayern. Als grüne Oase macht er Natur für die Menschen in Augsburg erlebbar. Doch auch an vielen anderen Orten können Bürger seltene Arten beobachten, etwa Fledermäuse im Wittelsbacher Park oder in den Grünanlagen an der Stadtmauer.

Ein genauer Überblick über Augsburgs wertvollste Naturräume ist wichtig. Das wird auch deutlich am Beispiel neu nachgewiesener Arten. Darunter sind etwa die Mücken-Fledermaus und der Mauer-Ahlenläufer an der Stadtmauer, oder sehr seltene Käfer- und Wanzenarten. Sie wurden auf den Ausgleichsflächen des Landesamtes für Umwelt erstmals erfasst.

Einerseits hat Augsburg ein besonders vielfältiges Naturerbe. Rund ein Viertel des Stadtgebiets sind Schutzgebiete. Der Anteil an wertvollen Lebensräumen liegt über dem Landesdurchschnitt. Aus Sicht von Experten ist auffällig, dass in den Lechheiden bisher keine Pflanzenart sicher erloschen ist. Auch bei den Tiergruppen sei der Artenschwund vergleichsweise gering.

Entwarnung für Augsburgs Naturschätze geben die Fachleute dennoch nicht. Grundsätzlich gehen sie davon aus, dass beispielsweise fast alle der 302 stadtbedeutsamen Gefäßpflanzenarten potenziell gefährdet sind. Als ein großes Problem gilt, dass mit der Kanalisierung des Lechs die Auen seit einem Jahrhundert immer weiter austrocknen. Damit drohen wertvolle Lebensräume zu verschwinden. Gleichzeitig gilt das Lechtal als eine Biotopbrücke mit landesweiter Bedeutung.

Umweltreferent Reiner Erben sieht im ABSP einen wichtigen Baustein für die Umsetzung der Augsburger Biodiversitätsstrategie. „Es ist wichtig zu wissen, was für den Erhalt der Artenvielfalt getan werden muss, oder für welche Tier- und Pflanzenarten die Stadt besonders verantwortlich ist und welche Gebiete besonders schützenswert sind“, so Erben. Zu diesen Fragen liefere das zentrale Nachschlagewerk konkrete Antworten.

Generell seien Natur und Umwelt für Augsburg ein ganz wesentliches Markenzeichen. Das findet Oberbürgermeister Kurt Gribl. Er sieht in den Ergebnissen der Erhebung „eine Bestätigung für ein jahrzehntelanges naturschutzfachliches Engagement“. Das zeige sich zum Beispiel im Augsburger Modell zur Pflege der Grünflächen. Das Programm sei auch für den Stadtentwicklungsprozess und die Neuerarbeitung des Flächennutzungsplanes von großer Bedeutung, so Gribl. „Es ist Auftrag und Ansporn zugleich.“

Eine Anregung aus dem Bereich der Augsburger Naturforscher wird sich aber wohl nicht erfüllen. Klaus Kuhn plädierte dafür, das Areal südlich und südwestlich des Landesamtes für Umwelt in Haunstetten unter Schutz zu stellen. So könne der für den Augsburger Raum einzigartige Artenbestand erhalten werden. LfU-Präsident Kumutat sieht dafür unterdessen keine Notwendigkeit. Die Flächen seien nicht bedroht. Auch kümmere sich das Landesamt selbst um das Areal. Man sei stolz auf die gute Entwicklung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren