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Augsburg

17.05.2015

B17-Ausbau bringt Augsburgern Dauerstau vor die Haustür

Hilmi Rexhepi lebt in der Hooverstraße in Kriegshaber und damit unmittelbar neben der B17. Den Verkehr hat er 24 Stunden am Tag vor der Haustür, nun auch noch die Bauarbeiten.
Bild: Michael Hochgemuth

Anwohner berichten, wie sie die Auswirkungen der Baustelle auf der B 17 erleben und wie sie sich gegen Lärm und Abgase schützen.

Will Barbara Huß am Morgen noch etwas frische Luft in ihre Wohnräume lassen, muss sie sich beeilen. „Ab etwa 6.30 Uhr nimmt der Verkehr stetig zu, und irgendwann staut sich hier alles.“ Die Seniorin wohnt seit 1961 in der Kriegshaberstraße. Doch was derzeit wegen der B-17-Baustelle bei ihr vor der Tür los ist, sei „extrem“.

B17-Ausbau: Metallplatten scheppern auf der Fahrbahn

Wegen der Bauarbeiten ist die Auffahrt in der Bürgermeister-Ackermann-Straße gesperrt und der Verkehr Richtung Norden wird über die Kriegshaberstraße umgeleitet. Auch die südlich anschließende Hagenmähderstraße ist verstopft.

„Hier ist dreimal so viel los wie sonst. Der Lärm und der Gestank von den Abgasen sind heftig“, sagt Tochter Barbara Müller, die gerade zu Besuch ist. Für einen kurzen Moment wird es ruhiger, weil der 32er Bus weiter unten an der Haltestelle stoppt. Dann geht es im Schritttempo weiter.

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Auch Barbara Huß und ihre Tochter Barbara Müller finden den Dauerstau in der Kriegshaberstraße belastend.
Bild: Michael Hochgemuth

Weil es sonnig ist, haben viele Autofahrer ihre Scheiben heruntergelassen, so haben die Anwohner noch mehr von dem Wummern der Musikanlagen. „Das hört erst abends auf, wenn der Berufsverkehr durch ist, dann kann ich endlich wieder lüften“, sagt Huß.

Bei Huß hört der Lärm immerhin irgendwann auf, davon kann Hilmi Rexhepi nur träumen. Der Wohnblock, in dem er lebt, steht zwar erhöht, aber auch direkt an der B17 nahe der Bgm.-Ackermann-Straße. Unten auf der Bundesstraße scheppert es alle paar Sekunden, immer dann, wenn ein Fahrzeug über die Metallplatten rollt, die auf die Fahrbahn gelegt wurden.

Wenn Lastwagen darüber fahren, ist es besonders laut. Das Geräusch hört man noch in 50 Metern Entfernung. „Wir müssen damit leben, was sollen wir machen?“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Besonders laut sei es gewesen, als der Asphalt bis weit in die Nacht hinein abgefräst wurde. Irgendwann habe er trotzdem schlafen können.

Baureferat: Kein Flüsterasphalt für die B17

Auch wenn die Baustelle weg ist, wird der Lärm in diesem Bereich bleiben. Flüsterasphalt könnte das Problem lösen, doch den wird es hier laut Baureferat der Stadt auch künftig nicht geben. Grund sei die „wesentlich geringere Haltbarkeit als bei einem ,normalen‘ Asphalt“. Zudem gebe es Lärmschutzwände und die Bundesstraße 17 sei an der Stelle tiefer gelegt.

Gelassen nimmt den vielen Verkehr um sich herum Dehi Duygu hin. Sie wohnt in der Rosenaustraße. „Hier ist ohnehin immer so viel los, dass ich seit Jahren mit Ohrstöpseln schlafe. Dadurch belastet es mich jetzt nicht mehr als sonst.“ Anders sieht es aus, wenn sie zu ihrer Arbeitsstelle in Gersthofen kommen will.

Morgens aus der Georg-Brach-Straße wieder herauszukommen, sei nervenaufreibend. Viele Autofahrer seien nicht bereit, mal eine Lücke zu lassen, sodass sie auf die Rosenau- oder Holzbachstraße einbiegen könne. „Einmal habe ich einen Autofahrer gebeten, mich doch rauszulassen, da hat er mich übel beleidigt. Die Aggressivität, der man derzeit immer wieder begegnet, ist erschreckend.“

Duygu wohnt ebenso wie Rexhepi in einer Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. „Bislang haben sich keine Mieter mit Beschwerden wegen Bau- oder Verkehrslärms an uns gewandt“, sagt deren Geschäftsführer Mark Dominik Hoppe.

Wenig besser als den Anwohnern in der Rosenaustraße ergeht es weiter südlich in der Hörbrotstraße Manuela Maier. Ab kurz nach 6 Uhr nehme der Verkehr in der kleinen Straße spürbar zu und immer wieder sei diese komplett verstopft, so die Anwohnerin. Auch fahren derzeit „ungewöhnlich viele Busse“ durch die Straße, hat sie beobachtet.

Manuela Maier hält es in ihrem Garten in der Hörbrotstraße im Thelottviertel kaum aus.
Bild: Michael Hochgemuth

B17-Staus lösen bei Autofahrern Aggressivität aus

Ihren Balkon und den Garten vor dem Haus könne sie deshalb nicht mehr nutzen. „Wir flüchten uns an die Wertach oder in den Wittelsbacher Park, um etwas Ruhe zu finden.“ Die kleine Straße ist auch deswegen so stark frequentiert, weil man von der nördlich gelegenen Rosenaustraße nicht Richtung Pfersee abbiegen kann, von der Perzheimstraße am südlichen Ende der Hörbrotstraße aber schon.

An der nahen Kreuzung östlich der Luitpoldbrücke lässt sich die Aggressivität der Autofahrer gut beobachten, die Duygu kritisiert. Immer wieder wird es eng, weil einige noch schnell über die Ampel rüber wollen bei Gelb oder gar Rot. Richtig heikel wird es immer wieder, wenn die Straßenbahnlinie 3 wegen des Rückstaus in der Pferseer Straße die Kreuzung nicht komplett überqueren kann und dadurch den Individualverkehr blockiert.

Dauerstau herrscht aber nicht nur in Augsburg, sondern auch in den westlich angrenzenden Kommunen. Vor allem in Stadtbergen und Neusäß brauchen Autofahrer Geduld und starke Nerven. Die Polizei stellte in den vergangenen Tagen fest, dass es sinnvoller sein kann, auf der B17 zu bleiben, statt ringsherum im Stau zu stehen. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn die Auf- beziehungsweise Abfahrt der Bundesstraße, die man benutzen will, offen ist.

Voraussichtlich bis 6. Juni müssen sich die verkehrsgeplagten Anwohner aber noch gedulden, dann sollen die Bauarbeiten auf der B17 abgeschlossen sein, vorausgesetzt, das Wetter macht den Verantwortlichen keinen Strich durch die Rechnung.

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