Newsticker

Corona: 90 Prozent der Deutschen lehnen Demos gegen Corona-Maßnahmen ab
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Berliner Allee: So leben Flüchtlingsfamilien in ihrer neuen Unterkunft

Augsburg

19.12.2019

Berliner Allee: So leben Flüchtlingsfamilien in ihrer neuen Unterkunft

So zeigt sich der Blick auf die Flüchtlingsunterkunft an der Berliner Allee. Im Container leben derzeit 101 Personen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus In der Berliner Allee in Augsburg gibt es jetzt eine Unterkunft für Flüchtlinge mit Kindern. Da ist einiges zu regeln: Es geht nicht nur um den Schulbesuch.

In das eingezäunte Areal an der Berliner Allee nahe der ehemaligen Ledvance-Produktionsstätte (vormals Osram) kommt man nicht so ohne Weiteres. Am Eingang steht ein kleiner Container, in dem Sicherheitsleute sitzen. Sie schauen darauf, dass sich keine unbefugten Personen auf dem Gelände bewegen. Hier an der Berliner Allee ist seit Anfang Dezember eine Unterkunft für Flüchtlingsfamilien eingerichtet. Es sind Asylbewerber, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind. Offiziell handelt es sich um eine Anker-Zweigstelle.

Ähnliche Einrichtungen gibt es im Augsburger Stadtgebiet bereits in Inningen und Kriegshaber. Die Besonderheit der Unterkunft an der Berliner Allee liegt daran, dass es sich ausschließlich um Familien mit schulpflichtigen Kindern handelt.

Exakt 101 Personen leben derzeit in einem silberfarbenen Container mit zwei Etagen. Für jede Familie steht ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Mit Ausnahme einer Frau aus Nigeria mit ihren zwei Kindern sind alle anderen Bewohner Türken. In der Summe sind es 60 Kinder, davon gehen 41 in die Schule. Für kleinere Kinder gibt es einen Kindergarten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge ist die Regierung von Schwaben. Frank Kurtenbach und sein Kollege Jan Berger sind mit den Abläufen in der Anker-Zweigstelle gut vertraut. „Da das große Ankerzentrum in Donauwörth zum Jahresende aufgegeben wird, mussten wir eine andere Lösung finden“, erläutern sie. Dazu gehört, wie berichtet, dass seit Dezember das Verwaltungszentrum für neuankommende Flüchtlinge in einem Industriegebiet in Lechhausen sitzt. Die Einrichtung an der Berliner Allee dient als zusätzlicher Aufenthaltsort für Flüchtlinge.

Alle Bewohner waren zuvor im Ankerzentrum Donauwörth

Wer jetzt hier nahe des Lechs lebt, kennt sich bereits aus Donauwörth. Alle 101 Personen waren zuvor im dortigen Ankerzentrum. „Das macht das Einleben in Augsburg sicherlich etwas leichter“, sagt Kurtenbach. Ähnlich wie in Donauwörth kümmern sich Mitarbeiter der Malteser um die Betreuung der Flüchtlinge. Manuela Tschunke arbeitet als Kindererzieherin. Die junge Frau, die in Treuchtlingen wohnt, hat ihren Arbeitsplatz nun eigens gewechselt.

Manuela Tschunke arbeitet als Erzieherin und kümmert sich um die kleinen Kinder in der Flüchtlingsunterkunft.
Bild: Silvio Wyszengrad

Sie hatte die Flüchtlingskinder bereits in Donauwörth betreut und macht dies nun auch in Augsburg. In einem kleinen Verwaltungsgebäude, das abseits vom Wohncontainer liegt, gibt es im Erdgeschoss einen Kindergarten. Die Mädchen und Buben aus der Türkei malen und basteln in diesem Raum. Mit der Verständigung gebe es zwar manchmal Probleme, sagt Manuela Tschunke, „ich spüre aber, wie sich die Kinder wohlfühlen.“

Die 41 schulpflichtigen Kinder werden in drei eigenen Klassen in der Herrenbach-Schule unterrichtet. Die Schule liegt unweit der Einrichtung. Über die viel befahrene Berliner Allee wäre es nahezu ein Katzensprung. „Dieser Weg ist allerdings viel zu gefährlich“, sagt Kurtenbach. Schulweghelfer könnten am Übergang nicht eingesetzt werden. Deshalb gibt es eine spezielle Form, wie der Schulweg gestaltet wird: Die Lehrerinnen kommen eigens in der Früh in die Einrichtung und frühstücken gemeinsam mit den Kindern. Danach geht’s geschlossen zur Herrenbach-Schule und später wieder zurück.

Den Bewohnern steht im Container eine Waschküche zur Verfügung.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bei den Kindern läuft vieles in spielerischer Form und lockerer Atmosphäre ab. Bei den Erwachsenen sieht es etwas anders aus. Sie erhalten in der Einrichtung nur eine Flüchtlingsberatung. Sie können zudem an Kursen teilnehmen, die ihnen den Einstieg in das Leben in einem fremden Land erleichtern sollen. Man verständige sich oftmals mit Händen und Füßen, sagt eine Mitarbeiterin der Malteser, „mit etwas Englisch geht es auch weiter.“ Mitunter stehe ein Dolmetscher zur Verfügung. Die Bewohner können die Einrichtung jederzeit verlassen. Die Verpflegung findet vor Ort statt. Eine Waschküche ist vor Ort. Ein Caterer liefert das Essen.

Im Jahr 2020 wird die Einrichtung erweitert

Die Einrichtung an der Berliner Allee wird im nächsten Jahr erweitert. Dies hatte die Regierung von Schwaben frühzeitig angekündigt. Vorgesehen ist, dass weitere 100 Personen hier untergebracht werden. Dazu wird auf dem jetzigen eingezäunten Gelände ein weiterer Container errichtet, der wohl im Juni 2020 bezogen wird. Außerhalb des jetzigen Areals entstehen ebenfalls bis Sommer zusätzliche Bauten für Verwaltung und Versorgung. In einem neuen Container werden zudem eigens Klassenräume für Flüchtlingskinder geschaffen. Platz ist hier dann auch für Kindergartenkinder vorgesehen.

Lesen Sie den Kommentar: Diese Flüchtlinge sind gut in Augsburg angekommen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren