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Prozess in Augsburg

13.05.2019

Betrüger ordern Bahntickets online in Afrika und verkaufen sie weiter

Der Angeklagte muss in Haft.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein Zwischenhändler versorgte von Augsburg aus Landsleute in ganz Deutschland – und muss ins Gefängnis.

Die Deutsche Bahn verkauft inzwischen die Hälfte ihrer Fahrkarten über das Internet. Und lockt damit auch Betrüger. Immer häufiger werden Tickets online geordert, mit gefälschten Kreditkarten bezahlt und dann auf Internetportalen weiterverkauft.

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Mit einem ungewöhnlichen Fall hat sich jetzt ein Schöffengericht unter Vorsitz von Dominik Wagner befasst. Ein 41 Jahre alter Afrikaner hat Landsleute in ganz Deutschland vier Jahre lang in großem Stil mit solchen Bahntickets versorgt. Das Besondere: Der Komplize, der die Fahrkarten online bestellte, saß fast 5000 Kilometer entfernt in seinem Heimatland Kamerun.

Die Tickets wurden mit gefälschten oder gehackten fremden Kreditkarten gezahlt

Staatsanwalt Konstantin Huber listete insgesamt 491 Fälle zwischen Februar 2014 und Juli 2018 mit einem Schaden von rund 75.000 Euro auf, die dem Afrikaner zur Last gelegt wurden. Dabei ging es um zwei Komplexe: einmal um Wochen- und Monatskarten, zum Beispiel für die Strecke AugsburgMünchen, zum zweiten um normale Tickets zwischen Bahnhöfen in ganz Deutschland, so Augsburg–Bremen oder gar europaweite Fahrten wie zwischen Köln und Lyon.

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Das weltweite Onlinenetz erleichterte die betrügerischen Geschäfte und erschwerte das Aufdecken. Der Angeklagte arbeitete mit einem namentlich bekannten Landsmann in Afrika zusammen. Der saß in Kamerun vor dem PC und orderte die Tickets, großteils auf Bestellung. Der Komplize bezahlte die Fahrkarten gleich mit gefälschten oder gehackten fremden Kreditkartendaten. Die Wochen- und Monatskarten wurden von der Bahn per Post an den Angeklagten und die Abnehmer geliefert, die zahlten dann einen günstigen Preis. Davon kassierte der 41-Jährige eine Provision von 20 bis 30 Prozent. Die anderen Streckentickets konnten jeweils online ausgedruckt werden.

Der Angeklagte gesteht

Bei der Deutschen Bahn fiel das betrügerische Netzwerk auf, weil Lastschriften für Kreditkartenbuchungen zurückgingen oder sich Inhaber von Kreditkarten über falsche Abbuchungen beschwerten. Die Bundespolizei in Augsburg ermittelte. Was sich als nicht ganz einfach erwies. Die Spur führte am Ende zu dem Kameruner aus Augsburg. Die Polizei hörte schließlich sein Telefon und damit Gespräche mit seinen Kunden ab. Im Juli 2018 wurde er in Untersuchungshaft genommen. Von dem Komplizen in Afrika kennt die Polizei lediglich den Namen und seine Facebookseite. Das Schöffengericht hatte für den Prozess fünf Verhandlungstage angesetzt. Rechtsanwalt Moritz Bode, der Verteidiger des Angeklagten, bat zu Beginn das Gericht sowie den Staatsanwalt zu einem Verfahrensgespräch hinter verschlossenen Türen. Dabei wurde dem Afrikaner bei einem Geständnis eine Haftstrafe von etwa drei Jahren in Aussicht gestellt. Der 41-Jährige räumte die Vorwürfe ein.

Das Schöffengericht stellte dann mit Zustimmung der Anklagebehörde den größten Teil der Vorwürfe im Hinblick auf die zu erwartende Strafe vorläufig ein. Es blieben 66 Betrugsfälle mit Wochen- und Monatskarten übrig, die abgeurteilt wurden. So konnte das Gericht auf die Ladung Dutzender von Zeugen aus ganz Deutschland verzichten. Der Angeklagte muss für zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis und einen sogenannten Wertersatz von 17.062,50 Euro leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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