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Augsburg

15.05.2020

Corona-Krise: Mehr Opfer von Gewalt suchen Zuflucht im Frauenhaus

Häusliche Gewalt hat nach Angaben von Hilfsorganisationen in Augsburg zuletzt zugenommen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Das Frauenhaus in Augsburg verzeichnet vermehrt Anfragen, seit die Menschen wegen Corona mehr Zeit zu Hause verbringen. Doch auch Männer leiden unter Übergriffen.

In den ersten Wochen, nachdem die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben auch in Deutschland durcheinanderwirbelte und viele Menschen ans häusliche Umfeld band, blieb das Telefon im Augsburger Frauenhaus vergleichsweise still. Doch das änderte sich. „Nun bekommen wir vermehrt Anfragen“, bestätigt Birgit Gaile, die Leiterin der Einrichtung.

Die Menschen hätten viel Zeit im häuslichen Bereich verbracht, zum großen Teil isoliert, mit wenig Kontakten. „Bei veranlagten Gewaltstrukturen kann es in dieser besonderen Situation zu Konflikten und schließlich auch zu körperlichen Übergriffen kommen“, sagt Gaile. Häusliche Gewalt ist ein Grund, warum sich Frauen im Frauenhaus melden. 42 Frauen samt Kindern haben in der Einrichtung Platz, die für die Stadt Augsburg und die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg und Landsberg zuständig ist. „Wir hatten auch Plätze frei, weil wir gerade erst eine weitere Einrichtung eröffnet haben: Sie heißt Second Stage, also zweite Stufe“, erklärt Birgit Gaile. Das Angebot richtet sich an gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder, die den hohen Schutz eines Frauenhauses nicht oder nicht mehr benötigen. „Es ist beispielsweise auch keine anonyme Einrichtung“, sagt Birgit Gaile. Sechs Plätze können nun in dem weiterentwickelte Hilfsprojekt der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Augsburg angeboten werden.

Erkenntnisse: Die Dunkelziffer bei sexueller Gewalt ist hoch

Bei häuslicher und sexualisierter Gewalt ist nicht nur die Dunkelziffer bei den betroffenen Frauen hoch. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sind etwa 20 Prozent der von häuslicher Gewalt betroffenen Personen männlich. Die Arbeiterwohlfahrt bietet mit „Viat“ auch eine Beratungsstelle für gewaltbetroffene Männer an.

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Seit wenigen Wochen gibt es nun aber auch eine Wohnung für Männer, die Opfer von Gewalt wurden. Das Projekt „Adami“ wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales initiiert und wird in Augsburg vom katholischen Sozialdienst SKM betreut. Betroffene aus dem südbayerischen Raum finden dort einen Ort, wo sie psychischer und physischer Gewalt entkommen können, bevor sich die häusliche Situation weiter zuspitzt. Das Projekt „Adami“ bietet Beratung und psychosoziale Begleitung für zwei Männer und gegebenenfalls ihre Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren an. Projektleiterin Carina Huber begrüßt es sehr, dass betroffene Männer durch dieses neue Angebot zur Ruhe kommen können.

Das Thema betrifft auch Männer - und ist schambesetzt

Sie weiß, dass das Thema für Männer sehr schambesetzt ist – und sie in der Gesellschaft oftmals belächelt würden. „Mithilfe sozialpädagogischer Begleitung erhalten sie die Chance, sich zu stabilisieren und neu zu orientieren, um wieder ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen“, sagt Huber. Es gab schon einige Anfragen – ein Mann ist bereits in die Einrichtung eingezogen. „Es ist ein riesengroßer Schritt, die Ursprungssituation zu verlassen“, weiß Carina Huber. Die betroffenen Männer können künftig im Schnitt etwa drei Monate in der neuen Einrichtung bleiben.

Hilfesuchende Frauen können das Frauenhaus Augsburg unter der Telefonnummer 0821/650874010 kontaktieren. Die Männerberatung „Viat“ ist unter der Nummer 0821/45033920 erreichbar. Informationen zum Projekt „Adami“ gibt es unter den Telefonnummern 0151/53322936 oder 0151/53158601.

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