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Augsburg

24.11.2019

Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge: Sind die Angebote in Kriegshaber in Gefahr?

Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Ehrenamtskoordinatorin kochen gemeinsam in der Freien Evangelischen Gemeinde in Kriegshaber.
Bild: Annette Zoepf

Plus Koordinatorinnen der Malteser bringen Ehrenamtliche und Flüchtlinge zusammen. Jetzt soll die Stelle gestrichen werden. Wie es weitergeht.

In der Küche der Freien Evangelischen Gemeinde duftet es appetitanregend nach orientalischen Gewürzen. Die Männer, die sich gerade Fleisch und Reis auf ihre Teller schaufeln, schauen zufrieden drein. Das gemeinsame Kochen am Dienstagnachmittag ist für sie eine willkommene Abwechslung vom Alltag in der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft am Kobelweg. Dort werden die Bewohner, die aktuell aus Afrika und der Türkei kommen, von einem Caterer verpflegt. Nicht immer treffen die Gerichte ihren Geschmack. „Kartoffel, Kartoffel, Kartoffel“, sagt einer von ihnen und grinst. Das Wort für die Lieblingsbeilage der Deutschen hat er schnell gelernt.

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Das gemeinsame Kochen außerhalb der Unterkunft haben sie ehrenamtlichen Helfern wie Petra Hirnig zu verdanken. Auch wenn die Flüchtlingswelle abgeebbt ist und die Helferkreise nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit wie vor einigen Jahren stehen, ist das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit nicht wegzudenken. Rund 20 Freiwillige halten für die aktuell rund 80 Flüchtlinge am Kobelweg Angebote wie Kochen, Kinderbetreuung und Sprachcafé aufrecht.

Dass das Angebot vielfältig ist und die Ehrenamtler bei der Stange bleiben, haben sie Silvia Norzinski und Pervin Öz von den Malteser Werken zu verdanken. Die beiden Frauen teilen sich eine Vollzeitstelle als Ehrenamtskoordinatorinnen im Ankerzentrum Donauwörth mit seinen Dependancen in Inningen und Kriegshaber.

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Ehrenamtskoordinatorinnen sind ein Bindeglied

„Wir sehen uns als Moderator und Bindeglied zwischen den Ehrenamtlichen, den Flüchtlingen und der Regierung von Schwaben, die das Ankerzentrum betreibt.“ So beschreibt Norzinski ihre Aufgabe, zu der auch die Netzwerkarbeit mit bestehenden Angeboten und Trägern gehört. In manchen Fällen gehe es darum, den Freiwilligen die Grenzen ihres Engagements aufzuzeigen. Zudem mache sie die Helfer mit vielen organisatorischen Dingen in der Unterkunft vertraut, die damit zu wichtigen Ansprechpartnern für die Flüchtlinge würden. „Wir könnten das in diesem Maß gar nicht leisten“, sagt eine Mitarbeiterin der Regierung von Schwaben.

Die Ehrenamtskoordination trage dazu bei, dass sie und ihre Kollegen ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können. Auch Franziska Schulze, die in der Freien Evangelischen Gemeinde aktiv und eine von zwei Leiterinnen des Helferkreises Kriegshaber ist, schätzt die Unterstützung durch Norzinski und Öz. „Durch sie ist vieles erst möglich geworden. Sie sind diejenigen, die einen direkten Kontakt zu den Bewohnern haben, Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren übernehmen und über ihre Präsenz vor Ort als Multiplikatoren wirken.“

Stadtteiltreff Kriegshaber macht sich für Erhalt der Stellen stark

Für Irritationen nicht nur im Helferkreis sorgt indes die Ankündigung, die Stelle falle demnächst weg. Die Mitglieder des Stadtteiltreffs CCKT (Centerville-Cramerton-Kriegshaber-Treff) sprachen sich bei ihrer Herbstversammlung für den Erhalt der Ehrenamtskoordination aus. Nach Auskunft der Regierung von Schwaben wird es jedoch zum Jahreswechsel zu Veränderungen kommen. „Die momentan in den beiden Augsburger Dependancen Kobelweg und Inningen eingesetzte Ehrenamtskoordination beruht auf einer Übergangsregelung bis zum Jahresende 2019 in der Startphase der beiden Dependancen, um einen zügigen Aufbau der Ehrenamtskoordination zu gewährleisten“, sagt Pressesprecher Karl-Heinz Meyer.

Künftig sollen diese Aufgaben von Integrationslotsinnen und -lotsen erfüllt werden, die vom Freistaat Bayern gefördert werden. Auch die Stadt ist laut Meyer bereit, mit ihren bereits vorhandenen Integrationslotsen in Kriegshaber und Inningen aktiv zu werden.

Veränderungen in Augsburg bei der Unterbringung von Flüchtlingen

Verändern wird sich zum Jahreswechsel auch die Belegungsstruktur in den Dependancen. In der Einrichtung Kriegshaber etwa ist künftig nur noch ein Teil der 140 Plätze für längerfristige Bewohner vorgesehen. Für den anderen Teil ist die Unterkunft nur Durchlaufstation. Die Neukonzeption hängt mit der Schließung des Ankerzentrum-Standorts Donauwörth zusammen. Das Verwaltungszentrum wird dann nach Augsburg verlegt, in den Stadtteil Lechhausen. Hier werden die Flüchtlinge registriert, bevor sie auf Anker-Zweigstellen verteilt werden. Augsburg bekommt zu den Standorten in Kriegshaber und Inningen eine weitere Filiale dazu. Sie befindet sich in der Berliner Allee. Ehrenamtliche wie Petra Hirnig, die den Neuankömmlingen das Leben in der Fremde erleichtern, werden weiterhin gefragt sein.

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