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30.07.2010

Eine fantastische Welt zusammengeschustert

"Anfangs stand eine vage Idee. Einzelne Gastauftritte knüpften erste Kontakte. Und jetzt hebt sich der Vorhang für das Eukitea Schwarzmeer Theaterfestival", sagte Eukitea-Theaterleiter Stephan Eckl bei der Eröffnung seines europäischen Theaterprojektes von Großstadtformat in Diedorf. Für den gelungenen dramatischen Auftakt sorgten die Akteure aller beteiligten Gruppen mit kurzweiligen Performances, ehe das russische Vedogon Theater die Zuschauer mit der Theaterfantasie "In seinen Schuhen" staunen, lauthals lachen und heftig applaudieren ließ.

Sechs Theaterensembles, allesamt Schwarzmeer-Anrainer, sind nach Diedorf angereist. In ihrer symbolträchtigen Performance zeigten die Akteure aus Rumänien, Bulgarien, Russland, Georgien, der Ukraine und Türkei, dass aus der Vielfalt eine spannende Einheit erstehen kann.

In Anwesenheit von kommunaler und landespolitischer Prominenz zeigte sich Schwabens Regierungspräsident Karl Michael Scheufele in seinem Grußwort begeistert, "denn derartige Festivals kommen sonst eher nach München oder Hamburg." Und er sollte recht behalten, agierte das Moskauer Vedogon Theater doch in Inszenierung und Spiel auf hervorragendem Niveau. Und das mit einem Stück, das nicht viel mehr im Gepäck hatte als ein wenig Fantasie.

Außerdem wurde deutlich, wie universell Theatersprache ist, die keine Sprachbarrieren kennt. Ein Schuster sitzt in seiner Stube und hantiert mit seinem Handwerkszeug. Wird von jeher dem Schuster angeraten, bei seinen Leisten zu bleiben, so lag das Geheimnis des grandiosen Theaterabends gerade in der Missachtung dieses Gebots.

Eine fantastische Welt zusammengeschustert

Dass diese Inszenierung von Pavel Kurochkin mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, überrascht nicht wirklich angesichts des dargebotenen Feuerwerks an darstellerischem Ideenreichtum, der die Augen von Groß und Klein übergehen ließ. Wie aus sich selbst heraus entstanden immer neue Fantasiegestalten, verwandelten sich Sporen in einen draufgängerischen Don Juan, wurde aus einem rosa Stöckelschuh eine leibhaftige Operndiva.

Das slawische Wort Vedogon heißt in etwa "schöpferische Kraft des Menschen". Aus dieser schöpften die vier Schauspieler pausenlos von der ersten bis zur letzten Minute. Der Protagonist, wie ein Ball ins Spiel geworfen, vielleicht vom Schuster als Idee erdacht, wird bald selbst zum Regisseur eines Spiels grenzenloser Fantasie, ehe er wieder in den Schlaf gewiegt wird.

Allein die begeisterten Zuschauer blieben das gesamte Stück über hellwach und goutierten die schauspielerische Leistung, die den Akteuren ein gehöriges Maß an körperlichem Einsatz abverlangte, mit nicht enden wollendem Applaus und Bravorufen.

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