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Wirtschaft

24.04.2019

Fujitsu: Der Protest vor dem Werkstor zeigt Wirkung

Am 26. März fand eine Protestaktion vor dem Werkstor von Fujitsu statt. Für einen Teil der Belegschaft zahlt sich der Protest aus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus 350 Fujitsu-Mitarbeiter in Augsburg haben wieder eine Perspektive. Nun richtet sich der Blick auf den Luftfahrtzulieferer Premium Aerotec.

Es war an jenem Tag, als eine Bombendrohung vormittags das öffentliche Leben in der Augsburger Innenstadt großteils lahmlegte. Zur Mittagszeit kam Entwarnung. Wenig später fand in Haunstetten vor dem Werkstor von Fujitsu eine Protestkundgebung der Mitarbeiter statt. Knapp 500 Beschäftigte traten vors Tor, 380 zogen in einem Protestmarsch ums Werk. Vor Ort war an jenem 26. März auch Wirtschaftsreferentin Eva Weber, die den Mitarbeitern in ihrem Grußwort Mut zusprach. „Die Verhandlungsführer machen gute Arbeit“, sagte sie, ohne ins Detail zu gehen.

Einen Monat später zeigt sich, dass es zumindest für einen Teil der Belegschaft beste Chanen gibt, den Arbeitsplatz erhalten. Rund 350 von knapp 1450 festen Stellen werden Bestand haben. So hat es unsere Redaktion recherchiert. Allerdings wird der künftige Arbeitsplatz nicht mehr in der Bürgermeister-Ulrich-Straße sein, weil dieser Standort bis Herbst 2020 aufgegeben wird.

Wirtschaftsreferentin Eva Weber äußert sich zu Fujitsu

Wirtschaftsreferentin Eva Weber sagte am Dienstagnachmittag in einer ersten Reaktion: „Es ist sehr zu begrüßen, dass sich für einen Teil der Beschäftigten direkt eine Perspektive ergibt. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die im Augsburger Fujitsu-Werk vorhandenen Fähigkeiten für Fujitsu insgesamt eben unverzichtbar sind.“ Umso verwunderlicher sei es gewesen, als die komplette Schließung des Standortes verkündet worden sei.

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Weber sagt, „dass wir trotz dieser erfreulichen Nachrichten die restlichen Beschäftigten nicht vergessen dürfen“. Es sei jetzt besonders wichtig, dass auch für sie eine gute Lösung gefunden werde und deren Kompetenzen und Know-how im IT-Bereich erhalten blieben: „Dafür stehen wir bereits im Austausch mit der Unternehmensleitung zur Durchführung einer Jobbörse.“

Fujitsu ist nicht das erste große Unternehmen in der Region, das zuletzt mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Der IT-Konzern trennt sich allerdings nicht – wie anfangs angedacht – von allen Mitarbeitern. Dies sah im Fall von Ledvance (vormals Osram) anders aus. Der Leuchtmittelhersteller hat das Werk an der Berliner Allee aufgegeben. Die Produktion wurde im Oktober 2018 eingestellt. Beim Roboterbauer Kuka werden am Stammsitz in Augsburg noch in diesem Jahr 350 Stellen gestrichen. Der Luftfahrtzulieferer Premium Aerotec hat angekündigt, dass möglicherweise bis zu 1100 von den 3600 Arbeitsplätzen in Augsburg abgebaut werden. Frühestens ab dem Jahr 2021 könnte der Stellenabbau vollzogen werden. Bei den genannten 1100 Stellen handelt es sich um das schlimmstmögliche Szenario.

Nach den Osterferien findet wegen der Entwicklung bei Premium Aerotec eine Sitzung der „Allianz für Arbeit“ statt. Dieses Gremium setzt sich aus Vertretern der Stadt, der Arbeitsagentur, des Deutschen Gewerkschaftsbunds, der IG Metall, der Handwerkskammer sowie der Industrie- und Handelskammer zusammen. Im Fall von Premium Aerotec geht es nun in erster Linie darum, in diesem Kreis die denkbaren Szenarien des Unternehmens auszuloten, heißt es. Auch bei Fujitsu war die Allianz für Arbeit von Anfang an mit eingebunden. Der Stadt selbst sind die Hände gebunden, wenn es um unternehmerische Entscheidungen geht. Eva Weber sagt: „Wir wollen an Zukunftsperspektiven für Mitarbeiter aktiv mitarbeiten.“

Fujitsu: Die Staatsregierung schaltet sich ein

Der mögliche Stellenabbau ist ein Thema, das in der bayerischen Staatsregierung sehr ernst genommen wird. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich am Gründonnerstag mit Geschäftsführung und Betriebsräten getroffen. Nun zog Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) nach. Am Dienstag fand eine Besprechung mit der Ministerin statt. Es gehe darum, vorhandene Probleme und Sorgen, die das Unternehmen umtreiben, frühzeitig anzusprechen.

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