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Augsburg

03.01.2020

Gögginger Gnadenhof muss doch nicht komplett geräumt werden

Roswitha Fuchs auf ihrem Gelände in Göggingen mit einigen ihrer geretteten Katzen und Hunde, auf ihrem Arm hat sie Kater Ringo, der freiwillig in ihre Arme springt.
Bild: Annette Zoepf

Die Großtiere auf dem Hof von Roswitha Fuchs müssen gehen, Hunde und Katzen bleiben. Was bei einem Ortstermin noch besprochen wurde.

Zunächst schien es so, als würde sich eine einvernehmliche Lösung kaum finden lassen. Dann wurde unter Vermittlung des Petitionsausschusses des Bayerischen Landtags über den Gnadenhof von Roswitha Fuchs zumindest eine Teileinigung erzielt. Die Tierfreundin ist bereit, ihre Ziegen, Schafe und Gänse abzugeben, sodass deren Gehege entfernt werden kann. Ihre Hunde und Katzen auf dem eigentlichen Gnadenhof darf sie aber bis auf Weiteres behalten.

Fuchs hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Tiere aufzunehmen und möglichst vor der vorzeitigen Einschläferung zu bewahren. 2016 zog sie von Oberhausen auf ein Privatgrundstück im Süden von Göggingen und baute hier mithilfe von Baracken und Gehegen und mit großem Engagement einen neuen Gnadenhof auf. Für die Gebäude, so wurde beim Ortstermin mit der Vorsitzenden des Petitionsausschusses und Grünen-Abgeordneten, Stephanie Schuhknecht, der Staatsregierung, Augsburger Behörden. Veterinäramt und dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Heinz Paula, deutlich, gibt es aber keine Baugenehmigung. Eine nachgereichte handgezeichnete Planskizze erkennen die Behörden nicht an.

Roswitha Fuchs musste ein Ordnungsgeld zahlen

Zudem gibt es auch erhebliche Zweifel, ob Fuchs als Tierhalterin geeignet ist. Derzeit kümmert sie sich noch um vier Hunde und zehn Katzen – hinzu kommen zwei Ziegen, vier Schafe und zwei Gänse. Alle Tiere sind schon älter, teils sogar hochbetagt. Paula sagte nach dem Rundgang, sie würden hier nicht tiergerecht gehalten. Zusammen mit einer Tierärztin stellte er fest, einige müssten medizinisch behandelt werden. Gravierende Haltungsmängel wurden jedoch nicht entdeckt. Vor Kurzem hatte Fuchs Wellensittiche und andere Vögel wegen falscher Haltungsweise abgeben und ein empfindliches Ordnungsgeld zahlen müssen. Auch von einigen Kaninchen hat sie sich nach eigener Aussage inzwischen getrennt.

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Insbesondere bei ihren Hunden und Katzen blieb sie aber hart: „Tiere haben auch eine Seele und ein Herz, und sie haben keine Lobby!“ Alte Tiere wollten ebenso wenig umquartiert werden wie alte Menschen, sagte sie, nachdem Paula ihr angeboten hatte, ihnen einen Pflegeplatz in dem professionellen Gnadenhof Gut Morhard zu verschaffen. Eine 54-jährige Helferin auf der Anlage bekräftigte, es sei für die Tiere Stress, wenn sie auseinandergerissen und an einen anderen Platz gebracht würden. Insbesondere die Katzen seien da sehr „eigen“.

Fuchs befürchtete zudem, die Hunde und Katzen würden in Gut Morhard gar nicht aufgenommen; das habe sie von Freunden gehört. „Sie verwechseln da etwas“, sagte dazu Paula. Tiere könnten nicht direkt im Gut Morhard abgeliefert, sondern müssten vom Tierheim Augsburg dorthin vermittelt werden. Aber er garantiere, dass es dort Plätze für ihre Tiere gebe. Fuchs blieb jedoch uneinsichtig: „Dann gehe ich lieber aus Bayern weg!“

Keine neuen Tiere mehr auf Gögginger Gnadenhof

An dieser Stelle schaltete sich die Künstlerin Doris Schilffarth, eine Gönnerin des Gnadenhofs Fuchs, ein. Sie hielt es auch für sinnvoll, die Ziegen, Schafe und Gänse abzugeben, und erklärte, sie werde dafür sorgen, dass Fuchs keine neuen Tiere mehr aufnehme. Was die Betreuung der Hunde und Katzen angeht, wurde festgestellt, Fuchs investiere dafür viel Zeit und Geld. Sie versicherte, sie sei noch nie krank gewesen. Außerdem werde sie von ihren Söhnen und Personen, die Sozialstunden ableisten, unterstützt. Es scheint also sichergestellt zu sein, dass die Hunde und Katzen auf dem Gnadenhof Fuchs weiter betreut werden können.

Entscheidung liegt beim Augsburger Bauausschuss

Schuhknecht resümierte im Gespräch mit unserer Redaktion, das Kapitel Großtiere im Gnadenhof Fuchs sei nun abgeschlossen. Zudem sehe Fuchs ein, dass sie keine neuen Tiere mehr aufnehmen kann. Es solle ihr nun noch einmal eine Frist bis zur Räumung ihrer Baracken eingeräumt werden, möglicherweise bis Herbst 2020. Der Petitionsausschuss könne das aber nicht entscheiden, sondern nur überprüfen, ob die Stadt Augsburg richtig gehandelt hat. Die Entscheidung liege beim Augsburger Bauausschuss. Bisher sei aber keine harte Linie gefahren worden, betonte sie. Je weniger Tiere Fuchs habe, desto größer sei die Chance, dass sich für sie eine neue Bleibe finde.

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