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Augsburg

20.07.2018

Kult und Kultur am Wertachstrand

Das frühere Kulper’sche Bienenhaus aus den 1920er-Jahren verrichtet immer noch gastronomische Dienste.
Bild: Heinz Münzenrieder

Mit einem Bienenhaus begann 1925 die gastronomische Erfolgsstory der Kulperhütte. Dorthin lässt es sich auch gut spazieren.  

Fleißig war sie immer: Die Kulper-Familie, die bis in die sechziger Jahre hinein einen gut sortierten Tante-Emma-Laden im damaligen Gögginger Gemeindebau an der Ecke Wellenburger-/Radaustraße führte. Doch damit nicht genug. Der 1898 im altbairischen Griesbeckerzell geborene Familienchef Lorenz Kulper – der das ehrbare Schreinerhandwerk erlernte und der in jungen Jahren in Göggingen zuzog – erwarb 1925 im „Landspitz“ neben dem Steinernen Kanalwehr und nördlich der heutigen B-17-Überführung gelegen, einen Bienenstand. Geschickt zimmerte er sich aus diesem einen „Erfrischungskiosk“, der heute noch seine guten Dienste anbietet.

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Komplizierte Versorgung

Und damit trat die heute weit über Göggingen hinaus bekannte Kulper-Hütte in den Lauf der örtlichen Geschichte. Und es wurde daraus eine Erfolgsstory, die bis heute noch anhält, wenngleich das Hütteschicksal im Jahre 1965 einen ganz anderen Verlauf hätte nehmen können. Als die garstige Wertach damals den Göggingern und Pferseern recht übel mitspielte, konnte das kleingastronomische Etablissement nur durch das Anseilen an einen braven Baumstamm vor einer „Seefahrt ohne Rückkehr“ gerettet werden. Ein wenig kompliziert war sie damals schon: Die Versorgung der am Nordsaum des Gögginger Wäldchens gelegenen Verkaufsstelle im Grünen.

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Stadtbekannter Biergarten

Doch der Kulper Lorenz wusste sich zu helfen. Ausgerüstet mit einem schneidigen roten Rennrad, das er mit einem Anhänger bestückte, strampelte er via Luftbad und dem Wertach-Uferweg Getränke und sonstige Spezereien zum Kiosk. 1958 verstarb Lorenz Kulper, doch Filius Lenz – der schon vorher kräftig mithalf und als Optikermeister seine eigentlichen Brötchen verdiente – ließ den Betrieb nicht hängen. Ende der Siebzigerjahre hatten die Kulper das nur sommerlich stattfindende Hüttengeschäft satt und errichteten neben dem Bienenhaus a.D. 1979 einen ganzjährig nutzbarer Gastronomietrakt. Ab 1990 ziehen neue Pächter auf. Nach mehreren Besitzwechseln gibt es dort jetzt einen gut angenommenen und stadtbekannten Biergarten an der Stadtteilgrenze zu Pfersee mit viel trendiger Musik und Open-Air- Unterhaltung. Ein wenig Kult ist jetzt angesagt an den Gestaden der Wertach.

Route

„Zu erreichen ist die Kulperhütte über die Gögginger Pfarrer-Bogner-Straße oder im Rahmen einer Wanderung von der Gögginger Brücke (Ostseite) aus. Entlang der Wertach und dem Gögginger Wäldchen ein netter Spaziergang (circa 20 Minuten). Alternative: Von Pfersee/Thelottviertel aus auf dem Geh-/Radweg zwischen Wertach und Wertachkanal.

Einkehr

Kulperhütte, Telefon 0821/91410 und www.kulperhuette.de.

Zur Person

Ein Hasenfuß war der Kulper Lorenz nie. Im Dritten Reich bekam er einmal ziemliche Probleme. Er erlaubte sich die Ungeheuerlichkeit des Abhörens von „Feindsendern“, Nachbarn tratschten dies der Gestapo. Irgendwie kam er aber aus der Patsche wieder heraus. Darum war seine Freude groß, als am 28. April 1945 die Amis in Göggingen einmarschierten. Vor seinem Ladengeschäft an der Wellenburger Straße entkorkte er gleich eine Flasche besten Obstlers und kippte mit den GI’s der Vorhut der Panzerkolonne ein paar Gläschen.

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