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Prozess in Augsburg

29.01.2021

Mann soll zwei Polizisten am Hauptbahnhof sexuell genötigt haben

Eine Routineeinsatz am Augsburger Hauptbahnhof eskaliert im vergangenen Oktober. Mit weitreichenden Folgen für einen Polizisten. Nun läuft ein ungewöhnlicher Prozess.
Foto: Anne Wall (Symbolfoto)

Plus Ein Routineeinsatz am Augsburger Hauptbahnhof eskalierte im Oktober. Mit weitreichenden Folgen für einen Polizisten. Nun läuft ein ungewöhnlicher Prozess.

Folgenreiche Rangelei im Augsburger Hauptbahnhof: Beim Versuch, einen Mann zu kontrollieren, wurde ein Polizist so am Knie verletzt, dass er immer noch nicht wieder Dienst tun kann. Ein 45-jähriger Bauarbeiter muss sich derzeit vor dem Augsburger Amtsgericht wegen verschiedener Delikte verantworten. Ungewöhnlich neben der erheblichen Verletzung des Polizisten: Dem Angeklagten liegt auch sexuelle Nötigung zur Last.

Zwei Polizeibeamte sollen von einem Mann sexuell attackiert worden sein.
Foto: Anne Wall (Symbolfoto)

Hintergrund der Anklage: Im Kampfgeschehen an Gleis 1 soll der Rumäne sowohl dem Beamten als auch dessen Kollegin in den Schritt gegriffen und zugepackt haben. Um sich sexuell zu erregen, sagt die Staatsanwaltschaft, was der Angeklagte von sich weist. Ein von Verteidigerin Petra Dittmer angeregtes Rechtsgespräch zur Vereinfachung des Verfahrens bleibt erfolglos. Aber zum Tatgeschehen sind sich beide Parteien in weiten Zügen einig: Es hat sich besagte Auseinandersetzung ergeben. Am 8. Oktober 2020 gegen 16 Uhr entdeckten Bahnmitarbeiter im Raucherbereich von Gleis 1 den Angeklagten. Der war zuvor mit einem Hausverbot belegt worden, weil er im Nichtraucherbereich geraucht hatte. Die Polizei wurde verständigt und erschien in Person der geschädigten 20-jährigen Beamtin und ihres 51-jährigen Streifenkollegen. Man habe den Angeklagten auf einer Bank sitzend vorgefunden, neben ihm eine Bierdose, er schien zu schlafen, bestätigen die beiden gegenüber Richterin Kerstin Meurer.

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Nach einiger Zeit gelang es den Polizisten demnach, dem Mann klarzumachen, dass er kontrolliert werden soll und seinen Ausweis vorzeigen müsse. Kurz zeigte der Mann laut Zeugenaussage auch sein Dokument vor, schob es aber sofort wieder ein. Warum er diesen "Schwachsinn" gemacht habe und die folgende Auseinandersetzung provozierte, kann der Angeklagte nicht mehr erklären. Er sei betrunken und "fertig" gewesen. Nachdem sich der 45-Jährige zunehmend aggressiv gebärdete, wollten ihn die beiden Polizeibeamten festsetzen. Der Angeklagte aber wehrte sich, es kam zum Handgemenge. Alle drei Personen fielen zu Boden.

Seine Umklammerung des Angeklagten habe er erschrocken wieder lösen müssen, so der 51-jährige Polizeibeamte im Zeugenstand, als ihm der Angeklagte mit der Hand zwischen die Beine griff und fest zupackte. Seine wiedergewonnene Bewegungsfreiheit habe der Angeklagte genutzt, der auf ihm sitzenden Polizistin ebenfalls in den Intimbereich zu fassen und ihr eine schallende Ohrfeige zu verpassen, so die Anklage. Erst als umstehende Zeugen Hilfe herbeiriefen, gelang es, den Bauarbeiter festzusetzen und aufs Revier zu bringen. Er landete in Untersuchungshaft, wo er bis heute sitzt.

Unmittelbar nach dem Einsatz begab sich die 20-jährige Polizistin ins Krankenhaus, nachdem sie Kopfschmerzen verspürt habe. Sie konnte am übernächsten Tag wieder zum Dienst erscheinen. Schlimmer erwischte es ihren Kollegen. Bei dem Einsatz wurde sein Kniegelenk in Mitleidenschaft gezogen, Untersuchungen ergaben, dass ein Innenband gerissen war. Zwar könne er jetzt bereits wieder ohne Orthese gehen, schildert er dem Gericht, aber dienstfähig sei er bis heute nicht. Per sogenanntem Adhäsionsantrag fordern beide geschädigten Polizisten Schmerzensgeld, das auf diesem Wege unter Vermeidung eines zivilrechtlichen Verfahrens im Strafprozess zugesprochen werden könnte. Weil die entsprechenden Anträge dem Gericht zu Prozessbeginn nicht beide in der formal erforderlichen Weise vorliegen, setzt Richterin Meurer eine Fortsetzungsverhandlung an. In der kommenden Woche könnten dann die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen werden. Zumindest bis dahin bleibt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.01.2021

Mir tun die Menschen leid, die täglich Opfer von Gewaltexzessen durch Polizeibeamte werden. Von den berechtigten Anschuldigungen werden die meisten sowieso unter den Teppich gekehrt, da die Staatsanwaltschaft nicht unabhängig zur Polizei steht und nicht als Nestbeschmutzer gelten will.
https://www.rbb-online.de/kontraste/pressemeldungen-texte/unveroeffentlichte-studie--12-000-verdachtsfaelle-unrechtmaessig.html

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29.01.2021

Sie haben ja ein krudes Bild von der Polizei. Woher wissen Sie denn von täglichen Gewaltexzessen? Hier in Deutschland? Die meisten ungesühnt? Schade, dass Sie nicht wissen, was sich unsere Polizeibeamten täglich anhören müssen. Sich bespucken, beleidigen und angreifen lassen müssen. Ich denke, das Verhältnis von Gewalt gegen Polizisten und Gewalt von Polizisten ausgehend ist in arger Schräglage.

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29.01.2021

Wenn Sie die Zahl von bis zu 12.000 Fällen pro Jahr zugrundelegen, dann können Sie hochrechnen wie viele tägliche Fälle es gibt. Natürlich gibt es auch absolut unnötige Gewalt gegen Polizeibeamte, keine Frage. Mich stört es nur, dass sie sich bei Kleinigkeiten in der Öffentlichkeit als Opfer darstellen. Und die leute springen sofort darauf an, (edit/mod/NUB 7.3)

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29.01.2021

Das Problem könnte man einfach lösen: Jeder Polizist bekommt eine sichtbare Nummer an der Kleidung, keinen Klarnamen. Gleichzeitig eine Kamera, die im Einsatz immer läuft und die aufgenommenen Daten in 24 Stunden einfach immer überschreibt. Sollte ein Vorfall eintreten, können die Daten auf Anforderung vom Polizisten oder vom Anschuldigenden von einer unabhängigen Stelle ausgewertet werden. Hat der angeblich Misshandelte Falschaussagen gemacht, bekommt er eine Anzeige. Momentan ist es so, dass der mit Kamera ausgestattete Polizist die Kamera selber einschalten kann oder auch nicht. Und das ist nicht richtig!

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29.01.2021

@ Alois R.
Da gebe ich Ihnen zu 100% recht. Leider ist das noch nicht der Fall. WIchtig wäre vor allem die Einrichtung der Unabhängigen Stelle zur Untersuchung der Fälle. Die jetzigen Verflechtungen sind zu dicht.

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29.01.2021

Es gibt natürlich auch bei der Polizei schwarze Schafe. Fakt ist aber, dass es sich heutzutage kein Polizist mehr leisten kann, Gewalt anzuwenden, ohne dass das Konsequenzen hätte. Es wird doch bei fast jedem Einsatz gefilmt - von denen, die dabei stehen und nix besseres zu tun haben. Dessen ist sich jeder Polizeibeamte bewusst. Erst letztes Jahr am Moritzplatz gab es diese Szenen. Da gab's großes Geschrei wegen angeblicher Polizeigewalt. Danach hat man gesehen, dass das angebliche Opfer einen Beamten so in den Oberschenkel gebissen hatte, dass der eine klaffende Fleischwunde davontrug. Ein Beispiel von vielen. Und Sie sollten wissen, dass die meisten Beleidigungen gegen Beamte gar nicht mehr zur Anzeige gebracht werden, weil das fast schon Alltag ist. Dass die Bodycam leider oft nicht eingeschaltet wird, ist definitiv nicht gut.

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29.01.2021

Mir tun die Polizisten leid, die sich tagtäglich solchen Gewaltexzessen stellen müssen. Vor allem vor dem Hintergrund der vielen Anschuldigungen gegen die Polizei. Man sollte nie über jemanden urteilen, in dessen Haut man nicht selbst gesteckt hat.

"Jeden Tag 200 Polizisten Opfer von Gewalt"
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/gewalt-polizei-101.html

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