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Politik

14.03.2019

Marktwert eines Oberbürgermeisters: In welcher Liga spielt Gribl?

Politisch spielte Kurt Gribl schon ganz vorne mit, hatte regelmäßig mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun. Doch welchen „Marktwert“ hat ein ehemaliger Oberbürgermeister auf dem Arbeitsmarkt?
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wenn Augsburgs Oberbürgermeister im Mai 2020 aufhört, ist er Mitte 50. Welche Perspektiven er dann hat – und welchen Marktwert.

Er hat den Koalitionsvertrag auf Bundesebene mit ausgehandelt. Er führt die Verwaltung einer Stadt mit knapp 300.000 Bürgern. Er sitzt im Aufsichtsrat der Bayerischen Landesbank. Er ist Fachanwalt für Baurecht. Und ab Mai 2020 ist er – Stand jetzt – erst mal ohne Job. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hat angekündigt, bei der Wahl im kommenden Jahr nicht mehr anzutreten. Er will nach zwei Amtszeiten und damit nach zwölf Jahren an der Spitze von Bayerns drittgrößter Stadt aufhören.

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Kurt Gribl wird einer der jüngsten Alt-OBs sein

Gribl wird mit 55 Jahren ein relativ junger Alt-OB sein. Die meisten Rathaus-Chefs bleiben, sofern sie nicht abgewählt werden, länger im Amt. Welche beruflichen Perspektiven hat ein Ex-Oberbürgermeister? Und wie ist sein Marktwerkt einzuschätzen? Die Sorge, ohne eine Aufgabe zu bleiben, muss er wohl nicht haben. Eine Option wäre, zurück in seinen alten Job zu wechseln. Gribl war als Rechtsanwalt Partner in der renommierten Augsburger Kanzlei Meidert und Kollegen.

Den Titel als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht hat er sich in seiner Zeit als Politiker bewahrt. Er nutzte Urlaubstage, um die dafür nötigen Fortbildungen zu absolvieren. Die Rechtsanwaltskammer listet ihn noch immer als Mitglied. Er könnte also umgehend wieder als Jurist arbeiten, obwohl er dann zwölf Jahre ausgesetzt hat.

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Finanziell wird Kurt Gribl wohl keine Abstriche machen müssen

Ein gut vernetzter Augsburger Rechtsanwalt sagt, für Gribl sei die Zeit als OB kein Nachteil, sondern ein Vorteil. „Die Erfahrung an der Spitze einer Stadtverwaltung ist eine hervorragende Expertise.“ Auch finanziell, so schätzt es der Anwalt ein, müsste Kurt Gribl wohl keine Abstriche machen. Im Gegenteil: Wenn eine Kanzlei gut laufe, dann sei „eher mehr für ihn drin“. Der Anwalt sagt aber auch: „Genauso gut wäre er qualifiziert für eine Führungsposition bei einem Verband oder einer anderen Organisation.“

Wie hoch Gribls Einkünfte als Oberbürgermeister aktuell sind, dazu gibt man sich bei der Stadt eher zugeknöpft. Auf Anfrage sagt eine Sprecherin nur, das Amt falle in die Besoldungsgruppe B9 für Beamte. Inklusive einer Aufwandsentschädigung dürfte er so bei einem Jahres-Bruttoeinkommen von an die 150.000 Euro liegen.

Dazu kommen Nebeneinkünfte aus diversen Ämtern in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Am besten dotiert dürfte sein Sitz im Aufsichtsrat der Bayerischen Landesbank sein. Angaben zu Zahlungen an einzelne Aufsichtsräte macht die Bank nicht. Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich aber, dass ein Aufsichtsratsmitglied im Schnitt pro Jahr einen mittleren fünfstelligen Betrag bekommen dürfte. Behalten darf der OB aber nur einen Teil der Nebeneinkünfte, den Rest muss er an die Stadt abführen. Wie genau diese Aufteilung geregelt ist, verrät man bei der Stadt aber nicht.

Zukunft des Augsburger OB: Wechselt Kurt Gribl zur Bayerischen Landesbank?

Kann sich der Oberbürgermeister ein Zurück in den alten Beruf überhaupt vorstellen? Dazu sagt Kurt Gribl bis jetzt nichts. Vielmehr hat er inzwischen mehrfach versichert, er habe noch keine konkreten Pläne für die Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. Er sagt: „Ich selbst will Neues in meinem Leben zulassen, Neues lernen und kennenlernen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.“

Dass er künftig womöglich mehr verdienen wolle, habe keine Rolle für seinen angekündigten Abschied aus der Politik gespielt, heißt es in seinem Umfeld. In politischen Kreisen in Augsburg kursiert das Gerücht, Gribl könnte auf einen gut dotierten Posten bei der Bayerischen Landesbank wechseln. Darauf direkt angesprochen, kommt von ihm aber ein ziemlich deutliches Dementi: Das sei, sagt Gribl, „blühender Blödsinn“.

Ein Vorbild für solch einen Wechsel hätte es durchaus gegeben. Der ehemaliger Kemptener OB Ulrich Netzer, 63, gab 2014 sein Amt auf und wurde bayerischer Sparkassenpräsident. Finanziell dürfte sich das gelohnt haben. Sein Einkommen dürfte sich durch diesen Schritt weit mehr als verdoppelt haben.

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