1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Mehr Verkehr, weniger CO2: Wie steht Augsburg beim Klimaschutz da?

Klima-Streik

18.09.2019

Mehr Verkehr, weniger CO2: Wie steht Augsburg beim Klimaschutz da?

Auch am Freitag werden wohl wieder zahlreiche Menschen in Augsburg in den Klima-Streik treten. Doch wie steht die Stadt beim Thema Klimaschutz da?
Bild: Elisa Glöckner

Plus Für Freitag plant Fridays for Future eine Groß-Demo in Augsburg. Sie wollen bald Forderungen an die Stadt stellen. Doch wie steht es um den Klimaschutz?

Die Daten des Wetterdienstes sind eindeutig: In Augsburg ist es in den vergangenen 70 Jahren im Trend immer wärmer geworden. 2018 war mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 10,1 Grad das wärmste Jahr in der jüngeren Augsburger Geschichte. Die Sommer werden heißer, vor allem werden die Winter aber milder. „Der Klimawandel ist in Augsburg angekommen“, so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). Der Kohlendioxid-Ausstoß in Augsburg sei in den vergangenen Jahren gesenkt worden, doch für weitere Senkungen seien erhebliche Anstrengungen nötig. „Die nächsten Etappen des Klimaschutzes werden auch in Augsburg sehr steinig“, so Erben.

Fridays for Future ruft auch in Augsburg zu Streik auf

Am Freitag soll in Augsburg im Rahmen einer bundesweiten Aktion der bisher größte Klimastreik stattfinden. Die Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung rechnen mit etwa 3000 Teilnehmern. Die Resonanz sei groß. Unter anderem bekamen viele Augsburger Haushalte in den vergangenen Tagen ein Faltblatt in den Briefkasten. Start ist um 11 Uhr auf dem Rathausplatz. Neben Schülern und Studenten rufen die Organisatoren die gesamte Bevölkerung dazu auf, auf die Straße zu gehen. Ein Bündnis von Organisationen und Verbänden unterstützt die Bewegung. Unter anderem rufen Grüne, Linke, V-Partei und Bund Naturschutz zur Teilnahme an der Demo auf. Auch kirchliche Jugendverbände wollen bei der Demo Flagge zeigen. Dass man nun nach den Ferien wieder mit öffentlichen Aktionen starte, habe nichts mit Spaß am Schulschwänzen zu tun, betonen die Augsburger Aktivisten. Für die Organisatoren gebe es kaum noch Freizeit. Man wäre froh, wenn die Streiks und Demos nicht mehr nötig wären.

"FFF" stellt Klimaforderungen an die Stadt

Unter anderem fordert Fridays for Future für Deutschland die 100-prozentige Versorgung mit erneuerbarer Energie bis 2035. An die Stadt hat die Augsburger Fridays-for-Future-Bewegung bisher noch keine lokalen Forderungen gestellt. „Wir haben Ideen formuliert, die momentan von Wissenschaftlern überprüft werden“, so Emma Schwaiger aus dem Organisationsteam der Fridays-Initiative. Man plane nach derzeitigem Stand, noch in diesem Jahr mit konkreten Forderungen an die Stadt Augsburg an die Öffentlichkeit zu gehen.

 

Erben kündigt an, Aktivisten im Oktober zu einer Sitzung des Umweltausschusses des Stadtrates ins Rathaus einzuladen. Er sei froh über die Protestbewegung. „Eine Beteiligung der breiten Öffentlichkeit, wie sie aktuell durch die Fridays-for-Future-Bewegung geschaffen wird, ist eine wichtige Voraussetzung für gelingenden Klimaschutz.“

Augsburg senkt seinen CO2-Ausstoß

Zuletzt erzielte Augsburg bei der Senkung des Kohlendioxidausstoßes gewisse Erfolge. Nachdem die selbst gesteckten Ziele in der Vergangenheit regelmäßig nicht erreicht wurden, kam es zwischen 2011 und 2016 zu einer Reduktion um 12,7 Prozent pro Einwohner. Zuletzt entstanden in Augsburg pro Jahr und Einwohner 8,2 Tonnen Kohlendioxid – im Jahr 2011 waren es noch 9,4 Tonnen, heißt es im Klimaschutzbericht des Umweltamtes. Insgesamt sind das pro Jahr 2,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Für die Aufstellung wird der gesamte Energieverbrauch in Augsburg pro Jahr zusammengestellt und daraus der CO2-Ausstoß berechnet. Daraus ergibt sich folgende Verteilung:

CO2-Ausstoß in Augsburg: Der Verkehr legt zu

Die Anteile der Sektoren am Gesamtausstoß sind über die Jahre gesehen relativ gleich – mit Ausnahme des Verkehrs. Hier stieg die Menge des produzierten CO2 über die vergangenen Jahre an. Der Grund dürfte die nach wie vor steigende Zahl der Pkw in Augsburg sein. In den anderen Sektoren gelang hingegen eine Reduktion. Verantwortlich sind eine bessere Wärmedämmung an Gebäuden, modernere Heizungsanlagen und mehr Öko-Strom. Bei der Industrie dürfte ein Teil der Reduktion trotz brummender Auftragslage auf Energieeffizienz zurückzuführen sein. Allerdings spielt vermutlich auch eine Rolle, dass das produzierende Gewerbe in Augsburg leicht schrumpft.

Eine weitere Senkung der CO2-Emissionen werde mühsam, so Erben. Die Stadt habe zwar einige Stellschrauben, an denen sie noch weiter drehen könne, große Effekte seien aber vor allem durch die Gesetzgebung auf Bundesebene zu erreichen. „Die Förderpolitik des Bundes und Landes muss so angepasst werden, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv nach oben geht“, so Erben. Der Zuwachs beim in Augsburg produzierten Öko-Strom stagniert nach Jahren deutlichen Zuwachses inzwischen. Im Hinblick auf die steigende EEG-Umlage hatte der Bund die Einspeisevergütungen für Solaranlagen abgeschmolzen, um ein weiteres Ansteigen der Strompreise zu verhindern.

Weniger Plus beim grünen Strom aus Augsburg

Die Folge ist, dass kaum noch neue Fotovoltaikanlagen entstehen. „Wir wissen, dass wir bei dem Thema kräftig zulegen müssen“, so Erben. Seit dem Sommer biete man eine kostenlose Solarberatung für Hausbesitzer an. Demnächst sollen Hausbesitzer im Zuge der Energiekarawane auch wieder kostenfrei eine Energieberatung bekommen. Ab 23. September gibt es Vor-Ort-Termine in Haunstetten-Mitte.

Zudem will Erben dem Stadtrat im Oktober vorschlagen, eine Klimaschutzkommission in Augsburg einzurichten. Inwieweit die Ausrufung des „Klimanotstands“ in Augsburg ein sinnvolles Mittel ist, wolle er mit den Klimaschutz-Aktivisten diskutieren, so Erben. Inzwischen diskutieren rund 50 deutsche Städte über einen Klimanotstand. Trotz des markigen Namens handelt es sich in erster Linie um einen symbolischen Akt. Er hat etwa zur Folge, dass bei jeder Entscheidung im Stadtrat eine Folgenabschätzung für die Klimaschädlichkeit zu erfolgen hat.

Hören Sie sich dazu auch unseren neuen Podcast an:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

18.09.2019

War in letzter Zeit des öfteren in Frankreich. Siehe da, nur schöne Wälder gesehen (allerdings andere Baumsorten). Ohne Borkenkäfer und ohne Hitzeschäden. Kann es sein dass wir schlicht und ergreifend die falschen Baumsorten (Nadelbäume) haben? Ebenso müssen eine Vielzahl von Pflanzen (z.B. auch im Garten) den neuen Bedingungen angepasst werden. Mir ist hier schlicht und einfach viel zu viel Hysterie unterwegs wie auch zu viel an der Bewegung "Gretaismus". Deshalb habe ich z.B. keinerlei Interesse an so einer Demo.

Permalink
18.09.2019

Die " Sommer werden also immer heißer ,die Winter immer milder" - soso . Offensichtlich hat aber das reale Klima von diesen Behauptungen noch nichts gemerkt .
Es ist weder (dauerhaft… und nur darauf kommt es an !) heißer als in den Jahrhunderten vorher noch sind die Winter (dauerhaft) milder als in den Jahrhunderten vorher .

Permalink
20.09.2019

Bitte lesen Sie das hier: https://www.spektrum.de/wissen/die-gaengigsten-mythen-zum-klimawandel/1674472

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren