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Augsburger Geschichte

11.12.2019

Messerschmitt-Flugzeuge in Museen weltweit

Serie 9 Museum 2 Das Replikat des Raketenjägers „Me 163 BS“ im „Flugmuseum Messerschmitt“ ist nicht nur Ausstellungsobjekt: Das Foto entstand bei einem Flugtag in Augsburg.
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Serie 9 Museum 2 Das Replikat des Raketenjägers „Me 163 BS“ im „Flugmuseum Messerschmitt“ ist nicht nur Ausstellungsobjekt: Das Foto entstand bei einem Flugtag in Augsburg.
Bild: Airbus Corporate Heritage

Originale und Nachbauten dokumentieren Technik- und Zeitgeschichte. Der Mensch steht im Mittelpunkt –

Rund 45000 Flugzeuge wurden bis Kriegsende in Messerschmitt-Flugzeugwerken gefertigt. Davon waren 32461 Jagdeinsitzer „Me 109“. „Messerschmitt“ identifiziert man weltweit mit Augsburg, da sich hier die Firmenzentrale der „Messerschmitt Flugzeugbau AG“ befand. Bei Kriegsende wurden in 31 Produktionsstätten und 18 Außenlagern Messerschmitt-Flugzeuge gebaut. Über 50 Prozent aller deutschen Militärflugzeuge des Zweiten Weltkriegs waren Messerschmitt-Maschinen.

Am 9. April 1945 verfügte die Deutsche Luftwaffe noch über rund 5000 Flugzeuge. Wegen Spritmangel konnten in den letzten Kriegsmonaten nur noch wenige starten. Viele wurden am Boden zerstört. Erhaltene und geborgene abgestürzte Messerschmitt-Maschinen befinden sich jetzt in Luftfahrtmuseen in aller Welt. Am einstigen Messerschmitt-Hauptsitz Augsburg gibt es kein Luftfahrtmuseum.

Das „Flugmuseum Messerschmitt“ in Manching bei Ingolstadt wurde 1998 zum 100. Geburtstag von Willy Messerschmitt (1898-1978) eröffnet. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, einige seiner technischen Meilensteine im Flugzeugbau nicht nur im Museum zu zeigen, sondern in flugtüchtigem Zustand zu erhalten. Restaurierte alte Messerschmitt-Flugzeuge und Nachbauten bilden den Bestand. Alle sieben Museums-Exponate fliegen! Die nur 196 Kilo wiegende „M 17“ in Holzbauweise ist ein Replikat (Erstflug am 20. April 2004), ebenso der rot lackierte Raketenjäger „Me 163“ und der Düsenjäger „Me 262“ (Baujahr 2006). Der Betrieb ist eine Kooperation der Messerschmitt-Stiftung und des Luftfahrtkonzerns Airbus.

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Fünf Messerschmitt-Flugzeuge im Deutschen Museum

Das Deutsche Museum in München verfügt über 70 Flugobjekte vom Gleitflugapparat bis zum Eurofighter. Dazu zählen ein 1917 in Augsburg gebauter Rumpler-Doppeldecker und fünf Messerschmitt-Flugzeuge von seinem ersten Motorflugzeug „M 17“ bis zum Düsenjäger „Me 262“. In Oberschleißheim bei München befindet sich die „Flugwerft Schleißheim“. Dieses spezielle Luftfahrtmuseum ist eine Außenstelle des Deutschen Museums. Es wurde am 18. September 1992 eröffnet. Teilbereiche sind derzeit im Umbau und nicht geöffnet.

Welche Flugzeuge derzeit in Luftfahrtmuseen zu sehen sind, ist im Internet erfahrbar.

Die Recherche ergab, dass aus der Messerschmitt-Produktion das Jagdflugzeug „Bf 109“/“Me 109“ am zahlreichsten anzutreffen ist. Das ist nicht verwunderlich: 32461 Maschinen dieses Typs wurden gebaut. Im Besitz des Deutschen Museums ist die wahrscheinlich älteste erhaltene „109er“: eine „Bf 109 E-3“, Werknummer 790, Baujahr 1938. Ihre Geschichte: Sie wurde von der „Legion Condor“ im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) eingesetzt und später von der spanischen Luftwaffe geflogen. 1960 bekam sie das Deutsche Museum übereignet.

Im „Flugmuseum Messerschmitt“ in Manching befinden sich eine originale „Me 108“ und zwei „Me 109“, eine weitere „109er“ im „Technik Museum Sinsheim“. Die „Me 109“ im Luftfahrtmuseum Hannover-Laatzen wurde 1988 aus dem Mittelmeer geborgen. In der Luftfahrtausstellung des „Deutschen Technikmuseums“ in Berlin-Kreuzberg hängt eine „Me 109 E-3“ von der Decke. Ihr „Lebenslauf“: Im November 1939 an die Luftwaffe ausgeliefert, nach einem Unfall 1940 repariert, kam sie in Russland zum Einsatz. Am 17. Juli 1941 erhielt sie in einem Luftkampf Treffer. Der Pilot war zur Notwasserung auf einem See gezwungen. Im Sommer 1993 wurde die „Me 109“ gehoben, vom „Deutschen Technikmuseum“ gekauft und restauriert.

Im Technikmuseum in Berlin befindet sich auch eine zweimotorige „Bf 110 F-2“. Ihre „Story“: Diese Messerschmitt-Maschine wurde im Januar 1943 in Finnland beim Angriff auf eine Eisenbahnlinie beschädigt. Den Piloten gelang die Notlandung auf einem zugefrorenen See. Als das Eis schmolz, versank das Flugzeug. 1991 gehoben, kam die „Bf 110“ (Werknummer 5052) nach England. 1997 erwarb sie das „Deutsche Technikmuseum“.

Luftfahrtmuseen verstehen sich als kulturhistorische Museen

Luftfahrtmuseen in Deutschland verstehen sich nicht primär als technikgeschichtliche, sondern als kulturhistorische Museen. Sie dokumentieren Zeitgeschichte und sie zeigen auf, wie die Kriegspolitik der Nationalsozialisten die Luftrüstung prägte und wie der Luftkrieg das Denken vom Krieg veränderte. Die mörderische Zwangsarbeit bei der Flugzeugproduktion wird thematisiert. „Der Mensch steht im Mittelpunkt“, stellt das „Militärhistorische Museum“ auf dem Flugplatz Berlin-Gatow klar. Es ist eine Außenstelle des Dresdener „Militärhistorischen Museums der Bundeswehr“ und Deutschlands größtes Luftfahrtmuseum. Dort befindet sich ein ungewöhnliches Exponat: das Wrack einer „Me 108 Taifun“. Die viersitzige Messerschmitt-Maschine war ein Zivilflugzeug. Es lag 55 Jahre in sechs Meter Tiefe im Jasmunder Bodden vor Rügen. Das Restaurierungsteam des „Militärhistorischen Museums“ organisierte die Bergung 2009. Es beließ die „Me 108“ im Fundzustand. Das ausgestellte Wrack ist lediglich gereinigt und konserviert.

In den Museumshallen auf dem Flugplatz Berlin-Gatow befindet sich auch einer der etwa 370 Raketenjäger „Me 163“, die bis Ende 1944 gebaut wurden. Von den 1433 fertiggestellten zweistrahligen Düsenjägern „Me 262“ sind weltweit nur neun erhalten. Deshalb erwarb das „Flugmuseum Messerschmitt“ einen Nachbau von 2006. Im Gegensatz zu den Originalen ist er flugfähig. Messerschmitt-Flugzeuge befinden sich auch in Luftfahrtmuseen außerhalb der Bundesrepublik - besonders zahlreich in Großbritannien. 48 Raketenjäger „Me 163“ wurden 1945 von den Alliierten bei der Besetzung Deutschlands erbeutet, 24 nach England gebracht. Eine dieser „Me 163“ ist im „Royal Air Force“-Zweigmuseum Cosford in Mittelengland zu sehen, eine weitere im „National Museum of Flight“ in East Lothian in Schottland. Eine zweimotorige „Bf 110/Me 110“ wird im „Royal Air Force Museum“ in Hendon bei London gezeigt. Dort stehen auch zwei einmotorige Messerschmitt-Jagdflugzeuge: eine „Me 109 E-3“ und eine „Me 109 G-2“. Das „Muzeum Lotnictwa Polskiego“ in Krakau ist eines der weltweit größten Luftfahrtmuseen. Es zeigt über 200 Flugzeuge, darunter einen Messerschmitt-Jäger „Me 109 G-6“. Er wurde am 28. Mai 1944 abgeschossen und Ende der 1990er Jahre aus dem Trzebun-See in Polen geborgen. Zahlreiche 1945 in Deutschland erbeutete Flugzeuge wurden in die USA exportiert. Nach der Erprobung übernahmen sie dortige Luftfahrtmuseen. - Die nächste Folge bildet den Abschluss der Serie über den Flugzeugbau bei der Messerschmitt AG bis 1945.


Serie: Stadthistoriker Franz Häußler hat viele Dokumente, Aufzeichnungen und Bildernachlässe zu Willy Messerschmitt und über das Flugzeugbau-Unternehmen Messerschmitt AG ausgewertet und niedergeschrieben.

Person: Die Messerschmitt AG gehörte in den 1930er-Jahren zu den größten Rüstungsbetrieben im Deutschen Reich. Messerschmitt war Chefkonstrukteur und zwischenzeitlich auch Vorstandsvorsitzender.

Zwangsarbeit: Nach Angaben der städtischen Kommission für Erinnerungskultur arbeiteten ab 1943 Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge für den Konzern – unter „menschenunwürdigen Bedingungen“. Nach dem Krieg wurde Messerschmitt in der Entnazifizierung als „Mitläufer“ eingestuft. Die Kommission schlug daher vor, an der nach ihm benannten Straße neben seinem Wirken als Konstrukteur auch auf seine Rolle in der NS-Rüstungsindustrie hinzuweisen.


Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online-Angebot unserer Zeitung unter
www.augsburger-allgemeine.de/ augsburg-album.

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