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Prozess in Augsburg

30.10.2019

Missbrauch im Asylheim: Wie oft wurde eine 15-Jährige vergewaltigt?

Unter anderem in diesem Asylbewerberheim in der Proviantbachstraße soll ein 15-jähriges Mädchen vergewaltigt worden sein. Einer der Männer hat die Tat gestanden, ein zweiter steht nun vor Gericht und bestreitet die Vorwürfe.

Plus Eine Clique afghanischer Flüchtlinge soll ein Mädchen missbraucht haben. Ein Täter ist verurteilt. Doch die Aufklärung des Falls ist schwierig – und Zeugen haben Angst.

Er wirkt wie ein ernsthafter junger Mann. Die schwarzen, kurzen Haare sind frisch frisiert. Während des stundenlangen Prozesses sitzt er meist ruhig da, mit konzentriertem Blick, die Arme verschränkt. Ist Milad F., 21 (Namen aller Betroffenen geändert) ein Vergewaltiger? Hat er ein 15-jähriges Mädchen missbraucht, als es unter Drogen stand und sich nicht mehr wehren konnte? Die Staatsanwaltschaft hat den afghanischen Flüchtling deshalb angeklagt. Seit 13 Monaten sitzt Milad F. inzwischen in Untersuchungshaft. Doch er bestreitet die Vorwürfe.

Der Fall hat über Augsburg hinaus für Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 15-jährige Paula zwei Mal vergewaltigt worden ist. In einem Fall sollen zwei junge Männer das Mädchen sexuell missbraucht haben. Am selben Tag, aber unabhängig voneinander. In einem zweiten Fall gibt es drei Verdächtige. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Afghanen. Eine Tat soll sich in einem Asylheim in der Proviantbachstraße in Augsburg abgespielt haben. Die Bundes-AfD behauptete auf ihrer Facebook-Seite später, die Behörden hätten diesen Fall bis nach der bayerischen Landtagswahl geheimgehalten. Das war allerdings gelogen. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten den Verdacht schon vor der Wahl bekannt gemacht.

Prozess in Augsburg: Flüchtling vergewaltigt Mädchen in Asylunterkunft

In einem ersten Prozess ist im Juni der 18-jährige Tarik B. wegen Vergewaltigung des Mädchens zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Tarik B. hatte zuvor ein Geständnis abgelegt. Er gab zu, die 15-jährige Paula erst mit einem Joint gefügig gemacht und dann in einem Zimmer der Asylunterkunft Sex mit ihr gehabt zu haben. „So etwas macht man nicht“, sagte Tarik B. vor Gericht. „Jetzt muss ich dazu stehen.“ Tarik B. soll den Ermittlungen zufolge Teil einer Clique gewesen sein, die junge Frauen mit Alkohol und Drogen versorgte und, so formulierte es die Augsburger Amtsrichterin Angela Reuber, „wahllos den Geschlechtsverkehr mit den Mädchen ausübte“. Eines dieser Mädchen soll Paula gewesen sein.

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Und Milad F. soll, davon geht die Kripo aus, auch zu dieser Clique gehört haben. In einer Handynachricht hatte er einem Kumpel geschrieben: „Bring zehn, 15 Euro mit, dann kaufen wir Alkohol und ficken gemeinsam Paula.“ Der 21-Jährige gibt zu, dass er Sex mit der 15-Jährigen hatte. Er sei sogar rund einen Monat lang mit Paula liiert gewesen. Aber die Tat will er nicht begangen haben. Die Ermittler vermuten, dass er das Mädchen antraf, als es verwirrt draußen herumirrte – nachdem es zuvor von Tarik B. im Asylheim vergewaltigt worden ist. Diese Situation soll Milad F. ausgenutzt haben.

Doch die Aufklärung gestaltet sich schwierig. Viele Zeugen können sich nur noch bruchstückhaft erinnern. Ein Kripobeamter sagt, Zeugen hätten auch Angst und seien von der afghanischen Clique bedroht worden. Auch Paula selbst sei beim Einkaufen in der City-Galerie von Milad F.s Freunden bedroht und als „Schlampe“ beschimpft worden. Das heute 16 Jahre alte Mädchen sagt, sie könne sich an fast nichts mehr erinnern. Sie haben einen Filmriss. Die Mutter des Opfers sagt, ihre Tochter habe sich damals in einer schwierigen Phase befunden. Sie konsumierte öfter Drogen und Alkohol und tauchte teils mehrere Tage nicht daheim auf. Deshalb lebte Paula zur Tatzeit auch schon in einer betreuten Wohngruppe.

Vergewaltigung in Augsburg: Passanten fanden das Mädchen bewusstlos auf der Straße

Der Missbrauch der 15-Jährigen kam ans Licht, weil eine Passantin das Mädchen am Abend des 2. Juli in einer Straße in Lechhausen fand. Sie lag bewusstlos am Boden. Sie kam in die Kinderklinik, wo die Ärzte Hinweise auf eine Sexualstraftat feststellten. Dort wurden auch DNA-Spuren gesichert, die zu Milad F. und Tarik B. passen. Die Chatnachrichten in der Clique, auch die mit Paula, sind oft derb in der Wortwahl. Immer wieder schreiben alle übers „Ficken“. Milad F. fragte Paula per Handy-Nachricht mehrfach: „Gibst Du Loch?“ Sie antwortet ihm darauf einmal: „Gibst Du Schwanz?“ Die relativ milde Strafe im ersten Prozess gegen Tarik B. begründete Richterin Angela Reuber unter anderem damit, dass Paula teils missverständliche Signale ausgesandt habe. Ob Milad F. – verteidigt von Anwalt Frank Thaler – nun auch verurteilt wird, ist indes noch offen. Der Prozess gegen ihn soll am 4. November zu Ende gehen.

Es ist nicht der einzige Vorwurf gegen Milad F. Er steht unter Verdacht, Paula auch in einem zweiten Fall in einer Friedberger Wohnung vergewaltigt zu haben – zusammen mit zwei weiteren Männern. Der Prozess zu diesem Fall soll ebenfalls noch im November stattfinden.

Lesen Sie auch: Wie oft werden Flüchtlinge kriminell? Das sagen die Zahlen

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