1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Nach Angriff: Abschiebung der Elefanten ist endgültig

Augsburger Zoo

18.11.2011

Nach Angriff: Abschiebung der Elefanten ist endgültig

Statt vier Elefanten wird es im Augsburger Zoo bald nur noch zwei geben. Aus Sicherheitsgründen kommt die Haltung insgesamt auf den Prüfstand.
Bild: Anne Wall (Archivfoto)

Die afrikanischen Dickhäuter Sabi und Franzi sollen nach dem Angriff auf einen Pfleger trotz kritischer Stimmen sicherheitshalber in die Niederlande abgegeben werden.

Es bleibt dabei: Die beiden afrikanischen Elefanten Sabi und Franzi aus dem Augsburger Zoo werden an den Tierpark in der niederländischen Stadt Rhenen abgegeben. „Die Vorbereitungen laufen, der Transporttermin steht aber noch nicht fest“, sagt Zoochefin Barbara Jantschke.

Im Internet kursiert derzeit viel Kritik an der Elefantenhaltung in Augsburg. Die Tierpfleger arbeiten in direktem Kontakt mit den Dickhäutern. Nach dem Angriff von Elefantenkuh Sabi auf einen Pfleger, der schwer verletzt wurde, hat sich der Zoo aber entschlossen, Sabi aus Sicherheitsgründen nach Rhenen abzugeben, und zwar zusammen mit Artgenossin Franzi. In Rhenen sind Pfleger in der neu gebauten Elefantenanlage besser geschützt.

Kritiker: „Umbau statt Trennung“

Der Nürtinger Zookritiker Frank Albrecht fordert unterdessen einen „Abschiebestopp“ für die afrikanischen Elefanten aus Augsburg. Er hält es für problematisch, die Dickhäuter aus der Herde mit den asiatischen Elefanten zu nehmen, mit denen sie im Zoo seit langem harmonisch zusammenleben würden. „Die Trennung vom Sozialverband ist Tierquälerei“, so Albrecht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Er fordert stattdessen den sofortigen Umbau des Elefantenhauses, um die Tierpfleger besser zu schützen. Die Zooleitung habe Fragen der Sicherheit zu lange vernachlässigt, so Albrecht. Nach seiner Einschätzung sind auch die beiden asiatischen Elefanten Targa und Burma potenziell gefährlich. Nach seinen Recherchen gehen weltweit die meisten Angriffe von indischen und von weiblichen Elefanten aus.

Zoochefin Jantschke widerspricht der Kritik. Die afrikanischen und asiatischen Elefanten haben nach ihren Beobachtungen keinen sehr starken sozialen Kontakt. Nachts im Stall seien sie immer voneinander getrennt untergebracht. Wenn Sabi und Franzi aus Sicherheitsgründen schon an einem anderen Zoo abgegeben werden müssen, sei Rhenen eine gute Wahl, weil sie dort für die Zucht eingesetzt werden können, so Jantschke. „Wir wollen den beiden die Chance geben, Babys zu bekommen.“

Die Zoochefin bestätigt aber auch, dass nach dem schweren Unfall die Elefantenhaltung im Augsburger Zoo generell auf dem Prüfstand steht. „Wir denken intensiv darüber nach.“ Derzeit will sie sich noch nicht auf eine Lösung festlegen. Fest steht für sie bislang nur: „Der Umgang mit den Elefanten wird sich ändern müssen.“

Ein sofortiger Umbau kommt wegen des Wetters nicht infrage

Die Frage ist nun, wie? Ein sofortiger Umbau der Anlage kommt für die Zoochefin im Winter wegen der kalten Witterung nicht infrage. Geklärt werden müsse auch, ob die Umstellung auf geschützten Kontakt für Targa (57) und Burma (42) wegen ihres Alters überhaupt noch wünschenswert ist. Targa zählt zu den ältesten Zoo-Elefanten in Europa. Auf ihre alten Tage müsste sie sich stark umstellen. Jantschke widerspricht auch weiterer Kritik zur Haltung der Dickhäuter. Die Augsburger Elefanten müssen nach ihren Worten keine Dressuren mehr absolvieren, seit sie mit dem Umbau der Anlage 2004 mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung haben. Zwar hätten die Pfleger seit dem Unfall einen spitzen Elefantenhaken dabei, die Tiere werden nach ihren Worten aber nicht mit dem Haken, sondern mit Gesten und Worten dirigiert.

Ob man im Zoo Augsburg weiterhin Elefanten halten wird oder nicht, das ist für Jantschke auch eine politische Frage. Weil die Zoo GmbH eine Tochter der Stadt ist, wäre dafür letztlich der Stadtrat zuständig.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
V1_Blatt_3_Au%c3%9fenpersp-Sommer_5.jpg
Augsburg

Das Elefantenhaus im Augsburger Zoo rückt näher

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen