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Tirol

08.05.2019

Nach dramatischer Bergrettung: Augsburger Anwalt wollte nicht zahlen

Bei einer dramatischen Rettung Anfang Februar konnten im Tannheimer Tal zwei Deutsche gerettet werden. Einer von beiden, ein Augsburger Anwalt, will die Rechnung nicht zahlen.
Bild: Benedikt Siegert (Symbol)

Plus Zwei Wanderer aus Deutschland verirren sich im Tannheimer Tal. 15 Bergretter finden sie. Zu viele, fand einer der Betroffenen - und wollte nicht zahlen.

  • Update, 9. Mai, 16 Uhr: Nachdem mehrere Medien über den Fall berichtet hatten, lenkte der Augsburger Anwalt ein - und zahlte laut der Tiroler Bergrettung doch noch den Betrag. Doch was kostet eine Bergrettung eigentlich?

Es ist Sonntag, der 3. Februar. Die Temperatur liegt zwischen null und drei Grad Minus. Im Tannheimer Tal sind zwei Schneeschuhwanderer aus Bayern unterwegs. Seit dem Mittag stapfen sie von der Ortschaft Schattwald zum 1688 Meter hohen Grasberg Schönkahler durch den Schnee.

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Beim Abstieg verirren sie sich im dichten Schneetreiben, schildert die Tiroler Bergrettung den Vorfall. Es ist bereits dunkel. Um 18.32 Uhr setzen die Männer einen Notruf ab. Sofort macht sich die Bergrettung mit drei Trupps zu je fünf Mann auf die Suche nach den Wanderern.

Wanderer verirren sich bei Lawinenwarnstufe 3 im Tannheimer Tal

Zu dem Zeitpunkt herrscht nach Angaben der Bergrettung Lawinenwarnstufe 3. Während die ersten Retter ausrücken, telefoniert die Leitstelle mit den verirrten Wanderern und erfährt beunruhigende Details: Die Männer haben nur ein Handy bei sich mit einer Akkuleistung von 35 Prozent. Eine zusätzliche Lampe führen sie nicht mit sich. Die Leitstelle weist die beiden an, an der angegebenen Stelle zu bleiben und die Handy-Taschenlampe auszuschalten, um Energie zu sparen. Beide Anweisungen ignorieren sie und wandern weiter, weil sie Angst haben zu erfrieren.

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Doch die Bergretter können die durchnässten und stark unterkühlten Wanderer auf einer Lichtung finden. Sie kleiden sie neu ein und geben ihnen warme Getränke. Die Bergretter sind froh, die Männer vor dem Erfrieren gerettet zu haben. Aber nicht lange: Ende März, nachdem die beiden Geretteten die Rechnung für den Einsatz bekommen haben, flattert ein Beschwerde-Brief bei der Bergrettung Tirol ein. Sie wollen keine 2261 Euro zahlen, denn es seien zu viele Bergretter im Einsatz gewesen.

Landesleiter der Tiroler Bergrettung: "Dramatischer Notruf"

"Mit so einer Dreistigkeit habe ich noch nie zu tun gehabt", sagt der Landesleiter der Tiroler Bergrettung, Hermann Spiegl, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er verteidigt den Einsatz im Tannheimer Tal. "So dramatisch wie der Notruf war und bei den Wetterbedingungen mussten wir eine größere Gruppe schicken", sagt Spiegl.

Einer der Geretteten ist laut Spiegl ein Rechtsanwalt aus Augsburg - und der hat nun angedroht, die Rechnung für den Einsatz nicht zahlen zu wollen. In einem Brief beschwert er sich bei der Tiroler Bergrettung. Unserer Redaktion liegt das Schreiben vor, darin steht: "Bei Ihren Ausführungen bitte ich Sie zu berücksichtigen, dass im Rahmen des Anrufs bei der Bergrettung; ein eindeutiger GPS-Positionsstandort mitgeteilt wurde; mitgeteilt wurde, dass keine Verletzungen bestehen; beide Personen uneingeschränkt gehfähig sind und die Personen durchgehend über ein Mobiltelefon erreichbar waren, weshalb ein Einsatz mit zwei Personen, die dann mit einer Lampe geführt die Personen zurück bringen, vollkommen ausreichend gewesen wäre."

Weiter fordert der Rechtsanwalt die Bergrettung auf, eine genaue Aufschlüsselung der Kosten zu schicken. Am Ende des Briefs räumt der Anwalt ein: "Abschließend teile ich Ihnen mit, dass ich natürlich gewillt bin, etwas für den Einsatz zu bezahlen, aber keinerlei Verständnis habe, dass hier vollkommen überhöhte Positionen ohne nähere Darlegung angesetzt werden, die nicht einmal ansatzweise den Ansätzen bei anderen Einsätzen entsprechen." Weiter wirft der Anwalt der Bergrettung vor, "dass hier offensichtlich bewusst überhöhte Kosten für Einsätze bei Touristen angesetzt werden". Eine Gleichbehandlung mit Einheimischen sei nicht gewährleistet.

Bergretter Spiegl: "Wir sind auf jeden Fall die moralischen Gewinner"

Die Bergrettung wehrt sich und reagiert mit einer Stellungnahme auf die Vorwürfe. Landesleiter Spiegl ist sich sicher, dass sie mit diesem Einspruch durchkommen werde. "Sie haben entgegen der Anweisungen ihre Position geändert", erklärt er. Im Einspruch, der unserer Redaktion ebenfalls vorliegt, heißt es außerdem: "Abschließend sei noch vermerkt, dass die Ausrüstung für diese Tour und diese Witterungssituation als mangelhaft zu beurteilen ist!!" Und Spiegl sagt: "Hier lag eine lebensbedrohliche Situation vor, bei solchen Temperaturen und Bedingungen kann ein Mensch ganz schnell erfrieren."

"Wir fordern daher weiterhin unser Geld", sagt Spiegl. Bei den Bergrettern saß der Frust tief, als der Brief des Rechtsanwalts eingegangen sei. "Im ersten Moment freuen sie sich, dass sie die Männer retten konnten und dann wird diese Arbeit nicht geschätzt", erklärt Spiegl. Er stehe aber hinter seinen Rettungskräften und sagt: "Auch wenn wir den Einspruch verlieren, wir sind auf jeden Fall die moralischen Gewinner."

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.05.2019

Wollte hier mal nachsehen. Habs vermutet, daß sich wieder sehr viele aufregen. Fehlt nur noch, daß die Exektution gefordert wird.

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08.05.2019

Schade, dass die AZ aus Datenschutzgründen nicht mal Vorname und Familienname abgekürzt schreiben darf, so wie das früher der Fall war. Sonst hätte man eine Chance zu vermeiden, dass man je diesen Rechtsanwalt selber als Anwalt engagiert. Der Herr scheint keine Schamgrenze zu kennen. Und er bestätigt das Vorteil der Österreicher: das ist ein echter Piefke! Armes Deutschland, der Herr Anwalt scheint verdammt schlecht in seinem Job zu sein, dass er es nötig hat , wegen 1300€ für eine Lebensrettung rumzuknausern!

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09.05.2019

Schon richtig, daß nicht alles genannt wird. Wie soll man Leute sonst vor Ihnen schützen.

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08.05.2019

Was soll man dazu schon sagen? Typisch Anwalt. Ich hoffe, die Bergretter fragen das nächste Mal erst nach dem Beruf, bevor sie zur Rettung schreiten. Und Anwälte werden eben nicht gerettet. Ich könnte kotzen über diese Unverschämtheit von den Bergwanderern. Und der scheint noch nicht einmal im DAV zu sein, was wohl für jeden Bergwanderer eine Selbstverständlichkeit ist. Ich zahle gerne meinen DAV-Beitrag, weil dadurch auch die Wege gerichtet werden. Und im Ernstfall bin ich dann halt auch über den DAV versichert, falls es mal zu einer Bergrettung kommt.

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08.05.2019

wenn man das liest wie sich dieser Anwalt des Rechtes aufführt !!! muß man sich wieder einmal schämen Deutscher zu sein !!!
jetzt fragt man sich wieder einmal warum niemand mehr zur Feuerwehr und Rettung gehen will !! solche Leute sind dann auch in Anderen lagen richtige ....

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08.05.2019

Das ist doch ganz einfach: der Herr nimmt die Leistung nicht an. Also wird er so bald möglich wieder unter den gleichen Wetterumständen an die Fundstelle zurückgebracht. Dann kann er ja schauen wie er kostenlos zurecht kommt.

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08.05.2019

Mich beschäftigt bei sowas immer eine Grundsatzfrage:

Wieso muss man für das Inanspruchnahmen von Rettungsdiensten/ Polizei gesondert etwas bezahlen?

Die Kosten dieser Einrichtungen werden von Steuergeldern getragen und stehen jedermann zur Verfügung.

Mir kommt es so vor, dass Polizei, Feuerwehr und Co. immer häufiger eine Rechnung ausstellt, als dass das früher der Fall war.

Gute bei grober Fahrlässigkeit (z.B. Verkehrsunfall durch fahrlässiges handeln) kann ich es nachvollziehen, wenn die Feuerwehr eine Rechnung als „Rüge“ ausstellt. Aber sonst?

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08.05.2019

Aber klar, da haben Sie natürlich vollkommen recht. Die arbeiten ja alle ehrenamtlich, und dafür, dass diese Retter ihre Freizeit opfern, wollen die auch noch Geld dafür? Wirklich unverschämt. Sie sind dann wohl auch einer, der die Retter verklagt, weil die Trage nicht ausreichend gepolstert war, oder?

Sie sind offenbar einer von denen, die die Natur als großen Freizeitpark betrachten, wo jeder alles machen kann, was ihm gerade in den Sinn kommt. Wenn was passiert, ist erstens ja der ehrenamtliche Rettungsdienst da, der soll mal schön springen für mich, ich zahl' ja schließlich Steuern, gell, ja und die Kosten, die soll mal schön die Allgemeinheit tragen, aber doch nicht ich.

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08.05.2019

Um das mal klarzustellen: das geforderte Geld wird ja nicht unter den 15 (ehrenamtlichen) Rettern aufgeteilt. Da entstehen noch weitaus andere Kosten, die natürlich bezahlt werden müssen, egal wie viele Retter da unterwegs sind.
Und der schlaue, ach soclevere RA hätte sich, wenn er schon bei so extremen Wetter in Gebirge geht, vorher für solche Situationen versichern können. Aber da war ihm wahrscheinlich die Prämie zu hoch.

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08.05.2019

@Hubert D.

Ich verstehe nicht, wieso sie hier gleich ausfallend werden? Insbesondere verstehe ich nicht, warum sie da so radikal rangehen und jede Diskussion um keim Ersticken.

Ob die ehrenamtlich sind oder nicht, spielt keine Rolle.
Ihr Haus wird auch unabhängig davon, ob gerade die freiwillige oder Berufsfeuerwehr in der Nähe ist, gelöscht.

Ich kann Ihnen darüberhinaus versichern, dass der Rechnungsbetrag nicht an die ehrenamtlichen Helfer überwiesen wird, wie sie sich das vielleicht vorstellen.

Menschen, die sich ehrenamtlich in Rettungsdienste einbringt, zolle ich meinen höchsten Respekt.
Und ich habe auch kein Problem damit, dass die von unserem Steuergeld finanziert wird.
Es ist ja nicht so, dass die Retter den Einsatz aus der eigenen Tasche zahlen?

In meinen Augen zahlt aber jeder Bürger monatlich einen Beitrag an Polizei, Feuerwehr und Co., OHNE diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Und wenn er dann in Notlage gerät, dann bekommt er dafür eine Rechnung? Wo ist da die Logik?

Das ist, wie wenn sie ihre Kfz Versicherung monatlich zahlen und im Falle eines Unfalls sagt die Versicherung, dass zahlen Sie mal schön selbst, weil sie ja in einem Unfall verwickelt sind.

Zu der Aussage von „Natur“ und „Freizeitpark“.
Ich möchte garnicht erst wissen, was ihr Bild von Freiheit und Freizügigkeit ist. Sollen jetzt alle nur in den eigenen vier Wänden sitzen und höchstens mal in den botanischen Garten gehen?
Wir haben hier in Bayern eine wundervolle Landschaft, die nicht nur von sich aus zum wandern einlädt, nein zahlreiche - auch behördliche - Organisation fördern ganz aktiv diese Art von Tourismus und viele Menschen leben auch davon.

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die betroffenen mit Absicht verunglückt sind!

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08.05.2019

Meiner Meinung nach hat Michael G. da grundsätzlich Recht...
Das Problem ist, dass der Anwalt aber in Deutschland Steuern zahlt...nicht in Tirol.

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09.05.2019

Die Kosten, die die Bürger für diese Einrichtungen (Rettungsdienste, Polizei) aufbringen müssen wären aber noch höher, wenn man für Einsätze nichts verlangen würde. Ist es da nicht doch irgendwie gerecht, wenn der Verursacher eines Einsatzes an diesen beteiligt wird?

Ich erinnere mich an einen Fall, in dem eine Familie trotz Warnung der Wirtsfamilie, bei der sie einquartiert war bei schlechtem Wetter zu einer Winterwanderung aufbrach. Das Wetter wurde so wie angekündigt, die Familie mit kleinen Kindern saß eingeschneit irgendwo fest am Berg und musste mit dem Heli geholt werden. Anschließend ließ sie sich so ein, dass sie gerne mal mit dem Hubschrauber fliegen wollten... Und das soll die Allgemeinheit tragen?

Durch das Smartphone, die Möglichkeit der GPS-Ortung fühlen sich die Leute heutzutage im Gelände relativ sicher. Motto: Und wenn was passiert, rufe ich halt an. Der Leichtsinn ist Programm. Die Retter setzen ggf. selbst ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel. Die Eigenbeteiligung die fällig wird und wie hier über die Medien bekannt, könnte eine gewisse abschreckende Wirkung haben. Es sei denn, man hat sich die kostenlose Rettung via Mitgliedschaft im DAV schon gesichert. Da ist es dann so, wie Sie es sehen. ;-)

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09.05.2019

Für Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei müssen sie prinzipiell für alle erforderlichen Einsätze nicht zahlen. Außnahme ist der Notarzt der kostet - ich glaube zumindestens in der Gesetzlichen - 10 Euro. Für Einsätze der Feuerwehr kann für gewisse Einsätze eine Rechnung gestellt werden, z.B. Abpumpen einer selbst verursachten Überschwemmung im Keller, Tierrettung oder Fehlalarm einer Brandmeldeanlage. Die Polizei macht dass nur bei vorsätzlicher Fehlalamierung.

Wird die Bergwacht alarmiert, dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten bei einer medizinischen Notwendigkeit. Ansonsten muss man sich finanziell beteiligen.

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08.05.2019

Vielleicht hätte die Bergrettung vor dem Einsatz mit dem Anwalt über die Kosten verhandeln sollen, ein detailliert Aufstellung per Mobiltelefon diskutieren und sich dann über die Anzahl der Retter verständigen können. Anschließend eine ausreichende Frist zur Annahme der Bedingungen/Kosten einräumen müssen. Letztendlich wären die Kosten bei Null für die beiden gewesen. Warum? Tote können nicht mehr bezahlen!
Dieser RA erlaubt sich bei einem Rettungseinsatz (Notfall) bestimmen zu können, wieviel Retter einzusetzen sind und die Lage vor Ort eindeutig identifizieren zu können, wobei die zu Rettenden sich nicht an die Vorgaben der Retter halten, um schnellstmöglich am Einsatzort einzutreffen. Hier sollte noch eine saftige Geldstrafe zusätzlich an die beiden gehen,, da sie durch eine mangelhafte Ausrüstung den Witterungsbedingungen nicht trotzen konnten.

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08.05.2019

Ein Jurist, was auch sonst.

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08.05.2019

Absolut peinlich von den beiden Deutschen. Ca. 1.130 Euro pro Person nicht zahlen zu wollen, obwohl einem wahrscheinlich das Leben dadurch gerettet wurde, ist erbärmlich. Besonders wenn man als Anwalt eigentlich sowas doch aus der Portokasse zahlen kann.

Ich hoffe, dass die Bergwacht hier nicht einknickt und notfalls vor Gericht dann auch die Verzugszinsen bekommt.

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08.05.2019

Typisch, erst aus eigener Dämlichkeit in Bergnot geraten dann die Bergrettung alarmieren und anschließend die Rechnung nicht zahlen wollen....Aber selbst den Leuten die Kohle aus der Tasche ziehen...RA stellen nicht gerade die billigsten Honorarforderungen...
Pfuideibel...kann man da nur sagen!!!

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