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Augsburg

30.06.2020

Neues Haus der Freiwilligen Feuerwehr Göggingen: Umzug in letzter Minute

Kommandant Kai Faßnacht vor dem neuen Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Göggingen.
Bild: Peter Fastl

Plus Unmittelbar bevor Corona das Leben in Augsburg lahmgelegt hat, ist die Freiwillige Feuerwehr Göggingen in ihr neues Gebäude gezogen. Warum das dringend nötig war.

In aller Stille hat die Freiwillige Feuerwehr Göggingen ihr neues Domizil in der Hessingstraße bezogen. Quasi in letzter Minute vor dem Corona-Lockdown zogen die Kameraden ihre Ausrüstung und Fahrzeuge in die neuen Räume um, die ihnen trotz Hygienevorschriften und Abstandsregeln ein vernünftiges Arbeiten ermöglichen, wie Kommandant Kai Faßnacht betont.

„Im alten Feuerwehrhaus wäre es richtig schwierig geworden“, ist er sich sicher. Der über 100 Jahre alte Bauernhof war eng, die Einsatzfahrzeuge passten nur knapp durch die Tore und im Inneren konnten sich die Feuerwehrleute kaum umdrehen, wenn sie sich zwischen den Fahrzeugen für den Einsatz umzogen. Diese Zustände gehören der Vergangenheit an. Das moderne Gebäude ist in den Farben Anthrazit, Grau, Weiß und natürlich Rot gestaltet. Beim Design wie auch vielen Details durfte die Feuerwehr mitsprechen. „Wir waren in den Vorplanungen und auch bei allen Baubesprechungen eingebunden und konnten den Architekten unseren ,Feuerwehrblick‘ darlegen“, ist Faßnacht dankbar.

Feuerwehr: Viele kleine Sachen haben die Wehrleute selbst gemacht

Die neue Halle ist geräumig und hat nicht nur Platz für die Löschfahrzeuge und Transporter der Feuerwehr, sondern bietet auch genügend Raum, dass bei schlechter Witterung hinter den Fahrzeugen gearbeitet werden kann. Es gibt eine multifunktionelle Waschhalle, in der ebenfalls ein Fahrzeug steht, und eine gut ausgestattete Werkstatt, in der die Feuerwehrleute Ausrüstung warten und reparieren können. Viele kleinere Installationen wie zusätzliche Steckdosen oder ein Blaulicht unter der fünf Meter hohen Hallendecke hätten die Kameraden selbst angebracht, sagt der Kommandant.

Für die Feuerwehrleute sind vor allem die Umkleideräume und Sanitärbereiche ein großer Fortschritt, so Faßnacht. Jeder Kamerad hat jetzt seinen eigenen Spind, in dem Ausrüstung und Zivilkleidung getrennt untergebracht werden können. Und es gibt endlich auch eine eigene Damenumkleide. Die 17 Spinde dort sind bereits voll belegt – auch für Frauen ist die Freiwillige Feuerwehr Göggingen attraktiv, wie Faßnacht feststellt.

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Die Spinde der Jugendfeuerwehr dagegen sind gerade großteils leer, sagt Jugendwart Florian Lul. Platz wäre in der Jugendumkleide für bis zu 40 Jugendliche, momentan sind es gerade mal acht junge Menschen, die sich hier engagieren. „Wir konnten wegen Corona dieses Jahr auch keinen Jugendaktionstag durchführen, der uns sonst viele neue Mitglieder beschert“, bedauert Ludl. Dabei ist in dem neuen Gebäude auch an die Jugendfeuerwehr gedacht worden. Es gibt einen großen Jugendraum, der gerade noch eingerichtet wird. Man sieht schon die von den Jugendlichen selbst gestaltete Sitzecke aus abgeflammten Paletten und einen Kicker. „Unsere Jugendlichen haben hier viel Engagement gezeigt“, sagt auch der Kommandant.

Kommandant ist froh über großen Schulungsraum - gerade in Corona-Zeiten

Im Eingangsbereich des Gebäudes steht eine historische Feuerwehrpumpe, in einer Glasvitrine sind die Fahnen der freiwilligen Feuerwehr Göggingen ausgestellt. Der Vorraum soll noch weiter gestaltet werden – gerade arbeite man an einem Konzept, sagt Faßnacht. Neben Büros, weiteren Toiletten und einem Aufenthaltsraum gibt es im Obergeschoss auch einen Unterrichtsraum, der in normalen Zeiten 120 Menschen fasst. Der Raum ist mit Schiebewänden flexibel teilbar, sodass auch mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden können. „Wir haben sehr dafür gekämpft, dass dieser Raum bei allen Streichungen erhalten geblieben ist – und jetzt in der Corona-Situation hat sich bewahrheitet, wie wichtig ein großer Schulungsraum ist“, sagt Faßnacht. Derzeit können hier bequem 30 Personen tagen – was in letzter Zeit selbst die Berufsfeuerwehr gerne genutzt habe, wie sich Faßnacht freut.

An einigen Stellen sieht man, mit wie spitzem Stift hier gerechnet wurde. So gibt es eine großzügige Dachterrasse – nicht etwa, weil die Feuerwehr so gerne grillt, sondern weil so die Kosten für Planung und Bau weiterer Räume in diesem Bereich gespart wurden. Fast alle Räume sind ein Stück kleiner geworden als ursprünglich gedacht. Und in den Toiletten im Untergeschoss wurde sogar am Warmwasseranschluss gespart. Trotzdem ist Faßnacht über das Gebäude glücklich. „Wir können hier hervorragend arbeiten und es wurde auf die meisten Vorschläge, die wir eingebracht haben, auch eingegangen“, betont der Kommandant.

Sturmtief "Sabine" hat auch in Augsburg für viel Wirbel gesorgt, wie die Bilder zeigen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
35 Bilder
Bilder: So wütete Orkantief "Sabine" in Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad, Ina Marks, Berufsfeuerwehr Augsburg, Bernd Hohlen

Die Freiwillige Feuerwehr Göggingen hat in diesem Jahr viel zu tun. Schon jetzt sei man mit 130 Einsätzen so oft ausgerückt wie sonst im ganzen Jahr. Das habe sicherlich auch mit dem Orkan „Sabine“ zu tun, der im Februar in Augsburg gewütet hatte. Aber auch die sonstigen Einsätze stiegen immer weiter an, so Faßnacht. Er rechnet mit mindestens 200 Einsätzen in diesem Jahr.

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