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Augsburg

06.08.2019

Pokale Greiner: Augsburger Familienbetrieb verkauft Emotionen

Josef und Andreas Greiner (von links) lieben ihr Geschäft.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Greiners führen im Bärenkeller ein Geschäft, das Emotionen verkauft: Wer Pokale oder Medaillen sucht, findet sie dort. Am Anfang stand jedoch ein Rückschlag.

Es glitzert und glänzt, wenn man das Geschäft von Josef und Andreas Greiner betritt. Vater und Sohn verkaufen im Bärenkeller Pokale aller Art. In Klein, in Groß, mit Motiv und ohne, aus Glas und Metall, modern oder klassisch. Alle akkurat und nach Modell sortiert in Regalen aufgereiht. Wer schon immer davon geträumt hat, wie einst Boris Becker den Wimbledon-Pokal, einmal seine eigene Trophäe in den Himmel zu recken, der fühlt sich bei Greiners wie im Paradies.

Zu den Kunden des Familienbetriebs, der hinterhalb der Verkaufsfläche eine kleine Werkstatt für Gravurarbeiten betreibt, gehören viele Firmen, Sportvereine und auch die Bundeswehr. Weil Greiner mittlerweile der einzige Laden in Augsburg ist, bei dem man Pokale und Medaillen kaufen und auch gravieren lassen kann, sei der Kundenstamm groß, erzählt der Geschäftsmann.

Augsburger Geschäft vor 40 Jahren gestartet

Begonnen hat alles vor fast 40 Jahren. Damals hat sich Josef Greiner zusammen mit seiner Frau Gisela und dem Geschäft selbstständig gemacht. Zunächst in Kriegshaber und damals etwas aus der Not geboren. Weil er seinen Job verloren hatte, musste sich der gelernte Graveur und Goldschmied eine Alternative suchen. Greiner erkannte den Verkauf von Pokalen und Auszeichnungen als Nische und stieß in sie vor. „Das war, trotz der Arbeit, die ein eigener Laden auch macht, für mich wie eine Offenbarung“, erzählt er. Zwar habe es einige Jahre gedauert, bis das Geschäft in Schwung kam, aber aufgeben kam für den heute 73-Jährigen nie infrage. „Man muss an sich und sein Produkt glauben und manchmal einen etwas längeren Atem haben“, erzählt er. Man könne beim Pflanzen eines Baums auch nicht als Erstes an die Früchte denken, die er einmal haben wird. Bis es so weit ist, brauche es Pflege und Engagement.

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Greiner: Kunde muss gut aufgehoben sein

Daran mangelt es bei Josef Greiner nicht, das spürt man auch in seinem Laden, der nach einem Umzug 1993 im Lerchenweg im Bärenkeller zu finden ist. „Der Kunde muss sich gut aufgehoben und ehrlich behandelt wissen. Sonst kommt er nicht wieder“, erzählt Greiner aus seiner Erfahrung. Verkaufen habe viel mit Gefühlen und Emotionen zu tun – besonders in seiner Branche – und darauf müsse man eingehen.

Dass Pokale für Greiner etwas Besonderes sind, hat auch Sohn Andreas erkannt und ist nach seiner Bäckerlehre nicht in einem Backbetrieb geblieben, sondern beim Vater im Geschäft eingestiegen. „Irgendwann hat es bei mir Klick gemacht, und ich habe erkannt, dass dieser Laden, diese besondere Arbeit, das ist, was ich machen will“, erzählt er – und hat seinem Vater damit eine große Freude gemacht. „Als Andreas mir gesagt hat, dass er in den Laden kommt, da konnte ich gar nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet“, sagt Josef Greiner. Dass auch sein Sohn die Lust verspürt, genau diesem Geschäft nachzugehen, habe ihn beeindruckt. „Dazu überredet hätte ich ihn nicht. Denn zum Erfolg eines Geschäfts gehört auch, dass man mit Leib und Seele dabei ist.“

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"Geld ist gut, aber nicht alles"

Deshalb will Josef Greiner auch noch, solange es die Gesundheit zulässt dabeibleiben, seinen Sohn bei der Übernahme unterstützen und dafür sorgen, dass große und kleine Gewinner bei sportlichen oder anderen Wettbewerben in den Genuss einer besonderen Auszeichnung kommen. Anderen Jungunternehmern hofft er, mit seiner Geschichte Mut machen zu können.

„Geld ist gut, aber nicht alles, worum es im Leben geht“, ist Greiner nämlich überzeugt. Wer hinter seiner Geschäftsidee und seinem Produkt steht und sich nicht vom Weg abbringen lässt, wird am Ende auch Erfolg haben. In einem Maß, das einen selbst zufriedenstellt und sich nicht an der Größe des Autos messen lässt, das vor der Ladentür steht.

Hinweis: In den Sommerferien stellen wir in loser Reihenfolge besondere Geschäfte aus den Stadtteilen vor und skizzieren, warum sie eine Bereicherung für die Menschen sind, wie sie sich am Standort halten und welchen Herausforderungen sie begegnen. Mit dabei: Der Lokschuppen (Göggingen), Lebensmittel Kronthaler (Lechhausen), das Tee- und Gewürzhaus in der Altstadt, Radio Mierbeth (Hochzoll) und das Modehaus Jung.

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