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Augsburg

30.11.2017

So steht es um die Theaterfinanzierung

Das Große Haus am Kennedyplatz kann seit langem nicht mehr als Theaterspielstätte genutzt werden. Die Sanierung beginnt allerdings erst im März 2019.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ob die Rechnung für die Generalsanierung des Theaters aufgeht, hängt von der Baukonjunktur ab. Allerdings zeichnet sich ab, dass die 113,5 Millionen Euro nicht reichen. Was dann?

Das Theater Augsburg ist aus baulicher Sicht ein Sanierungsfall. 186,3 Millionen Euro will sich die Stadt Augsburg die Sanierung des Großen Hauses am Kennedyplatz und den Neubau eines benachbarten Gebäudes mit Schauspielhaus, Werkstatt- und Verwaltungsflächen kosten lassen. Davon trägt der Freistaat mehr als die Hälfte: 107 Millionen Euro sollen aus München nach Augsburg fließen.

Das sind die finanziellen Eckdaten eines Großprojekts, dessen bauliche Umsetzung noch länger auf sich warten lässt. Die Stadt hat beschlossen, das Projekt in zwei Schritten zu vollziehen. Das erste Bauteil, das aktuell mit 113,5 Millionen Euro veranschlagt ist, umfasst die Sanierung des Großen Hauses. Diese Arbeiten sollen nach jetzigem Stand im März 2019 beginnen, die bauliche Fertigstellung ist für Juni 2022 angepeilt, wobei bis zu einem Spielbetrieb des Theaters noch weitere Monate vergehen werden. Voraussichtlich im September 2023 – mit Beginn der Spielzeit 2023/2024 – kehren Künstler und Publikum ins Große Haus zurück.

Um zwei Jahre zeitversetzt sind die Arbeiten für den Neubau terminiert, der mit einem Kostenrahmen von 72,8 Millionen Euro veranschlagt ist. Die Bauarbeiten sollen im März 2022 beginnen und im Juni 2024 fertig sein. Kostenrahmen heißt, dass hier noch keine belastbaren Zahlen vorliegen wie bei einer Kostenberechnung, die es bei der Sanierung des Großen Hauses gibt.

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Theatersanierung: Der finanzielle Puffer ist weniger geworden

Lassen sich die nun aber genannten Kosten einhalten? Darum ging es in einem Sachstandsbericht am Donnerstag im Stadtrat. Der beauftragte Architekt Walter Achatz (München) informierte. Nach seinen Angaben gibt es für die Generalsanierung des Großen Hauses eine Kostenberechnung, auf die sich jetzt aufbauen lasse. Er habe im Dezember 2016 dem Stadtrat ein Investitionspaket von 109 Millionen Euro präsentiert, in dem mehr als 100 einzelne Arbeiten im Großen Haus aufgeführt seien. 4,5 Millionen Euro wurden als Puffer aufgeschlagen – für unvorhergesehene Überraschungen. Dieser Puffer ist inzwischen auf 2,5 Millionen gesunken. Unter anderem, weil die Stadt Finanzcontroller verpflichtete, die das Großprojekt in Sachen Kosten im Auge behalten sollen.

Deutlich wird nach jetzigem Stand, dass etwaige Kostensteigerungen bei den Baupreisen für die Gesamtkomplex nicht berücksichtigt sind. Dies bestätigte Achatz auf Nachfrage von Stadträten. Oberbürgermeister Kurt Gribl versteht die genannte Zahl von 186,3 Millionen als „Obergrenze“. Diese Summe diene insofern gegenwärtig als Grundlage. Finanzreferentin Eva Weber ging noch einen Schritt weiter in der Bewertung: „Es ist unheimlich viel Geld. Es steht zur Verfügung und dient als Messlatte.“

Es wäre daher immer zu entscheiden, so die Erkenntnis aus der Debatte im Stadtrat, wie die Stadt im Falle etwaiger Kostensteigerungen zu verfahren hat. Denkbar wäre, gegebenenfalls Abstriche im Gesamtpaket zu machen. Eine andere Möglichkeit wäre, mehr Geld insgesamt für die Theatersanierung bereitzustellen. Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg) rechnete um: „Müsste man dann nicht 20 Prozent auf die Kosten draufsatteln?“ Architekt Achatz antwortete: „Das können Sie tun, aber es ist nicht seriös.“

Baureferent Gerd Merkle (CSU) sagte, dass es gegenwärtig wenig zielführend sei, sich über die weitere Entwicklung der Baukonjunktur Gedanken zu machen. Wenn jedoch für die Generalsanierung des Großen Hauses das Ergebnis der Ausschreibungen vorliege, habe man für die weitere Vorgehensweise belastbares Zahlenmaterial.

In der Sitzung kam zur Sprache, wie gegebenenfalls eine Finanzierung für das Große Haus wegen anfallender Mehrkosten möglich sei. Der Neubau hinter dem Großen Haus, der Probebühnen, Werkstätten, die Verwaltung und eine zweite Spielstätte beinhaltet, könnte abgespeckt werden. „Aber wir bewegen uns hier in einer Phantomdiskussion“, sagt Gribl. Entscheidend sei letztlich, dass die Stadt als Bauherrin das Sagen habe und frühzeitig reagieren könne. Die Funktionalität des Theaters stehe im Vordergrund, danach komme der Standard.

Architekt Achatz stand zuletzt wegen eines anderen Bauprojekts unter Beschuss: Das Gärtnerplatztheater in München verteuerte sich von anfangs kalkulierten 75 Millionen auf letztlich 121,5 Millionen Euro. Achatz betont, dass in dieser Endabrechnung auch die Kosten für die Ausweichspielstätten enthalten seien. Zudem seien die anfangs genannten 75 Millionen „immer eine politische Größe“ gewesen. Ihm als beauftragten Architekten sei klar gewesen, dass diese Kalkulation nicht aufgehen könne. Ein Vergleich mit der Situation in Augsburg sei unangebracht.

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30.11.2017

Meine Güte. Was ist das für ein jämmerliches Schauspiel. Sagt doch gleich, dass das Theater eben kosten wird, was es kosten wird. Man wollte es als Dreispartenhaus erhalten und zwar an diesem Standort und jetzt wird es bezahlt werden müssen, wie die Elbphilharmonie auch und wenn es dann um 2030 endlich fertig sein wird, werden alle jublieren, egal wie hoch die Stadt dann verschuldet sein wird.

Was alles wegen diesem Projekt des völlig freiwilligen Aufgabengebiets der Stadt Augsburg an Pflichtaufgaben nicht angepackt, umgesetzt werden kann, für was alles kein Geld da war, was abgespeckt werden musste, wer vertröstet und abgewiesen, das ist den Theaterenthusiasten doch völlig schnurz. Da spielt man dann halt wieder einen Brecht: Erst kommt das Fressen, dann die Moral... und alles ist wieder in Butter.

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