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Mobilität

16.07.2020

Stadtwerke tun sich schwer mit neuen Carsharing-Stationen

Bis zum Ende des Jahres soll die Flotte der Leihautos auf 260 Stück anwachsen. Doch ausgerechnet in den Stadtteilen, wo das Unternehmen den größten Bedarf vermutet, ist es schwierig, neue Stellplätze zu finden

Fünf Jahre nach dem Start ihrer Carsharing-Sparte haben die Stadtwerke am Mittwoch ihre 100. Verleihstation nahe der Hessing-Klinik in Göggingen eröffnet. Aktuell gibt es 219 Fahrzeuge, bis zum Jahresende wolle man die Flotte auf 260 Fahrzeuge vergrößern. „Die Leute finden Gefallen am Produkt“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza. Wer wenig Kilometer im Jahr fahre, komme deutlich günstiger weg als mit dem eigenen Auto. „Immer mehr Menschen verzichten auf den eigenen Wagen.“ Inzwischen habe man 6000 Kunden. Die Vergrößerung der Flotte soll zum großen Teil mit Elektroautos des Typs VW Up erfolgen.

Doch nach fünf Jahren stetigen Wachstums werden die Stadtwerke in ihrem Expansionsdrang gebremst, weil es schwieriger wird, noch Platz für neue Leihstationen zu finden. „Der klassische Standort sieht so aus, dass er in einem Viertel mit dichter Bebauung liegt und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hat“, sagt Jürgen Biedermann, Leiter des Bereichs Multimobilität bei den Stadtwerken. Zusammen mit den Leihradstationen, deren Zahl ebenfalls ausgebaut werden soll, schnüre man so ein attraktives Paket als Alternative zum eigenen Auto.

Inzwischen werde es aber immer schwieriger, noch neue Standorte zu finden, an denen Carsharing-Autos postiert werden können, so Casazza. Die Stadtwerke reservieren Stellplätze in der Regel auf Privatgrundstücken, doch speziell in der Innenstadt, wo man das größte Potenzial sieht, ist das schwierig. In der Regel ziehe ein Standort Nutzer aus einem Umkreis von 500 Metern an. „Danach nimmt die Strahlkraft ab“, so Biedermann. Darum wolle man ein dichteres Netz schaffen. Die Stadtwerke setzen inzwischen auch auf eine kleine sogenannte Free-Floating-Flotte aus Elektroautos, die von Nutzern einfach am Straßenrand geparkt werden dürfen und nicht mehr zur Verleihstation zurückgebracht werden müssen. Der nächste Nutzer findet das Auto per App. Nachhaltiger sei aber das Modell mit den Verleihstationen, sagt Casazza. Darum werde man auch weiter daran festhalten.

Die Stadtwerke hoffen nun auf eine Umsetzung des Carsharing-Gesetzes in Augsburg. Das Gesetz sieht vor, dass öffentliche Stellplätze am Straßenrand von der Stadt ausschließlich für Carsharing reserviert werden dürfen. Carsharing-Betreiber können sich dann für die Dauer von fünf Jahren für einen solchen Platz bewerben. Man sei wegen des Themas in Gesprächen mit der Stadt, so Casazza. Die Folge ist freilich: Für Carsharing-Plätze würden in Vierteln mit Parkplatznot automatisch Anwohnerparkplätze wegfallen. Diese sind in den Vierteln, wo die Stadtwerke mit dem Carsharing stärker vertreten sein wollen, aber heute schon knapp, etwa in der Altstadt.

Casazza geht in seinen Forderungen sogar noch weiter. „Eigentlich müssten, wenn Carsharing-Stellplätze eingerichtet werden, zusätzliche Parkplätze reduziert werden.“ Denn man gehe davon aus, dass ein Carsharing-Auto zwischen acht und 15 Privatautos überflüssig macht. Wenn man Carsharing in einem Viertel mit hohem Parkdruck neu anbiete, müssten entsprechend Parkplätze umgewandelt werden. „Die Folge ist andernfalls nur, dass auf die frei werdenden Parkplätze andere Autos aus der entfernteren Nachbarschaft gestellt werden“, so Casazza. Platz sei in Großstädten heute „die Ressource Nummer Eins“. „Wer in der Altstadt als Anwohner einen schönen Parkplatz ergattert hat, darf sein Auto eigentlich gar nicht mehr benutzen, sonst ist der Platz danach weg“, so Casazza.

Die Stadtwerke sind mit ihrem Carsharing neben Augsburg auch in Stadtbergen, Friedberg, Gersthofen, Neusäß, Königsbrunn, Diedorf, Meitingen und Wertingen vertreten. Im Sommer sollen noch Standorte in Schwabmünchen und Günzburg dazukommen.

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