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Prozess in Augsburg

05.07.2019

Tierquäler brechen einem Raben am Kö das Bein

Am Königsplatz quälten drei junge Männer einen Raben.
Bild: Bernd Hohlen

An einem Huhnskelett demonstrieren Zeugen im Gerichtssaal, wie drei Angeklagte einen Vogel festhalten und ihm Schmerzen zuführen. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Auf dem Tisch vor der gerichtlich bestellten Sachverständigen, der Amtstierärztin Dr. Felicitas Allmann, steht unter Glas das Skelett eines Huhns. Es dient als Vergleichsobjekt für den Körperbau eines etwa gleich großen Raben, der in diesem Prozess vor Amtsrichterin Angela Reuber die dominierende Rolle spielt.

An dem Knochengerüst des Huhns demonstrieren zwei Zeugen, was sie in jener Nacht zum 25. Mai 2018 am Königsplatz gesehen haben und was sie empört hat.

Angeklagt sind drei Männer im Alter von 20, 23 und 26 Jahren, denen gemeinsam rohe Tiermisshandlung vorgeworfen wird. Der 26-Jährige muss sich außerdem wegen Beleidigung, der noch heranwachsende 20-Jährige wegen Drogenbesitzes verantworten.

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Über den verletzten Vogel lustig gemacht

Das Trio soll damals, angeblich alkoholisiert, einen Raben gepackt, ihm ein Bein geknickt, die Szene fotografiert und sich über den offenbar vor Schmerzen heftig krächzenden Vogel amüsiert haben. Das Problem: Das Opfer der vermuteten Tierquälerei war damals weggehumpelt und verschwunden, als die Polizei einen der Täter auf seiner Flucht verfolgte.

Die drei Männer, die aus einem anderen Kulturkreis stammen, sind sich allesamt keinerlei Schuld bewusst. Unisono behaupten sie, den Raben quasi gefunden zu haben, der auf dem Boden gestanden und immer mit dem Schnabel gegen die gläserne Tür eines Geschäfts geklopft habe.

„Der Rabe war krank, er konnte nicht mehr fliegen, wir haben ihn aufgehoben, um ihm zu helfen“, behaupten alle drei. Warum sie sich dabei belustigt mit dem Handy fotografierten, können sie nicht erklären.

Zwei Passanten waren in jener Nacht an dem Trio vorbeigekommen. „Die Gruppe hatte Spaß, alle haben gelacht. Dann hat es ,Knack‘ gemacht und wir haben gesehen, wie einer einen Raben festhielt und ein anderer ihm ein Bein umknickte“, erinnern sich die beiden Zeugen. Sie hätten gerufen: „Lasst den Vogel los“, doch sie seien nur beleidigt worden.

Einer der Passanten rief die Polizei. Bei deren Eintreffen ließ der 26-Jährige den Raben fallen und flüchtete, die Polizeistreife hinterher.

Rabe muss "massive Schmerzen" gehabt haben

Der offenbar verletzte Vogel schleppte sich humpelnd davon und verschwand in der Nacht. Die sachverständige Veterinärin Felicitas Allmann geht davon aus, dass der so verletzte Rabe vermutlich nicht lange überlebt hat. Sie sagt, auch ein Vogel habe ein Schmerzempfinden wie ein Säugetier. Und das Brechen eines Beines habe ihm „massive Schmerzen“ verursacht.

Aus „Jux und Tollerei“, so empört sich Staatsanwalt Michael Nißl, hätten die drei Angeklagten ein Tier gequält, sich darüber noch lustig gemacht. Alle drei seien zu bestrafen, „egal, wer nun das Bein geknickt hat“. So sieht es am Ende auch Richterin Reuber.

Sie folgt weitgehend dem Antrag des Anklagevertreters, verurteilt den 23-Jährigen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung, den 26-Jährigen zu sieben Monaten mit Bewährung. Beide müssen je 180 Stunden Hilfsdienste ableisten.

Der Heranwachsende erhält einen Dauerarrest von zwei Wochen, eine Geldauflage von 500 Euro und bekommt beim Verein „Brücke“ Nachhilfe bei Gesprächen über das Thema „Mensch und Tier“.

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.07.2019

Der gesamte Artikel ist nicht stimmig und ich frage mich, wie es überhaupt angesichts der im Artikel geschilderten Vorgänge und fehlender Beweise zu einer Verurteilung kommen konnte.

Fakt ist eben nicht, dass hier ein Tier gequält wurde, denn der Beweis dazu wurde nicht erbracht, zumindest gibt der Artikel keinerlei Informationen dazu.

Zwei Zeugen geben an, die drei Männer beobachtet und gehört (!) zu haben, wie sie einem Raben das Bein brachen.
Der laut Bericht, "offenbar verletzte Vogel schleppte sich humpelnd davon und verschwand in der Nacht".
Wo ist also der Beweis, dass dies tatsächlich so stattfand, wie die Zeugen angaben? Wo ist der Beweis, dass der Vogel tatsächlich von den Angeklagten vorsätzlich verletzt wurde und nicht schon, wie von den Männern geschildert, bereits verletzt gewesen war? Diese Aussage erscheint schlüssig , da das Tier sich sonst wohl kaum hätte einfangen lassen, bzw. sitzt ein Vogel des Nachts für gewöhnlich in den Bäumen.

Wenn ich das richtig verstehe, erfolgte die Verurteilung wegen roher Tiermisshandlung demzufolge alleine auf die Aussage der zwei Zeugen hin. Das kann ja wohl nicht sein!


Auch der zeitliche Ablauf, wie im Artikel geschildert, lässt hier einige Fragen offen.

Die Zeugen sahen die drei Beschuldigten mit einem Raben in der Hand. Sie riefen die Polizei. Als diese eintraf, was im günstigsten Fall mindestens 10 Minuten dauert, hielt der Angeklagte den Vogel immer noch in der Hand und ließ ihn erst fallen, als sich die Polizei näherte. Was passierte in der Zwischenzeit? Was taten die Zeugen? Sahen unbeteiligt zu, wie der Vogel minutenlang gequält wurde?

Wie konnte es so überhaupt zu einer Verurteilung kommen? Es wäre interessant zu erfahren, ob die drei Männer von einem Anwalt verteidigt wurden. Dies geht aus dem Artikel leider nicht hervor.


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08.07.2019

Egal welchem Kulturkreis diese Kerle angehören, Fakt ist doch, dass sie aus Jux und Tollerei dieses Tier gequält haben und dann auch noch "gefilmt" haben, was ja heutzutage wichtig zur und für die Information der Nachwelt ist um Gleichgesinnte zu animieren.(edit/mod)

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07.07.2019

Lassen Sie mich hier bitte einige Punkte anmerken, die dem aufmerksamen Leser ins Auge stechen.

Am Königsplatz in Augsburg hat man seit Jahren mit den Krähenkolonien zu tun, es wäre mir neu, dass sich nun dort auch Raben angesiedelt haben. Würde man es genau nehmen, müsste man dann schon "Rabenvogel" schreiben.

Des weiteren kritisiere ich sehr stark die völlig unnötige Ergänzung im Text, die mutmaßlichen Täter gehören "einem anderen Kulturkreis" an..
Ich verweise in dem Zusammenhang auf den Pressekodex 12.1 :

"In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

Nun frage ich mich als Leser, was mit der völlig unnötigen Nennung der Herkunft impliziert werden soll?

Sind alle Menschen aus anderen Kulturkreisen generell Tierquäler? (stimmt nicht)
Sind alle Menschen aus "unserem Kulturkreis" keine Tierquäler? (stimmt nicht)


Außerdem stellt sich mir die Frage, wie denn im Prozess die Beweise erbracht wurden, dass der Vorgang tatsächlich so stattgefunden hat, wie es die Zeugen angaben. So wie der Artikel zu verstehen ist, hat niemand gesehen, dass die Beschuldigten dem Vogel tatsächlich das Bein brachen. Die Zeugen gaben an, einen "Knacks" gehört zu haben. Wie nahe befanden sie sich, dass sie dieses Knackgeräusch hören konnten? Meines Erachtens fehlt doch völlig der Beweis, dass die Tat tatsächlich so stattfand, wie von den Zeugen behauptet. Das vermeintliche Opfer war nicht mehr auffindbar. Die Täter leugnen die Tat und geben an, das Tier bereits verletzt aufgefunden zu haben. Laut Bericht wurden Fotos gemacht. War darauf konkret zu sehen, dass das Bein mutwillig gebrochen wurde? Das geht leider aus dem Bericht nicht hervor.

Ich möchte betonen, dass ich jede Art von Tierquälerei aufs Schärfste verurteile, jedoch tut in diesem Fall eine sachliche Betrachtung der tatsächlichen Vorgänge not. Dieser Artikel schürt meiner Ansicht nach Ressentiments gegen eine bestimmte Volksgruppe und einen "Kulturkreis". Ich bin mit einer solchen voreingenommenen Berichterstattung in meiner Tageszeitung nicht einverstanden.


Dass die Tiere am Königsplatz und generell kein leichtes Leben bei uns haben, steht außer Frage.
Krähen werden gejagt und niemand möchte diese wunderbaren Tiere haben. Und oftmals werden die Tiere auch leider mutwillig gequält und das völlig unabhängig vom "Kulturkreis" der Quäler.
https://www.tz.de/muenchen/region/suche-nach-kraehen-quaelern-1000-euro-belohnung-9916457.html
https://www.tag24.de/nachrichten/leipzig-kraehen-raben-killer-moerder-tierquaeler-nabu-naturschutzbund-sachsen-tot-toeten-467574
https://www.rabenforum.de/threads/hilferuf-aus-augsburg.4348/

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08.07.2019

Wenn es vor Gericht erforderlich ist, wird die Thematik des Kulturkreises sicherlich auch von den Verteidigern der Angeklagten als strafmilderndes Argument vorgebracht werden. Wieso sollte also die Zeitung ein Geheimnis daraus machen?
Man tut Migranten keinen Gefallen, wenn man so tut, also wären sie keine. Geheimniskrämerei schürt nur Vorbehalte bei der einheimischen Bevölkerung.

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05.07.2019

(edit/mod)

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