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Augsburg

30.12.2020

Trotz Corona: Warum für diese Augsburger 2020 schön war

Inge Sommerreisser mit dem kleinen Welpen Max.
Bild: Cindy Sommerreisser

Plus Das Corona-Jahr stellte viele Menschen in Augsburg vor Herausforderungen. Dennoch gab es Lichtblicke, darunter ein lang ersehntes Wiedersehen.

Als Shakhnoza Sotimova ihre Tochter das letzte Mal sah, war Samira neun Monate alt. "Sie konnte noch nicht laufen und kaum sprechen", erinnert sich die 28-jährige. Zwei Jahre konnte die Usbekin, die in Augsburg studiert, weder ihre Tochter noch ihren Mann in die Arme schließen. Komplikationen mit Behörden hatten verhindert, dass Sotimovas Mann mit dem gemeinsamen Kind nicht nach Deutschland nachkommen konnte. Zwei Jahre musste sie ohne ihre Liebsten auskommen. Umso glücklicher war die Studentin, als eines Novembertages plötzlich ihr Mann und Samira vor ihr standen. Für Sotimova war deshalb dieses Jahr, das von der Corona-Pandemie geprägt war, glücklich. Wie auch für drei weitere Augsburger Paare. Sie alle haben ein besonderes Erlebnis hinter sich, das sie dankbar auf 2020 zurückblicken lässt.

Das große Glück von Cécile und Stefan Sauer ist noch sehr klein und heißt Marlena. Cécile Sauer, die als Mode- und Lifestyle-Bloggerin "Flipper Theodora" bekannt ist, hat mit ihrem Mann ihr erstes Kind bekommen. Marlena kam im September auf die Welt. Natürlich sei die Schwangerschaftszeit und auch die Zeit nach der Geburt durch Corona geprägt gewesen, erzählt Cécile Sauer. "Wir schränkten unsere Kontakte ein. Schade war, dass mein Mann bei den Vorsorgeuntersuchungen nicht dabei sein konnte." Doch das Paar hatte auch Glück. "Im September, als Marlena auf die Welt kam, war die Corona-Situation etwas lockerer. Mein Mann durfte sogar bei mir in der Klinik übernachten", erzählt die 33-Jährige. "Wir hatten ein gutes Zeitfenster erwischt."

Cécile und Stefan Sauer freuen sich über die Geburt ihrer Tochter Marlena in diesem Jahr.
Bild: Sauer

Auch jetzt seien sie mit ihrem Baby wegen Corona vorsichtig. Wer einen Blick auf Marlena werfen will, dürfe dies bei einem Spaziergang an frischer Luft tun. "Klar wären andere Zeiten schöner gewesen. Aber es ist gut, wie es ist. Ich bin glücklich." Wenn Cécile Sauer von anderen höre, dieses Jahr sei kein gutes gewesen, kann sie das für sich verneinen. "Für uns war es ein besonders schönes Jahr."

Hochzeitsfeier wurde kurzfristig in den Garten verlegt

Dieses Fazit ziehen auch Laura und Alexander Heil. Schließlich haben sich die 26- und der 28-Jährige in diesem Sommer das Ja-Wort gegeben. Schon seit ihrer Kindheit hatte die junge Frau von einer großen Hochzeit geträumt. Am 8. August sollte es mit der standesamtlichen Trauung soweit sein. Die Feierlichkeit war lange durchgeplant. Das Restaurant war ausgesucht, der Blumenschmuck ausgewählt, die Tischdekoration gebastelt. "Im März waren wir mit den Vorbereitungen schon fertig. Und dann kam der erste Lockdown", erinnert sich die Stationsleiterin eines Königsbrunner Pflegeheims. Corona warf alle Planungen über den Haufen. Und dann sagte auch noch das Restaurant ab.

Nach vielen Widrigkeiten wegen Corona konnten Laura und Alexander Heil doch noch heiraten - in einem Zelt in ihrem Garten.
Bild: Heil

Beide überlegten, zu verschieben. "Aber wir hatten schon die Ringe und extra Urlaub genommen." Nach einer Beratschlagung in der Familie fasste Alexander Heil den Entschluss: "Dann feiern wir halt in unserem Garten." Wie der Anwalt verrät, musste er bei seiner künftigen Frau erst noch Überzeugungsarbeit leisten. Wenige Tage vor der Hochzeit kaufte das Paar ein weißes Zelt, stellte es im Garten auf, schaffte Biertische und -bänke heran, schmückte alles mit weißen Tischdecken, Auflagen und der Deko.

Die Heils fanden eine Metzgerei, die ihnen das Essen zubereitete. Aus der Improvisation, die im Vorfeld auch ein paar Tränen kostete, wurde für das Brautpaar ein unvergesslicher Tag, das sagen beide aus vollem Herzen. Noch ist die Aufregung nicht vorbei. Im nächsten Jahr soll kirchlich geheiratet werden - mit 160 Gästen. Doch es scheint, als ob die Heils nun nichts mehr erschüttern kann. "Wir lassen es auf uns zukommen. Sich jetzt schon Gedanken machen, bringt nichts. Das kostet nur Nerven."

Welpen lenkten Augsburgerin von Corona ab

Der erste Lockdown ging an Inge Sommerreisser fast unbemerkt vorbei. So beschäftigt und fasziniert war die 51-Jährige von den vier Welpen. Die Berner Sennenhunde ihres Lebensgefährten hatten in diesem Jahr Nachwuchs bekommen: Max, Lotta, Frieda und Wilma. Zwölf Wochen lang wuselten bei Sommerreisser die kleinen Fellknäuel herum. "Ich habe mich oft mit einem Kaffee in den Garten gesetzt und stundenlang einfach nur die Hunde beobachtet. Da brauchte ich kein Handy und nichts." Für die Tierliebhaberin waren die Welpen der Höhepunkt 2020. Nach drei Monaten wurden die drei Hündinnen abgegeben.

Hund Balu mit seinem Nachwuchs.
Bild: Sommerreisser

Die Augsburgerin behielt den kleinen Max. "Das Schöne ist, dass sich mit allen neuen Hundebesitzern eine super Freundschaft entwickelt hat", erzählt Sommerreisser. Sie weiß die Tiere in guten Händen. Eine Familie habe einen autistischen Sohn. "Sie schicken mir oft Bilder von ihrem Kind mit dem Hund. Es ist schön zu sehen, wie gut das Tier dem Jungen tut." Glück lässt sich nicht messen. Aber wenn es ginge, würde das Glückspendel bei Shakhnoza Sotimova weit über die Grenze hinweg ausschlagen.

Augsburger unterstützten die Studentin aus Usbekistan

Als die Studentin am 19. November in ihre Wohnung zurückkehrte, standen da ihr Mann und ihre fast drei Jahre alte Tochter. Eine Nachbarin, die einen Zweitschlüssel hat, hatte sie hineingelassen. Wie geschildert, war die Familie seit rund zwei Jahren getrennt. Wegen bürokratischer Hürden durften Mann und Tochter lange Zeit nicht nach Deutschland kommen. Unterstützer aus Augsburg kämpften für die Usbekin, die an der Universität Deutsch als Fremdsprache und Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation sowie Schulpädagogik studiert. Allen voran setzte sich die evangelische Studentenpfarrerin Tabea Baader für die Familie ein.

Nach rund zwei Jahren konnte Shakhnoza Sotimova nicht nur ihren Mann, sondern auch Töchterchen Samira wieder in die Arme schließen.
Bild: Sotimova


Sotimova will in ihrer Heimat Usbekistan ein deutsches Sprach- und Kulturzentrum aufbauen. Sie fühlt sich Deutschland eng verbunden. Als Kind lernte sie erste deutsche Wörter und bekam Märchen der Gebrüder Grimm erzählt. Endlich kann sie nun ihrem Kind selbst die Geschichten vorlesen. Anfangs habe sie große Angst gehabt, gesteht die 28-Jährige, dass ihre Tochter nicht Mama zu ihr sagen werde. "Sie kannte mich zuletzt ja nur aus dem Handy." Am zweiten Tag war es soweit. Als sie ihr Kind umarmt und geküsst habe, habe die kleine Samira gefragt: "Hast du Spielzeug, Mama?" Für die Sotimovas schließt das Jahr 2020 mit einem glücklichen Ende.

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