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Demo

08.09.2016

Türkei-Demo in Augsburg: Pädagoge mahnt zur Mäßigung

Die Demonstration zahlreicher Türken auf dem Rathausplatz vor wenigen Wochen sorgte bei vielen Augsburgern für Unverständnis.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Demo gegen den Putschversuch in der Türkei hat vor Kurzem für Unverständnis in Augsburg gesorgt. Der Pädagoge Mustafa Ayanoglu setzt auf mehr Vernunft.

In einem Interview mit unserer Zeitung nannte Oberbürgermeister Kurt Gribl die Demonstration zumindest zum Teil „übergriffig“ und die „Tonalität befremdlich“. Augsburg bemühe sich um eine „bestmögliche Integration der Integrationswilligen“, müsse für die dritte und vierte Generation der türkischstämmigen Bürger jetzt jedoch die „Integrationsbemühungen und -erwartungen neu justieren“. Herr Ayanoglu, verstehen Sie, warum nichttürkische Augsburger sich über rote Fahnen, nationalistische Parolen auf dem Rathausplatz aufregen?

Mustafa Ayanoglu: Einige Jugendliche haben die Öffentlichkeit mit der türkischen Fahne auf dem Perlachturm provoziert. Sie wollten Anerkennung von Gleichaltrigen und Aufmerksamkeit. Dass auch die Allahu-ekber-Rufe (Allah ist groß; d. Red.) für Empörung sorgen – vor allem vor dem Hintergrund der Attentate von Ansbach und Würzburg – ist klar. Wenn Deutschtürken so für ihre Anliegen werben, dürfen sie sich nicht wundern, wenn das Verständnis ausbleibt.

Also ist die öffentlich geäußerte Kritik des Oberbürgermeisters berechtigt?

Ayanoglu: Ich wünsche mir in solchen Debatten mehr Sprachsensibilität, aber auch mehr Selbstreflexion. Es ist doch so: Jugendliche mit türkischer Herkunft und Muttersprache haben in Deutschland ein Imageproblem. Sie erleben reale Diskriminierung – auf der Straße, in der Schule, am Arbeitsmarkt. Sie fühlen sich mit ihrer türkischen Familiengeschichte und Identität abgelehnt, abgewertet und reagieren mit Protest und verstärktem türkischem Nationalismus. Forderungen, Kundgebungen auf Deutsch abzuhalten, verstärken den Eindruck der Jugendlichen, dass das eigentliche Problem ihre Herkunft sei.

Und Erdogan? Wie passt er in diese Gemütslage?

Ayanoglu: Er verkörpert den starken Türken, gibt jungen Deutschtürken jene Anerkennung, nach der Jugendliche ja in irgendeiner Form immer suchen. Können sie in der Mitte der Augsburger Gesellschaft, als deren Teil sie sich ja sehen, nicht teilhaben, wenden sie sich den Rändern zu. Bei der Identifikation mit Erdogan spielt auch die Religiosität eine Rolle. So lange der Islam in Deutschland öffentlich weitgehend negativ diskutiert wird, so lange werden sich türkische Jugendliche in Augsburg auch in religiöser Hinsicht von den positiven Signalen beeinflussen lassen, die von der AKP ausgehen.

Was kann man in Augsburg gegen die Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen tun?

Ayanoglu: Die Risse sind ja nicht neu. Alle Seiten müssen lernen. Man sollte anerkennen, dass Menschen hier sich auch Frankreich, Polen oder eben der Türkei zugehörig fühlen. Dabei sind auch die Schulen wichtig. Die Migrationsgeschichte in Deutschland wird bis heute als Abfolge von Problemen und Konflikten erzählt. Dabei ließe sie sich auch als Erfolgsgeschichte der hunderttausenden Familien und Gesellschaft selbst schreiben. So würden Identifikation und Zugehörigkeit gefördert. Türkische Vereine wiederum müssen sich fragen lassen, ob sie sensibilisiert sind für radikal nationalistische, antidemokratische Ideologien. Hier muss man auf die Vernunft setzen. Hier den Kopf in den Sand zu stecken, befördert Konflikte, statt sie zu befrieden.

Zur Person: Mustafa Ayanoglu (27) hat islamische Theologie in Deutschland studiert und wohnt seit Kurzem in Augsburg. Er ist türkischstämmig und in der politischen Bildung tätig. Er arbeitet bei ufuq.de, der bayerischen Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung.

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.09.2016

Warum nur, fühlen sich nur die Türken als ausgegrenzt`! Die Türken sind doch nicht die einzigen Gastarbeiter in Deutschland. Spanier, Portugiesen, Italiener, Griechen u.v.m. waren schon in der 1. Generation integriert, warum die Türken in der 4. Generation noch nicht. Es liegt doch wohl an ihnen und nicht an der deutschen Bevölkerung. Die Türken wollen ihre Türkei in Deutschland haben, aber die Wohlfahrt und Freiheit von Deutschland geniesen.

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08.09.2016

(edit/ Nub. 7.2)

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