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Augsburg

12.11.2017

Vermeintliche Einbrecher auf der Flucht

Zwei Männer versuchen, die Wohnungstüre einer Frau aufzusperren. Als diese öffnet, laufen sie weg. Die Polizei fasst sie. Doch es ist anders, als es scheint.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Zwei Männer versuchen, die Wohnungstüre einer Frau aufzusperren. Als diese öffnet, laufen sie weg. Die Polizei fasst sie. Doch es ist anders, als es scheint.

Die Polizei zauderte nicht lange. In den Tagen zuvor hatte es mehrere Einbrüche im Raum Königsbrunn gegeben. Als am Samstagnachmittag eine Frau der Einsatzzentrale meldete, zwei Männer hätten versucht, mit einem Schlüssel ihre Wohnungstüre zu öffnen und seien davongelaufen, als sie öffnete, umstellten 50 Beamte innerhalb weniger Minuten eine Wohnanlage an der Donauwörther Straße in Königsbrunn.

Treppenhäuser und Tiefgarage wurden abgeriegelt, alles durchsucht und Hausbewohner befragt. Tatsächlich fanden sich die beiden Männer. Sie hatten einen Schlüssel der Wohnanlage bei sich, einer hatte in einer Tasche 670 Euro Bargeld. Die beiden entsprächen von der Herkunft dem Profil, das verdächtige Personen sehr oft haben, sagte ein beteiligter Polizist später. Denn aufgrund der Einbruchsserie zuvor ist organisierte Kriminalität nicht auszuschließen. Hinzu kommt: Vor dem Eintreffen der Polizei waren einige verzweifelte Schreie durchs Haus gehallt.

Es begann mit einem Rohrbruch

Doch eine alte Polizeierfahrung sagt: Traue nicht dem ersten Eindruck. Als alle Hausbewohner befragt waren, ergab sich eine ganz andere Geschichte. Diese beginnt mit einem Wasserrohrbruch in einer Wohnung der oberen Etagen.

Dem verzweifelten Bewohner kommt ein Bekannter zu Hilfe. Als dieser an einem defekten Heizkörper zugreift, spritzt ihm heißes Wasser ins Gesicht. Er schreit auf und rennt hinunter in den Keller, um den Haupthahn zuzudrehen. Im Treppenhaus stößt er auf einen weiteren Bekannten, der zur Hilfe eilt. Nachdem sie den richtigen Hahn gefunden und zugedreht haben, laufen die beiden die Treppen wieder hinauf, irren sich im Stockwerk und versuchen, die falsche Wohnungstüre zu öffnen.

Eine Frau macht auf, sie bemerken ihren Irrtum und laufen weiter zur richtigen Wohnung, um den Wasserschaden zu begrenzen. Kurz darauf ist die Polizei zur Stelle. Immer mehr Streifenwagen aus dem nahen und weiteren Umkreis treffen ein. Die Einsatzkräfte durchkämmen Tiefgarage, Keller und Wohnetagen. Bald stoßen Beamte auf eine offene Wohnung weiter oben und stellen dort die Männer zur Rede. Bei einem finden sie 670 Euro Bargeld.

Der Fall klärt sich

Noch wissen die Beamten nichts von dem Missgeschick mit dem Wasserrohrbruch. Doch bald klärt sich der Fall. Das Geld gehört tatsächlich einem der Helfer. Er hatte zuvor ein Auto verkauft, als ihn der Notruf eines Freundes erreichte. Nirgends im Haus fehlt Geld, kein Bewohner kann einen Einbruch feststellen.

„Wir haben alles, was wir schnell zur Verfügung hatten, in den Einsatz geworfen. Das Ganze hat vom Alarm bis zur Aufklärung des Falls gerade eine halbe Stunde gedauert“, stellte danach ein Polizeisprecher fest.

Was dazwischen geschah, sei aber tatsächlich Stoff für eine Kriminalkomödie – wären nur die tatsächlichen Einbrüche kein solch ernstes Thema.

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