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27.05.2015

Widerstand gegen die Theater-Sanierung

Stadttheater Außenansicht Spielstätte, Theater Augsburg muss saniert werden Stadttheater, Außen Gebäude Großes Haus Fassade Architektur, Kennedy Platz,
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Stadttheater Außenansicht Spielstätte, Theater Augsburg muss saniert werden Stadttheater, Außen Gebäude Großes Haus Fassade Architektur, Kennedy Platz,

Hintergrund Über 50 Kulturschaffende fordern einen Stopp der aktuellen Planung. Sie halten die Ausgaben für Augsburgs größte Kultureinrichtung für überzogen. Auch andere Sorgen gibt es. Wie es nun weitergehen kann

Gegen die millionenschwere Sanierung des Theaters Augsburg regt sich Widerstand: 53 Künstler, Schriftsteller, Architekten, Kulturschaffende und Stadträte fordern in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl, das Projekt vorerst zu stoppen. Ihre Begründung: Die Bürger seien in die Planung nicht eingebunden gewesen, ein „offener kulturpolitischer Diskurs“ habe nie stattgefunden. „Das dem Stadtrat vorgestellte Sanierungskonzept präsentiert eine Theaterfestung und droht der kulturellen Entwicklung der Stadt den Atem zu nehmen“, heißt es unter anderem in dem eine Seite langen Schreiben.

Öffentlich wurde der Brief ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem Stadt und Freistaat sich offenbar über die Finanzierung einig geworden sind. Nach AZ-Informationen will München die Stadt Augsburg mit Mitteln des Finanzausgleichs im Bildungs- und Kulturbereich entlasten. Das Geld, das dadurch frei würde, könnte ins Theater gesteckt werden. Allerdings soll die Sanierung von 235 auf 185 Millionen Euro abgespeckt werden.

Die hohen Kosten scheinen ein Grund für die Unruhe unter den Kulturschaffenden zu sein. Sie sind zwar nicht grundsätzlich gegen die Sanierung der größten Augsburger Kultureinrichtung. „Wir haben aber Angst vor einem finanziellen Debakel“, sagt Kurt Idrizovic, einer der Initiatoren. Die Unterzeichner des offenen Briefs fürchten zudem, dass eigene Projekte unter den Tisch fallen könnten. Sie fordern darum einen Theater-Finanzierungsplan, „der nicht auf Kosten der vielfältigen kommunalen und freien Kultureinrichtungen geht“.

Was sie ebenfalls fordern, ist eine Diskussion darüber, welches Theater Augsburg künftig braucht: Sollten Migranten besser eingebunden werden? Könnte das Theater in die Stadtteile gehen? Ist der Kennedyplatz der richtige Standort? In der bisherigen Planung spielten diese Fragen keine Rolle. „Vielleicht ist das tatsächlich alles etwas zu schnell gegangen“, sagt Idrizovic.

Wie sich der offene Brief auf die laufenden Verhandlungen mit dem Freistaat auswirkt, kann derzeit niemand sagen. Förderlich, heißt es aus Kreisen der Stadtverwaltung, sei die Diskussion sicherlich nicht. Kurt Idrizovic und seine Mitstreiter wollen für etwaige Dissonanzen mit München aber keine Verantwortung übernehmen: „Wir stehen zu unserem Theater. Aber wenn man Sorgen hat, muss man sie auch äußern dürfen.“

Für Oberbürgermeister Kurt Gribl kam der offene Brief gestern nicht überraschend. „Die Debatte hatte sich in den letzten Tagen abgezeichnet“, sagt er. Er möchte den Unterzeichner baldmöglichst die Gelegenheit zum Gespräch geben und herausfinden, „was das eigentliche Ziel dieses Schreibens ist“. Parallel dazu werde er weiter Gespräche mit den Verantwortlichen in München führen.

Könnte der Stadt in Sachen Theater bald der nächste Bürgerentscheid „drohen“? Kurt Idrizovic, der einst maßgeblich am Bürgerbegehren für den Neubau der Stadtbücherei beteiligt war, möchte dies im Moment ausschließen. „In den Gesprächen, die letztlich zum offenen Brief geführt haben, war das nie ein Thema“, sagt er. Er hofft aber, dass die Stadtregierung den Ball aufnimmt und die Sanierung des Theaters noch einmal neu überdenkt.

Der Zeitplan, glaubt Idrizovic, würde dadurch nicht allzu sehr durcheinandergebracht: „Man hat die Sanierung von Sommer 2016 erst auf Ende 2016 und dann auf Anfang 2017 geschoben. Da ist sicherlich noch ein bisschen mehr Luft drin“, glaubt er.

Das ist der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, nach intensiven Diskussionen haben wir uns entschlossen, Ihnen unsere Überzeugungen im Hinblick auf die Theatersanierung in Form eines offenen Briefes mitzuteilen. Das dem Stadtrat vorgestellte Theatersanierungskonzept ohne Bürgerbeteiligung und ohne offenen kulturpolitischen Diskurs übersteigt deutlich die finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Bis heute liegt kein Entwicklungskonzept für ein Theater der Zukunft vor. Die aktuelle Planung zementiert lediglich den bisherigen Status quo des Stadttheaters – ohne Bezug auf die veränderten Realitäten unserer Gesellschaft zu nehmen. Das dem Stadtrat vorgestellte Theatersanierungskonzept präsentiert eine Theaterfestung und droht der kulturellen Entwicklung der Stadt den Atem zu nehmen.

Das dem Stadtrat vorgestellte Theatersanierungskonzept wurde ohne Beachtung städteplanerischer Gestaltung für die Innenstadt und das betroffene Wohnquartier erstellt. Ein offener Diskurs zur Standortfrage fand und findet nicht statt. Die von der Stadtregierung ins Auge gefasste Reduzierung der Sanierungskosten über Auslagerungen bestimmter Abteilungen des Theaters geht an einer modernen Theaterkonzeption vorbei. Deshalb fordern wir einen Diskurs zur Zukunft des Theaters. Das Ergebnis wird im von der Stadtregierung bereits angekündigten Kulturentwicklungsplan dokumentiert und festgeschrieben.

Anhand dieser Festlegung im Kulturentwicklungsplan kann die Frage nach der Intendanz gestellt werden. Dazu bedarf es eines Moratoriums, eines Stopps der aktuellen Planung mit einem klar definierten Zeitfenster für weitere Entscheidungen auf Basis des Bürger- und Expertendiskurses. Für die weitere Planung und Umsetzung fordern wir eine nachvollziehbare politische Verantwortlichkeit sowie eine aktiv von der Stadtpolitik initiierte Bürgerbeteiligung. Dazu gehört sowohl ein transparenter Planungsprozess als auch ein Finanzierungsplan, der nicht auf Kosten der vielfältigen kommunalen und freien Kultureinrichtungen geht.

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