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Augsburg

16.02.2016

Wie Augsburger für günstige Wohnungen sorgen wollen

Ein Verein will günstige Wohnungen in Augsburg schaffen.
Foto: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Der Verein „Unser Haus“ will Gebäude kaufen, sanieren und dann selbst bezahlbare Mieten festlegen. In München gibt es schon ein Vorbild.

Es klingt zu schön um wahr sein: nie wieder eine Mieterhöhung. Doch genau das ist die Idee des Vereins „Unser Haus“, den einige Augsburger ins Leben gerufen haben. Den harten Kern bilden etwa 20 Personen. „Wir wollen mit Gleichgesinnten dauerhaft günstigen Wohnraum sichern. Der wird immer knapper“, erklärt Simon, einer der Initiatoren. Ihr Ansatz: Sie erwerben gemeinsam eine Immobilie, werden damit aber nicht zum Besitzer des Hauses.

Das gehört dann zwei Gesellschaftern: ihrem Verein und dem Mietshäuser Syndikat. Dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss von mehr als 100 solcher Wohnprojekte in Deutschland mit über 2300 Bewohnern. Das Syndikat mischt sich in die Angelegenheiten von „Unser Haus“ nur ein, wenn grundlegende Fragen wie ein möglicher Verkauf des Hauses im Raum stehen. Soll die Immobilie wiederverkauft werden, müssen beide Gesellschafter zustimmen.

Günstiger als im Mietspiegel

Dass sich dabei richtig viel Geld sparen lässt, zeigten die Mitglieder des Projektes „Ligsalz8“, dass es seit 2007 im Münchner Westend gibt. Zwei Bewohner stellten sich in der Ballonfabrik den Fragen der Augsburger. „Wir haben für uns festgelegt, dass jeder 7,75 Euro Kaltmiete zahlt. Laut Mietspiegel sind in unserem Viertel im Schnitt 11,40 Euro fällig. Wenn man sich aber Inserate ansieht, reden wir über mindestens 15 Euro für den Quadratmeter“, sagt Bewohnerin Sabine. Für 840000 Euro haben sie ein Gebäude mit über 400 Quadratmetern Wohnfläche erworben, in dem sie zu zwölft leben. In Augsburg ist angedacht, dass 15 Personen einziehen.

Wer nur Geld sparen will, ist bei den Projekten des Mietshäuser Syndikats aber falsch. „Wir verstehen uns als bunte Solidargemeinschaft, die Entscheidungen einstimmig trifft, auch wenn die Diskussionen deswegen vielleicht länger dauern“, sagt die Augsburgerin Kathi.

Zentrum oder Stadtteil?

Lange dauern kann es auch, bis ein solches Projekt realisiert wird. Bei den Münchnern lagen zwischen den ersten Treffen und dem Einzug sechs Jahre. Die größte Herausforderung sei nicht das Kapital, sondern eine geeignete Immobilie zu finden und deren Zustand richtig einzuschätzen, sagt York, der ebenfalls in München lebt. „Die größte Gefahr ist aus meiner Sicht, dass die Beteiligten das Thema Eigenleistungen zu euphorisch bewerten und sich übernehmen.“ Das soll den Augsburgern nicht passieren. „Unter uns und im Freundeskreis gibt es Handwerker. Wir werden aber so kalkulieren, als ob wir alle Arbeiten vergeben. Wird es dann billiger, senken wir lieber die Miete oder investieren es an anderer Stelle“, so Steffi. In den vergangenen Wochen sind sie und ihre Mitstreiter durch Augsburg gezogen, um leer stehende Häuser zu finden und die Eigentümer zu kontaktieren. „Es gibt sehr viel Leerstand und wir sind flexibel“, äußert Steffi. So sei auch denkbar, das Projekt in Inningen oder Haunstetten zu realisieren, es müsse nicht zwingend in der Innenstadt sein, sagt sie. Auswirkungen habe der Standort allerdings darauf, was realisiert wird. „Es gibt Überlegungen, auch einen kleinen Laden oder eine Kneipe zu eröffnen, das ist aber natürlich nicht an jedem Standort sinnvoll“, sagt sie.

Ein erstes Objekt haben sie ins Auge gefasst. Das Haus entspreche den Vorstellungen und der Eigentümer sei bereit, an sie zu verkaufen, so Steffi. Eine Million Euro soll es inklusive Sanierung etwa kosten. „Wir haben es mit einem Architekten besichtigt, der uns eine Kostenschätzung anfertigt“, so Steffi. Passt die Schätzung, sollen Gespräche mit Banken folgen und der Traum vom dauerhaft günstigen Wohnen könnte bald Realität werden.

www.syndikat.org www.unserhausev.wordpress.com

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

16.02.2016

Ein sozialistisches Wohnprojekt und kein Ansatz für günstige Mieten!

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https://unserhausev.wordpress.com/ziele/

Unser Ziel dabei ist es, den steigenden Mieten und Immobilienspekulationen in Augsburg entgegenzutreten, indem wir dem Immobilienmarkt bewusst ein Haus entziehen und entprivatisieren.

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Das Haus wird gekauft, Menschen ziehen ein und zahlen Miete. Absurd hier von dem Immobilienmarkt "entziehen" zu sprechen. Das gleiche macht jeder 0815 Eigennutzer auch, er kauft und entzieht es dem Immobilienmarkt.

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https://unserhausev.wordpress.com/

Wir haben ein Haus im Auge und fokussieren uns gerade darauf unser ‘Eigenkapital‘ zu sammeln. Dieses besteht aus Direktkrediten (sogenannten Nachrangdarlehen), die uns private Personen leihen und so unser Projekt ermöglichen.

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Das klingt ja spannend; also so Darlehen die im Insolvenzfall erst nach allen anderen Forderungen bezahlt werden?

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Überhaupt scheint die Sache was für Leute mit Lust auf Gesellschafts- und Vertragsrecht zu sein:

https://unserhausev.wordpress.com/mietshaussyndikat/

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Am Ende bleibt ein Selbstbetrug? Die ersparte Miete wird durch Eigenleistungen, rechtliche Unsicherheiten, völlige Unflexibilität und sehr lange Entscheidungs- und Realisationszeiträume relativiert. Die Objekte scheinen meist alte Burgen zu sein, die tlw. noch mehr Baustelle sind.

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Am Ende wird jedes Bauwerk durch Alterung dem Markt wieder sukzessive entzogen. Die Idee des Solidaritätsbeitrags wird vsl. erheblich durch nötige Renovierungen geschmälert.

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https://www.syndikat.org/de/unternehmensverbund/

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Aber immerhin ist eine gewisse Selbsterkenntnis nicht zu leugnen, auch wenn Tilgung sicher kein Kostenfaktor ist...

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Fatalerweise geht der starke Wunsch der Initiative nach einem selbstorganisierten Hausprojekt so gut wie immer einher mit einer äußerst schwachen Kapitalausstattung der Mitglieder. In Anbetracht der erforderlichen Mittel hat sie allenfalls symbolischen Charakter. Denn für den Erwerb der Immobilie muss der Hausverein Hunderttausende von Euros leihen: Mit Krediten von der Bank und/oder direkt von Menschen, die das Projekt unterstützenswert finden und dort ihre Ersparnisse parken („Direktkredite“; darauf wird noch eingegangen). Das ist keine einfache Aufgabe, denn Kredite kosten laufend Geld, nämlich Zinsen und Tilgung.

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