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Augsburg

08.04.2020

Wie Augsburgs große Vermieter mit der Corona-Krise umgehen

In Augsburg müssen sich Mieter und Vermieter in der Corona-Krise arrangieren. Die großen Vermieter haben dafür Lösungen gefunden.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Mieter, die wegen des Coronavirus in finanzielle Nöte kommen, sind speziell geschützt. Dass sie zur Zeit auf der Straße landen, ist in Augsburg ohnehin unwahrscheinlich.

Es gibt dieser Tage manchmal in Augsburg bittere Enttäuschungen für Mieter. So soll es in der Stadt schon vorgekommen sein, dass Menschen frühzeitig das Gespräch mit ihren privaten Vermietern gesucht haben. Mieter, die ahnten, dass sie die monatliche Rate bald nicht mehr aufbringen können, da sie wegen der Corona-Krise zur Zeit nicht arbeiten dürfen. Und wenig später eine Wohnungskündigung im Briefkasten hatten, zum Beispiel wegen angeblichen Eigenbedarfs.

Einzelfälle, sicherlich. Gerade die großen Augsburger Vermieter bemühen sich derzeit um sozialverträgliche Lösungen. Gut möglich aber, dass die negativen Einzelfälle in einigen Monaten auch das Amtsgericht beschäftigen werden. Aktuell allerdings werden dort kaum Räumungsklagen verhandelt. Ohnehin ändert die Corona-Krise in Augsburg manches an dem Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern.

Die Entscheidung des Bundestages, Mieter in Corona-Zeiten besser zu schützen, hat deutliche Auswirkungen. Mieter stehen unter besonderem Kündigungsschutz. Wenn sie zwischen dem 1. April und dem 30. Juni ihre Miete wegen der Corona-Krise nicht oder nur teilweise zahlen können, darf das kein Grund für eine Kündigung sein. Den Mietern bleibt dann bis Ende Juni 2022 Zeit, die fehlenden Beträge zu zahlen. Eine besondere Situation, auch für viele Vermieter.

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Corona-Krise in Augsburg: Neue Situation für Mieter und Vermieter

Wie berichtet, haben sich beim größten Augsburger Vermieter, der städtischen Wohnbaugruppe (WBG), bereits einige Mieter gemeldet, die coronabedingt Gehaltseinbußen hinnehmen müssen und um Mietstundung oder Ratenzahlungsvereinbarungen bitten. Etwa 10.000 Wohnungen hat die WBG in Augsburg. Vor dem 1. April habe es entsprechende Anfragen im "niedrigen zweistelligen Bereich" gegeben.

Man gehe davon aus, dass aufgrund der Coronakrise Mietzahlungen zum Teil verzögert und in Einzelfällen nicht in voller Höhe bei uns eintreffen werden. "Für unseren Geschäftsbetrieb erwarten wir dadurch jedoch keine schwerwiegenden Auswirkungen", heißt es vom städtischen Tochterunternehmen. "Da bei uns ein wesentlicher Teil der Mieten von staatlicher Stelle kommt, trifft uns die aktuelle Situation in dieser Hinsicht nur abgeschwächt." Als sozialverpflichtetes, kommunales Wohnungsunternehmen stehe man dafür, mit Mietern gemeinsam einen Weg zu finden, wenn diese Schwierigkeiten haben, die Miete zu zahlen.

Auch andere große Vermieter in Augsburg stellen sich darauf ein, dass es in den kommenden Monaten zu Zahlungsausfällen kommt. Eine Sprecherin des Wohnungsriesen Vonovia SE teilt etwa mit, man gehe davon aus, dass unter den Mietern "leider viele Menschen aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten kommen".

Vonovia ist das größte Wohnungsunternehmen Deutschlands und hat auch in Augsburg etwa 2000 Wohnungen. Man rechne mit Ausfällen bei rund 20.000 Mietern deutschlandweit, sagt die Sprecherin. "Dafür stellen wir 40 Millionen Euro als Fonds bereit, kalkuliert zunächst für die nächsten drei Monate." Bis auf weiteres führe man keine Räumungen und Kündigungen durch und werde sowohl bei Privatpersonen als auch bei Gewerbe mindestens bis Ende August auf Mieterhöhungen nach einer Modernisierung verzichten.

Auch weitere große Wohnungsfirmen in Augsburg haben sich Lösungen für die Thematik überlegt, etwa das St. Ulrichswerk. Das Wohnbauunternehmen des Augsburger Bistums vermietet in Augsburg rund 1450 Wohnungen. Bereits vor dem 1. April gab es dort coronabedingte Zahlungsausfälle durch Mieter. Man verlängere in solchen Fällen das Zahlungsziel und verlange keine Verzugszinsen, heißt es auf Anfrage. Auf das wohl älteste Bauunternehmen der Stadt wirkt sich die Corona-Krise ebenfalls aus. Ein paar Mieter hätten sich bereits gemeldet, sagt Geschäftsführer Markus Deurer von der Gregor Deurer GmbH & Co. KG, die in der Stadt etwa 1000 Wohnungen hält. "Mit denen haben wir vereinbart, dass sie zumindest etwas zahlen, oder es wird gestundet." Wie hart die Krise das Unternehmen treffe, wisse man noch nicht. "Wir werden aber klar kommen."

Coronavirus in Augsburg: Niemand wird auf die Straße gesetzt

Deurer gibt zu bedenken, dass die nun gesetzlich vorgesehenen Stundungen bedeuten, dass Mieter in der Zukunft möglicherweise doppelt zahlen müssen, was viele dann womöglich sehr belaste. Er vermutet, dass es staatlicherseits noch eine finanzielle Lösung dafür geben könnte, etwa durch einen Fonds. Auch WBG-Geschäftsführer Mark Dominik Hoppe hatte zuletzt an alle Mieter appelliert, genau zu schauen, ob sie die Miete zumindest in Teilen nicht doch aufbringen können. Die Rückzahlung belaste die Haushaltskasse später doppelt zur Zahlung der laufenden Miete, sagte Hoppe.

Pragmatisch geht die mit etwa 1000 Wohnungen größte Wohnbaugenossenschaft der Stadt mit der aktuell Krise um, die Wohnungsgenossenschaft der Eisenbahner Schwaben, kurz WES. Zwei Mieter hätten sich gemeldet, da sie gerade weniger Einkommen hätten, sagt Vorstandsmitglied Hermann Strehle. "Den haben wir gesagt: Zahlt erst einmal weniger, und nach zwei Monaten reden wir noch mal." Grundsätzlich gehe man bei der WES davon aus, dass sich die Auswirkungen der Corona-Krise für die Genossenschaft in Grenzen halte. "Wir haben viele ältere Mieter, Rentner und Pensionisten", sagt Strehle. Da sei also mit keinem Verdienstausfall zu rechnen.

So hart die Zeiten für viele Menschen derzeit auch sind: Die Chance, dass Menschen während der Corona-Krise plötzlich auf der Straße stehen, sind zumindest gering. Das Bayerische Justizministerium hat die Gerichtsvollzieher angewiesen, alle Termine abzusagen und keine Außentermine mehr wahrzunehmen, die nicht eilbedürftig sind. Räumungen gelten tendenziell nicht als eilbedürftig.

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08.04.2020

Hier wird das Risiko von Zahlungsausfällen komplett auf die Vermieter abgewälzt. Heißt im Klartext: Wohnen und weder Miete noch Nebenkosten zahlen und wenns dann ans zurückzahlen der ausständigen Miete geht Privatinsolvenz anmelden. Der dumme ist dann der Vermieter. Ich sag es als Vermieter ganz ehrlich: Macht das einer meiner Mieter dann meld ich Eigenbedarf an und wohn lieber selbst in meinem Eigentum.

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