Maria Almer ist sauer, richtig wütend sogar. „Ich bin über 80 Jahre alt und habe noch den Weltkrieg erlebt“, sagt sie. Und nun müsse sie auf dem Rathausplatz in Augsburg stehen und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstrieren. Das kann die Augsburgerin nicht verstehen. Am Freitagabend ist sie zusammen mit ihrem Mann Richard zur Mahnwache des Bündnisses für Menschenrechte auf den Rathausplatz gekommen. Diese steht unter dem Motto: „Augsburg. Wir sind Friedensstadt“ und richtet sich gegen den Auftritt von Frauke Petry, der Vorsitzenden der AfD, im Augsburger Rathaus. „Ich möchte so etwas wie im Zweiten Weltkrieg nicht noch einmal erleben“, sagt Almer. Deswegen steht das Paar bei eisigen Temperaturen ganz vorne an der Absperrung, die die Polizei zwischen dem Rathausplatz und dem Rathaus aufgestellt hatte.
Über 2000 Menschen protestieren auf dem Augsburger Rathausplatz
Neben den Almers steht Familie Lein aus Oberreute im Landkreis Lindau. Sie haben ein großes Transparent mit der Aufschrift „Schämen Sie sich, Frau Petry“ dabei. „Wir sind heute extra hierhergekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen und das braune Gesocks“, sagt Marie-Luise Lein. So geht es vielen Menschen, die an diesem Abend gekommen sind. Manche von ihnen halten Plakate in der Hand, andere Kerzen. Ein paar stehen auch einfach in kleinen Gruppen zusammen und unterhalten sich. Zwischen 2000 und 3000 Menschen sind an diesem Abend da, um zu zeigen: Augsburg trägt den Titel Friedensstadt zurecht. Und die Aussage von Frauke Petry, die Vorsitzende der AfD, dass man zur Not an der Grenze auf Flüchtlinge schießen solle, wollen die Augsburger so nicht stehen lassen.
Selbst die Veranstalter hätten nicht damit gerechnet, dass die Leute so zahlreich zum Rathausplatz kommen. „Wir dachten, es werden vielleicht 1000 Menschen“, sagt Matthias Strobel vom Bündnis für Menschenrechte. „Es zeigt, die Äußerungen von Frau Petry haben die Augsburger ganz tief im Herzen bewegt. Deshalb haben sie sich entschieden, ein Zeichen dagegen zu setzen.“
Auch Oberbürgermeister Kurt Gribl ist stolz auf seine Bürger. Die Stadt hatte zunächst versucht, Frauke Petry ein Hausverbot für das Rathaus zu erteilen, war damit aber gescheitert. „Wenn wir mit rechtsstaatlichen Mitteln handeln, müssen wir das Urteil akzeptieren, aber wir müssen es nicht hinnehmen“ sagte Gribl. Deshalb freut er sich umso mehr über die Teilnahme der Augsburger. „Es zeigt, dass die Gesellschaft nach innen zusammenhält, aber es gibt auch ein geschlossenes Bild nach außen ab“, sagt Gribl.
"Amore statt Peng Peng" - Menschen lassen Ballons gegen Petry fliegen
Dennoch, so ruhig, wie es die meiste Zeit schien, war der Abend nicht immer. Etwa gegen 19.15 Uhr, als die Mitarbeiter gerade Beethovens „Ode an die Freude“ anstimmen, marschieren einige Rechtsradikale vor dem Rathaus auf. Dutzende Polizisten rennen hinterher, um sie von den linken Gruppen zu trennen. „Wir hatten das gut im Griff und konnten die Gruppen schnell wieder auseinanderbringen“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Es habe höchstens eine kleine Schubserei gegeben. Ansonsten sei alles ruhig.
Pünktlich um 19.30 Uhr, als im Augsburger Rathaus der Empfang der Augsburger AfD beginnt, lassen die Menschen draußen auf dem Rathausplatz dann unter lauten Geschrei rund 1000 weiße Luftballons mit der Aufschrift „Amore statt Peng Peng“ in die Luft steigen. Das Ganze ist ein Aktion des Stadtjugendrings. „Wir möchten ein starkes Zeichen setzen für den Frieden und ein friedliches Zusammenleben in Augsburg“, sagt Jonas Mattejat, der stellvertretende Vorsitzende des Stadtjugendrings.
AfD-Chefin Frauke Petry wirft Gribl mangelnde Fairness vor