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Leopold-Mozart-Zentrum

21.01.2020

Sinfonische Blasmusik ist viel mehr als Bierzelt

Seit 20 Jahren lehrt Maurice Hamers am Leopold Mozart Zentrum Blasorchesterleitung.
Foto: Mercan Fröhlich

Plus Blasmusik verbindet man meist mit Tracht und Volksfest. Professor Maurice Hamers hat sie am Leopold-Mozart-Zentrum zu einer Marke geformt.

Was in den Niederlanden, USA, Großbritannien, Skandinavien von jeher zum selbstverständlichen Kulturgut gehört, fristet in Deutschland noch ein Schattendasein. Blasmusik wird in diesen Ländern als gleichwertiges Genre gegenüber der Szene des Sinfonieorchesters angesehen, also der „E-Musik“, der Welt von Mozart, Beethoven, Schumann, Bruckner und Mahler bis zur Moderne. „Blasmusik“ verbindet man aber hierzulande ja immer eher mit Volksfest oder Bierzelt (wobei dieses Musizieren nicht abzuwerten ist). Es geht um sinfonische Blasmusik mit Werken, die in der kompositorischen Qualität höchsten Ansprüchen standhalten. Um diese Unterschiede auszugleichen, dafür hat Maurice Hamers maßgebliche Pionierarbeit geleistet.

Der im niederländischen Valkenburg 1962 geborene Dirigent und Komponist bekleidet in Augsburg seit 20 Jahren eine Professur für Blasorchesterleitung, zuerst am aufgelösten Musikhochschulversuch Nürnberg-Augsburg, jetzt am Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ). Schon in jungen Jahren war er in seiner Heimat überaus erfolgreich, gewann Preise, als Dirigent und Komponist, wurde Chefdirigent der hochangesehen Rotterdamer „Marineband of the Royal Dutch Navy“. Und diesen Superposten verließ er, als in Augsburg 2000 eine Professur für Blasorchesterleitung installiert werden sollte.

Prof. Hamers erinnert dabei an den Augsburger philharmonischen Tuba-Spieler und Dozenten Lothar Uth, der ja als Bläser diese in Deutschland immer noch kaum entdeckte sinfonische Bläserliteratur schätzt und kennt, und sich erfolgreich für ein Augsburger Lehrfach einsetzte. Unter den zahlreichen Bewerbern setzte sich Hamers durch und unterrichtet seitdem am LMZ Sinfonische Blasorchesterleitung, dazu Instrumentation.

Die Dirigentenschule hat europaweit einen excellenten Ruf

In voller Besetzung wird ausgiebig im LMZ jeweils am Mittwochabend geprobt. Da gehört dem Ensemble mit den Holz- und Blechbläsern aller Arten und dem traditionell in die sinfonischen Bläserwerke integrierten Kontrabass, akustisch unüberhörbar, quasi der ganze Klangraum – das Treppenhaus an der Maxstraße tönt. Im sonstigen Studienalltag wird individuell die Pultarbeit mit den Studenten im kleinen Rahmen zum Tonträger geübt.

Mittlerweile hat sich Maurice Hamers’ Dirigentenschule europaweit einen exzellenten Ruf erarbeitet. Viele der Studenten haben Preise gewonnen. Ein besonderes von Hamers initiiertes Ereignis trug dazu in Augsburg nachhaltig bei, nämlich der 1. Internationale Dirigentenwettbewerb vor drei Jahren, in dem die Bewerber Sinfonieorchester, Sinfonisches Blasorchester und eine Brassband zu leiten hatten – eine Art Vielseitigkeitsprüfung. Mit von der Partie waren u.a. Augsburgs GMD Domonkos Héja (als Juror) und seine Philharmoniker. In diesem Jahr wird dieser Wettbewerb wieder in Augsburg stattfinden

Wer sind nun Komponisten der sinfonischen Bläserwerke, mit teils exotisch hochkomplizierten, aber mitreißenden Rhythmen, mit den Klangfarben der unterschiedlichsten Bläserkombinationen, mit den lyrisch feinen Kammermusikpassagen, aber natürlich auch mit dem kompakt pompös ausbrechenden Tutti-Vollton? Hamers nennt wichtige Namen: David Maslanka (bereits verstorben), den Engländer Edward Gregson, Ed de Boer aus den Niederlanden, den Amerikaner James Barnes. Namen, die dort vertraut sind wie bei uns Bach, Haydn. Mendelssohn, Beethoven.

Das Ziel: Den Repertoire-Horizont zu erweitern

Apropos Beethoven: Maurice Hamers hat vor Kurzem seiner Klasse ein besonderes pädagogisch-künstlerisches Erlebnis ermöglicht. Von 17 Studenten durften sich sieben künftige Dirigenten an der 5. Sinfonie, der „Schicksalssinfonie“ erproben. Das Ziel: Den Repertoire-Horizont erweitern, den Verbund der Bläser mit den philharmonischen Streichen ausloten, die klassischen Strukturen, die besonderen Hintergründe zu verinnerlichen. Partner war das Sinfonieorchester Stadtbergen, das die Fünfte unter der Leitung von Irene Anda im Konzert aufgeführt hatte.

Die Norwegerin ist Assistentin von Hamers am LMZ (Hamers: „Sie war meine Schülerin, eine der Besten, und ist für mich unentbehrlich“). Es war phänomenal zu beobachten, wie bei den ausgesuchten Passagen der Beethoven-Sinfonie durch Hamers’ Beobachtungen und Anweisungen prompte Fortschritte zu erkennen waren. Etwa: „Sie müssen durch ihre Gestik am Pult immer den Fluss der Bewegung vergegenwärtigen, Augenkontakt herstellen, die einzelnen Gruppierungen in der Phrasierung mitnehmen, die Emotionen des Werks erfühlen, Ruhe und Stärke mit den Händen und Armen vermitteln“.

Am 1. (20 Uhr) und 2. Februar (17 Uhr) 2020 spielt das Sinfonische Blasorchester des LMZ unter der Leitung von Maurice Hamers im Uni-Auditorium Werke von Johannes Brahms (Akademische Festouvertüre), Claude Debussy („Fêtes“ „Nocturnes“), Ed de Boer („Hommage à Dimitri Schostakovich“, für sinfonisches Blasorchester arrangiert von Frans Scheepers) sowie Maurice Hamers’ originale siebenteilige Tondichtung „Chakra“ für Bläser.

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