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Prozess in Augsburg: Angeklagter gesteht Schmiergeldgeschäfte am Münchner Großmarkt

Prozess in Augsburg

Angeklagter gesteht Schmiergeldgeschäfte am Münchner Großmarkt

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    Der Geschäftsführer einer Vermarktungsorganisation soll im Lauf von fünf Jahren fast zwei Millionen Euro an Schmiergeldern kassiert haben. Nun steht er vor Gericht.
    Der Geschäftsführer einer Vermarktungsorganisation soll im Lauf von fünf Jahren fast zwei Millionen Euro an Schmiergeldern kassiert haben. Nun steht er vor Gericht. Foto: Matthias Becker (Symbolbild)

    Auf der Anklagebank vor der 7. Strafkammer des Landgerichts sitzt ein Millionär. Mit einem Kapitalvermögen von mehr als zwei Millionen Euro hat es Jürgen H. unter die fünf Prozent der reichsten Deutschen geschafft. Doch wer viel hat, kann auch viel verlieren. Drei Monate nach Prozessbeginn hat der 58-Jährige, der am Münchner Großmarkt für zwei Handelsunternehmen gearbeitet hat, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft jetzt in wesentlichen Punkten eingestanden: Bestechlichkeit und Untreue. Der Angeklagte gab zu, jeweils als Leiter einer Niederlassung seit 2015 im Obstgeschäft von Lieferanten - einer von ihnen ist mitangeklagt - mehr als eine Million Euro an Schmiergeld bekommen zu haben. Der Firma Landgard, bis zu seiner Verhaftung sein letzter Arbeitgeber, hat er soeben knapp eine Million Euro an Schadenersatz zurückgezahlt.

    Im Prozess geht es aber auch vergleichsweise um Kleingeld. Jürgen H. ist wegen 9000 Euro des Subventionsbetrugs angeklagt. Es war kein April-Scherz, als mit Datum 1. April 2020 sein Antrag auf „Corona-Soforthilfe“ einging. Er sei, hieß es in dem Antrag, mit seiner am Wohnsitz angemeldeten Beratungsfirma - tatsächlich eine Scheinfirma - in einer existenzgefährdenden Notlage. Jürgen H. begründete dies mit Hinweis auf die „Ausgangsbeschränkungen, der Schließung aller Lokale, Absagen von sämtlichen Veranstaltungen und Coaching-Terminen. Ich habe ab sofort keinerlei Einnahmen mehr.“ Im Prozess rechtfertigte sich der Angeklagte für seinen Schritt mit befürchteten Steuernachzahlungen. „Ich wollte mir kein Steuergeld erschleichen. Wenn es gut gelaufen wäre, hätte ich das Geld zurückgezahlt.“ 

    Auch einer der Lieferanten steht in Augsburg mit vor Gericht

    Die Bezirksregierung hatte ihm 9000 Euro überwiesen. Zwei Jahre später verriet den Ermittlern ein Blick auf sein Firmenkonto, dass es die existenzgefährdende wirtschaftliche Lage nie gegeben hat. Bei der Antragstellung war es mit 61.715 Euro gut gefüllt gewesen. Ferner stellte sich heraus: Jürgen H. hat einige Tausend Euro als „Corona-Bonus“ an Familienmitglieder weitergeleitet.

    Bei der Staatsanwaltschaft laufen auch Ermittlungen gegen seine Ehefrau wegen Beihilfe. Die Polizei hat ihre Telefonate abgehört und aufgezeichnet. Sie wurden in der Verhandlung abgespielt und belegen offenbar, dass sie von den Schmiergeldgeschäften ihres Mannes gewusst haben muss. Einmal etwa äußert sie sich froh darüber, dass die Polizisten, die gerade das Wohnhaus durchsucht hatten, das viele Bargeld nicht entdeckt hätten. 

    Doch ihr Mitteilungsbedürfnis verriet sie. Zwei Wochen später, Fahnder im bayerischen Landeskriminalamt hatten zwischenzeitlich die Aufzeichnungen der Gespräche abgehört, klingelten die Fahnder erneut an ihrer Wohnungstür. Sie hatten Glück. Das Geld lag noch im Nachtschränkchen. Zwei Bündel zu je 5000 Euro.

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