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Neugründung

21.10.2015

Floorball ist wie Hockey – nur anders

Seit kurzem gibt es beim Turnverein Augsburg eine Abteilung mit dieser Sportart. Sie gewinnt in Deutschland an Zulauf. Für die Spieler ist klar, woran das liegt

Ihre Köpfe sind rot, die Trikots kleben an den Oberkörpern, der Atem geht schwer. Doch die Floorballspieler rennen weiter durch die Halle, ihre Blicke folgen dem weißen Ball, der über den Boden saust. Daniel Kehne schaut auf die Uhr und ruft: „Uns bleiben fünf Minuten. Das Ding drehen wir noch!“ Sein Team „Gelb“ liegt drei Punkte hinter den Blauen. Das ärgert die Spieler, obwohl es nur ein Trainingsspiel ist. Kurz holen die Gelben auf, dann fallen noch zwei Tore für Blau.

Zehn Menschen sind an diesem Abend in die Neue Halle des Holbeingymnasiums gekommen. Dort trainiert die neu gegründete Floorball-Abteilung des Turnvereins Augsburg (TVA). Es sind neun Männer und eine Frau. „Normalerweise sind wir mehr Mädels“, sagt Claudia Schürmann. Doch heute haben die anderen sie im Stich gelassen. „Das macht nichts, ich komme mit den Männern gut klar.“ Die loben während des Übungsspiels immer wieder ihre Pässe. „Das Schöne am Floorball ist, dass es Frauen genauso gut spielen können wie Männer, weil es nicht nur auf die Kraft ankommt“, sagt Schürmann. Und so treten die Augsburger in einer Spielgemeinschaft mit Nordheim, einem Stadtteil von Donauwörth, in der Regionalliga auch mit einer gemischten Mannschaft an.

Die meisten der Mitglieder der jungen Abteilung studieren an der Uni Augsburg. Dort haben sie Floorball beim Unisport kennengelernt. Viele haben davor schon anderen Hockeyarten ausprobiert, sind aber beim Floorball hängen geblieben, so wie Oliver Beer. Er war Bundesligaspieler im Streethockey. Als er anfing, an der Uni Augsburg zu studieren, begann er mit Floorball, baute den Unisportkurs mit auf und ist seitdem dabeigeblieben.

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Die Schnelligkeit ist der Reiz an der Sportart, da sind sich alle Anwesenden einig. Floorball ähnelt dem Streethockey. Es wird aber mit anderen Stöcken, die eine gebogene Kelle haben, gespielt. Der Ball ist ungefähr so groß wie ein Apfel, innen hohl und hat Löcher. Das macht ihn schneller. Körperkontakt, etwa durch Checks, ist verboten. Ein bisschen Schieben ist erlaubt. „Floorball ist weniger hart, aber viel schneller als Streethockey“, fasst Beer zusammen. Abteilungsleiter Daniel Kehne ergänzt: „Wer vorher Feldhockey gespielt hat, unterschätzt oft, wie viel man laufen muss.“

Damit sein Team diesen Fehler nicht macht, hat Trainer Daniel Nustedt Fitnessübungen zum Aufwärmen eingeführt. Liegestützen, Strecksprünge, Sit-ups. „Wer nicht genug Ausdauer hat, merkt das zum Ende einer Partie. Und dann wird man unkonzentriert“, sagt er. Der 22-Jährige weiß, wovon er spricht, er spielt für die Red Hocks Kaufering in der Bundesliga. Die Oberbayern stehen momentan auf Platz drei in der Tabelle und haben einige Nationalspieler in ihren Reihen. In ganz Deutschland zählt der deutsche Floorball-Verband über 11000 Mitglieder. Jedes Jahr kommen etwa zehn Prozent dazu, schätzt Mathias Liebing vom Floorballverband. Im kommenden Frühjahr möchte sich die deutsche Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Seit Jahren geht dieser Titel an Schweden oder Finnland.

Die Abteilung in Augsburg steckt noch in den Kinderschuhen. Alles begann mit einem Kurs beim Unisport. „Am Anfang waren wir zehn Leute. Jetzt bekommen wir in einem Semester ohne Probleme zwei Gruppen mit 40 Menschen voll“, erzählt Oliver Beer. Seit September gehören die Floorballer zum TVA. „Wir haben ein Konzept geschrieben und das an verschiedene Sportvereine in Augsburg geschickt“, sagt Abteilungsleiter Daniel Kehne. Der TVA ist dafür bekannt, Randsportarten in sein Programm aufzunehmen. Als Mannschaft in einem Verein kann das Team an der Regionalliga teilnehmen.

Dafür trainiert die Mannschaft jeden Donnerstagabend. Der TVA hat Leihschläger und zwei Tore angeschafft. Es fehlt nur ein Sponsor für die Trikots des Kleinfeldteams. „Für Randsportarten ist es schwierig, Firmen zu finden, die investieren wollen. Sie sagen: Was bringt es uns, wenn es sich keiner anschaut“, sagt Kehne, der sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Thema Sponsoring im Sport beschäftigt hat.

Die fehlenden Geldgeber halten die Mannschaft aber nicht auf. Schon Anfang Oktober starteten sie in der Regionalliga Süd. Der untersten Liga im Großfeld. Im November geht es im Kleinfeld los. Weil dort nur drei statt fünf Feldspieler wie im Großfeld benötigt werden, bilden sie dann keine Spielgemeinschaft mit Nordheim.

Außerdem plant Kehne, am Holbein-Gymasium eine AG für die Schüler zu gründen. „Unsere Geräte sind hier verstaut, das wäre praktisch“, sagt er. Langfristig soll so die Jugendarbeit in Schwung kommen. Doch vorher will sich die Mannschaft in der Regionalliga verbessern. Momentan stehen sie auf dem letzten Tabellenplatz. Deshalb arbeiten sie verstärkt daran, ihre Taktik während des Spiels zu verbessern. Vielleicht gelingt es ihnen dann, in fünf Minuten ein Spiel noch zu drehen.

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