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Fußball

19.10.2017

Leitner will nichts sagen

Mit hohen Erwartungen hat der FC Augsburg den 24-Jährigen im Winter verpflichtet. Erfüllen konnte er diese bisher nicht. Wie Trainer Baum die Situation seines Spielers einschätzt

Moritz Leitner ist 24 Jahre jung. Wer ihm in sozialen Netzwerken folgt, wird nichts Auffälliges finden. Bilder mit Freundin und Hund, aus dem Urlaub oder von der Arbeit auf dem Trainingsplatz. Leitner lässt andere Menschen an seinem Leben teilhaben. Junge Menschen machen das so. Allein bei Instagram interessiert Leitner 192000 Menschen.

Auf diesen Fotos wirkt er weder überaus glücklich noch überaus betrübt. Wie es ihm wirklich geht? Man würde ihn gerne fragen. Doch Leitner schweigt. Will nicht mit Journalisten sprechen. Der Grund dafür liegt nahe: Leitner erwartet Fragen, warum er seit Monaten in den Überlegungen von Trainer Manuel Baum unberücksichtigt bleibt. Warum er Erwartungen nicht erfüllen kann und Spieltage auf Tribünen statt auf Stadionrasen erlebt.

Baum unterrichtete Leitner einst in Taufkirchen als Realschullehrer. Von seinen technischen Fertigkeiten ist der Trainer weiterhin überzeugt, er lobt Leitners Bemühungen, an sich zu arbeiten. Baum, 38, sagt aber auch: „Wir erwarten, dass er sich in dem einen oder anderen Bereich entwickelt und an das anpasst, was wir wollen.“

Dass Leitner mit fußballerischem Talent gesegnet ist, lässt sich früh erkennen. Als Bub schließt sich der gebürtige Münchner dem lokalen TSV 1860 an. In dessen Nachwuchsabteilung wird er ausgebildet, in dessen Zweitligateam macht er ersten Schritte im Profifußball.

Borussia Dortmund wird auf den schmächtigen Kerl mit dem feinen Füßchen aufmerksam, verpflichtet Leitner als Investition für die Zukunft – ehe andere Klubs zuvorkommen. Dass die Dortmunder ihre Neuerwerbung sogleich an den FC Augsburg ausleihen, entspricht Marktmechanismen. Talente sollen Spielpraxis erhalten, Erfahrungen sammeln und nach Leihende gestärkt zurückkehren. Zunächst gelingt Leitner das, alles läuft nach Karriereplan. In Augsburg überzeugt Leitner als Spielgestalter und trägt zum Aufstieg in die erste Liga bei. Der FCA würde Leitner gerne halten, doch Dortmund meldet Eigenbedarf an. Die BVB-Bosse trauen Leitner inzwischen zu, sich durchzusetzen. Damals zählt er gerade mal 18 Lenze.

Die Karriere des jungen Mannes nimmt richtig Fahrt auf. In der U21 trägt er in 24 Länderspielen das Nationaltrikot und erzielt sieben Treffer, er läuft in der Champions League auf, gewinnt die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Um mehr Einsätze zu erhalten, wechselt er nach zwei Spielzeiten dennoch auf Leihbasis zum VfB Stuttgart. Empfangen wird er dort vom damaligen VfB-Sportdirektor Fredi Bobic euphorisch. Leitner bringe alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle einzunehmen, bekundet Bobic damals.

Doch dauerhaft setzt sich Leitner in Stuttgart nicht durch. Auch nicht in Dortmund, wo er nach dem Ende der Ausleihe wieder landet. Und erst recht nicht bei Lazio Rom. Während der Vorrunde kommt er in Italien auf zwei Kurzeinsätze und 13 Minuten Einsatzzeit.

Leitner ist bis dahin von schweren Verletzungen verschont. Wer ihn verpflichtet, ist stets von seinen Qualitäten überzeugt. Dennoch zieht der junge Mann im erbarmungslosen Konkurrenzkampf des Profifußballs, in dem trotz Mannschaftssport doch jeder für sich spielt, wiederholt den Kürzeren. Fehlen Leitner die Einstellung und der unbedingte Wille? Fehlt ihm das Vertrauen von Trainern und Verantwortlichen? Ist er wirklich so gut, wie ihn viele sehen?

Als der FCA Leitner Ende Januar 2017 verpflichtet, freuen sich Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter und der Technische Direktor Stephan Schwarz. Im ruhigen Augsburger Umfeld wird Leitner sein Potenzial abrufen. Hoffen sie jedenfalls. Der FCA zahlt 1,5 Millionen Euro Ablöse und stattet den Profi mit einem Vertrag bis Sommer 2021 aus. Reuter sagt damals: „Wir sehen ihn perspektivisch als einen ganz wichtigen Spieler beim FCA.“ Leitner wiederum beteuert: „Ich bin hundert Prozent mit Bauch, Herz und Kopf dabei.“ Er sei überzeugt, dass dies der richtige Weg für ihn sei.

Der Istzustand: Leitner spielt in der Rückrunde anfangs sporadisch, dann gar nicht mehr. In der laufenden Saison zählt er kein einziges Mal zum Kader eines Pflichtspiels. Der 24-Jährige ist ein Opfer des überdimensionierten Kaders, des Überangebots zentraler Mittelfeldspieler. Auf dem Trainingsplatz fehlt Leitner die Bindung zu den Mitspielern, er wirkt nachdenklich und in sich gekehrt. Dass er im Winter ein weiteres Mal verliehen wird und so ein weiteres Mal seine stockende Karriere in Schwung bringen will, das scheint nicht ausgeschlossen.

Es wäre der nächste Neuanfang. Aber Leitner ist schließlich noch jung. (mit ötz)

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