FC Augsburg

07.11.2012

Sprache verbindet

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Deutschunterricht hilft den ausländischen Spielern bei der Integration in die Mannschaft, den Verein und das neue Umfeld. Bayerns Breno dient als abschreckendes Beispiel

Knowledge Musona, 22, und Ja-Cheol Koo, 23, lachen viel miteinander. Strenger Unterricht sieht anders aus. Musona hantiert mit einem Mikrofon, das er Koo unter die Nase hält. Der eine mimt den Journalisten, der andere das, was beide im richtigen Leben sind: Fußballprofis des FC Augsburg. „Schafft der FCA den Klassenerhalt“, fragt Musona, „Natürlich“, antwortet Koo. Lehrerin Anja Peschel ist zufrieden mit ihren Schülern, die das Rollenspiel ernst nehmen – und trotzdem Spaß haben. Vor allem freut Peschel, dass beide Deutsch sprechen – obwohl Koo aus Südkorea und Musona aus Simbabwe stammen.

Ein- bis zweimal wöchentlich nehmen die beiden 1,5 Stunden lang am Sprachunterricht in Augsburgs Innenstadt teil. Zusammen mit dem Esten Klavan bilden sie die Fortgeschrittenengruppe des FCA; als Anfänger wurden Milan Petrzela (Tschechien), Giovanni Sio (Frankreich) und Aristide Bancé (Burkina Faso) eingestuft. Allesamt wollen sie verstehen: die Kommandos auf dem Platz, die Ansage in der Kabine, die Besprechung vor dem Spiel. Überall wird Deutsch gesprochen. „Es ist wichtig für mich, dass ich den Trainer verstehe, dass ich weiß, was er will“, sagt Koo.

Etliche Bundesligisten haben die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen erfasst, um Spieler in Verein und Mannschaft zu integrieren – und letzten Endes ihre Leistung zu fördern. Die Klubs bieten freiwilligen Unterricht an; Felix Magath, zuletzt Trainer beim VfL Wolfsburg, verpflichtete seine Kicker sogar schon dazu, Deutsch zu lernen.

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Rund 350 Ausländer verdienen in der Bundesliga ihr Geld. Viele Fußballer stammen aus Europa, daneben etliche aus Südamerika, Afrika oder auch Asien. Aber Ausländer ist nicht gleich Ausländer. Sie unterscheiden sich so sehr wie ihre Herkunft. Einige verdienen Millionen von Euro, andere müssen mit weniger auskommen; einige haben Auslandserfahrung, andere nicht; einige sind Ende 20 und haben Familie, andere mussten für den Vereinswechsel ihr Elternhaus verlassen; einige sind gebildet, andere können nicht mal in ihrer Muttersprache lesen und schreiben.

Sprache ist der Schlüssel, erklärt Matthias Garte vom Integrationsbeirat der Stadt Augsburg. „Man sollte die Sprache des Landes sprechen, in dem man lebt“, sagt Garte und fügt hinzu: „Sonst geht fast alles an einem vorbei.“ Wie gut die Spieler in ihrer neuen Umgebung aufgenommen sind, zeigt sich meist erst, wenn sportlicher Erfolg ausbleibt oder schwierige Phasen, wie eine langwierige Verletzung, auf den Kicker zukommen. Weil Fußballprofis zudem über viel freie Zeit verfügen, kann sich der Vereinsamungsprozess beschleunigen.

Beispielhaft ist die Geschichte von Breno, dem Ex-Spieler des FC Bayern, der sich verkroch, seinen Frust ertränkte und sein Haus anzündete. In seiner Villa lebte er in einem goldenen Käfig, ohne Bindung zur Außenwelt. Wenn er Deutsch gesprochen hätte, hätte er sich wenigstens Unterstützung holen können, meint Garte.

Das Sportliche ist das eine, Freundschaften innerhalb der Mannschaft, der Small Talk im Supermarkt oder die Kinder, die Anbindung im Kindergarten suchen, sind das andere. „Alles hängt von der Sprache ab“, bekräftigt Garte. Den ausländischen FCA-Spielern stehen in der Anfangszeit Vereinsmitarbeiter zur Seite, die sie bei der Wohnungssuche unterstützen, die ihnen ein Auto besorgen, die mit ihnen Behördengänge erledigen und ihnen helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Vieles hängt jedoch davon ab, wie sehr sich Spieler einlassen. Garte verdeutlicht: „Wenn ich weiß, dass ich in einem Jahr wieder weg bin, werde ich mich mit dem fremden Land nicht so sehr beschäftigen.“ Hinzu kommt bei Fußball-Profis die finanzielle Situation: Während Ausländer in Deutschland die Sprache oft brauchen, um Arbeit zu finden, haben Fußballer dies nicht nötig.

Koo, Musona und die anderen FCA-Sprachschüler sehen das anders: Sie wollen Deutsch lernen.

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