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Corona-Pandemie
25.06.2021

Was über die Delta-Variante des Coronavirus bekannt ist

Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe – im Bild das Mittel von Biontech – schützen vor schweren Verläufen.
Foto: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

Auch in Bayern kursiert die Delta-Variante des Coronavirus immer mehr - das beunruhigt derzeit viele Menschen. Ob die Impfstoffe helfen und ob schwere Verläufe häufiger sind.

Im Oktober 2020 wurde erstmals in Indien die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus registriert. Sie bereitet derzeit vielen Experten und Politikern Sorge. Sie gilt als ansteckender als bisherige andere Varianten. Aber stimmt das überhaupt? Lesen Sie dazu unser Frage- und Antwort-Stück.

Inwiefern ist die Delta-Variante ansteckender als andere Coronavirus-Varianten?

Es gibt fundierte Hinweise aus dem stark betroffenen Großbritannien, dass die Delta-Variante bis zu 50 Prozent infektiöser ist als die anderen Varianten. Dort macht Delta inzwischen 80 bis 90 Prozent der Neuinfektionen aus. In Deutschland lag dieser Wert Mitte Juni bei etwa sechs Prozent. Professor Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, geht davon aus, dass dieser Wert in Bayern derzeit wohl bei zehn Prozent liegen könnte. Allerdings mit der Tendenz, rasch weiterzusteigen.

Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing rechnet damit, dass der Anteil der Delta-Variante in Bayern schnell steigen wird.
Foto: München Klinik Schwabing, dpa

Ist aber die Delta-Variante gefährlicher? Macht sie also schwerere Verläufe?

Auch bei dieser Frage blicken Fachleute derzeit verstärkt in Richtung Großbritannien. Es gibt aber noch keine konkreten Hinweise darauf, dass es schwere Verläufe gibt, sagt Clemens Wendtner. In erster Linie ist die Delta-Variante wohl vor allem infektiöser.

Corona-Impfung bei Delta-Variante: Schützen die Impfstoffe?

Impfungen schützen definitiv vor schweren Verläufen: Der Impfstoff Biontech etwa zu 92 Prozent, ebenfalls wirksam ist Moderna. Der Impfstoff von AstraZeneca schützt vor schweren Verläufen in 89 Prozent der Fälle. Bei milden Verläufen (Schnupfensymptome, leichte Grippe) ist AstraZeneca aber Biontech mit 60 (AstraZeneca) zu 80 Prozent (Biontech) unterlegen. Das bedeutet aber nicht, dass der Impfstoff schlechter ist. Wichtig ist ja der Schutz vor schweren Verläufen.

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Unterscheidet sich die Behandlung von Covid-Patienten mit Delta von der anderer Covid-Patienten?

Das Behandlungsschema bei schweren Verläufen mit Delta unterscheidet sich nicht. In der Frühphase sind Antikörper und Remdesivir im Einsatz, in der Spätphase Dexamethason zur Abdämpfung einer gefährlichen überschießenden Reaktion des Immunsystems, die sich gegen den eigenen Körper wenden kann.

Immer wieder wird spekuliert, man müsse sich schon nach einem halben Jahr nachimpfen lassen, dann wieder heißt es: nach einem Jahr. Was gilt denn nun – auch anlässlich der Delta-Debatte?

Formal ist das digitale Impfzertifikat eines Zweitgeimpften ein Jahr lang gültig. Menschen, die Immunsuppresiva einnehmen (etwa bei Krebs oder Rheuma), müssen wohl schon 2021 drittgeimpft werden. Bei Immungesunden geht Wendtner von einem Jahr Impfschutz aus. Es sieht so aus, dass es auch bei Genesenen und Geimpften in dieser Zeit zu einem Abfall des Titers der Antikörper kommt. Es könnte sein, dass – wie bei Hepatitis – künftig vor einer Impfung der Titer ermittelt wird.

Gibt es Orte oder Regionen in Bayern, die schon jetzt besonders von der Delta-Variante betroffen sind?

Es kursieren Meldungen, dass München bereits eine Delta-Quote von 25 Prozent aufweist. "Man muss allerdings sagen, dass ein sehr niedriges Infektionsniveau vorherrscht – mit einer Inzidenz von unter zehn. Wenn Sie dann bei vier Neuinfizierten einen mit der Delta-Variante feststellen, sind Sie auch schon bei 25 Prozent." Wie es woanders aussieht, das lasse sich derzeit nicht genau sagen.

Wer schleppt die Delta-Variante nach Bayern ein? Touristen?

Eine gewisse Einschleppung durch touristische Reisen ist sicher ein Faktor. Nach wie vor weist das RKI ja zahlreiche Virusvariantengebiete aus, wie etwa Großbritannien oder Teile Spaniens. "Bei solchen Gebieten sollte unbedingt weiter die Quarantäneregelung eingehalten werden", so Wendtner.

Es gibt derzeit die Debatte, auf Masken zu verzichten. Ist das jetzt sinnvoll?

Das sei "eine Diskussion zum falschen Zeitpunkt", sagt der Chefarzt. "Die Maske schützt auch bei Delta – und es sind ja noch nicht alle geimpft." Dass diese Variante im Verdacht steht, vor allem jüngere Menschen zu befallen, sei bekannt. Doch könne dies auch daran liegen, dass eben viele junge Menschen noch nicht geimpft sind.

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24.06.2021

Schön und sachlich dargelegt - von Seiten der Politik klingt das teilweise anders, aber da zeigt sich wohl Beratungsresistenz...

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