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Memmingen

11.05.2019

Deutschlandlied: AfD-Abgeordneter Maier rechtfertigt sich

Der Memminger AfD-Abgeordnete Christoph Maier bei der konstituierenden Sitzung des Bayerischen Landtags in München.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Erst sang er. Dann schwieg er. Jetzt erklärt der Allgäuer AfD-Politiker Christoph Maier, warum er die umstrittene erste Strophe des Deutschlandliedes sang.

Als „politisch unklug“, aber im Grunde „nicht verwerflich“ – so bezeichnet der Memminger AfD-Landtagsabgeordnete Christoph Maier sein Verhalten auf einer Veranstaltung der rechtsnationalen Gruppierung „Der Flügel“ im oberbayerischen Greding. Dort hatte der 34-Jährige gemeinsam mit anderen AfD-Mitgliedern unter anderem die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Zunächst wollte er sich auf eine Anfrage unserer Redaktion dazu nicht äußern – nun tat er es doch.

Dass er mitgesungen habe, sei unklug gewesen, allerdings seien danach ja auch noch die zweite und dritte Strophe gesungen worden. Es sei zudem ein „technisches Missgeschick“ gewesen, dass die erste Strophe überhaupt eingespielt wurde. Am Anfang sei er überrascht gewesen, habe die ersten Zeilen angehört. So wie die bayerische AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner und der Thüringer AfD-Rechtsaußen Björn Höcke auch. Nur den letzten Abschnitt habe er dann mitgesungen, sagt Maier.

Christoph Maier verließ während der Rede von Charlotte Knobloch den Landtag

Auf einem Video, das im Internet kursiert, ist er zu sehen, wie er bei den Textzeilen „Von der Maas bis an die Memel; Von der Etsch bis an den Belt; Deutschland, Deutschland über alles; Über alles in der Welt“ in den Gesang im Saal einstimmt. Daran finde er „nichts grundsätzlich Verwerfliches“. Schließlich sei der Text schon vor 178 Jahren gedichtet und 1922 mit allen drei Strophen zur Nationalhymne ernannt worden.

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Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde nur die erste Strophe gesungen, auf die dann das sogenannte Horst-Wessel-Lied folgte. „Wer heute bewusst die erste Strophe des Deutschlandliedes singt, verhöhnt die Opfer des Nationalsozialismus und macht sich mit den Tätern gemein“, kritisierte daher Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU).

Es ist nicht das erste Mal, dass der Rechtsanwalt aus Memmingen mit seinem Verhalten offensichtlich an den rechten politischen Rand seiner Partei rückt. Im Januar verließen einige der anwesenden AfD-Abgeordneten während einer Rede der Holocaust-Überlebenden Charlotte Knobloch zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus den Plenarsaal, als Knobloch sich kritisch über die AfD äußerte. Christoph Maier war einer von ihnen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

13.05.2019

Da muss man Angst haben, dass wenn die AfD regierungsverantwortlich würde, versehentlich ein Atomkrieg ausgelöst wird .... bei sovielen "technischen Mißgeschicken" und "Ausrutscher auf Tastaturen" wie denen passieren.

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12.05.2019

Gut erklärt...

https://www.google.de/url?sa=i&source=web&cd=&ved=2ahUKEwj3_I-2vpTiAhVJL1AKHWx7CVoQzPwBegQIARAB&url=https%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fgeschichte%2Farticle162022962%2FIst-die-erste-Strophe-des-Deutschlandliedes-verboten.html&psig=AOvVaw0D-ZoLgCmGXAWaO9m9jGVA&ust=1557698816215085

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11.05.2019

Singe wem Gesang gegeben. Wenn man Toleranz für nicht singenden Nationalhymnensänger in deutschen Nationalmannschaften aufbringt, sollte man auch Verständnis für einen jungen Menschen aufbringen, der über die "moralische Freigabe" der einzelnen Strophen offensichtlich nicht informiert ist bzw. diese möglicherweise verwechselt hat. Diese künstliche Aufregung ist nicht nur kontraproduktiv sondern schlichtweg überzogen und erinnert an das hässliche Gesicht der Hetze.

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12.05.2019

Wenn eine Person vor nahezu 35 Jahren in Schwaben geboren wurde, vermutlich in Bayern Abitur gemacht hat, in Bayern Rechtswissenschaft studiert hat, einer schlagenden Verbindung angehört, weiß er, aus welchem Zeitgeist Hoffmann von Fallersleben 1941 ohne Arg das Lied der Deutschen gedichtet hat und weiß, warum wir in Deutschland uns nach der Nazibarberei entschieden haben, nur die dritte Strophe zur Nationalhymne zu machen. Weiß also auch, warum wir die erste nicht singen.
Weiß natürlich auch, dass in der Nazizeit nur die erste Strophe gesungen wurde, um dann das Nazi-Kampflied, das Horst-Wessel-Lied, anzustimmen.
Heute gehört es zur Neonazi-Methode, Nazilieder und –texte anklingen zu lassen, und dann zu sagen, „war ja gar nicht so gemeint“ oder „war doch nur ein junger, uninformierter Mann“.
Deutsche Demokraten müssen dem widersprechen!

Raimund Kamm

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