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München

11.06.2013

Gustl Mollaths Bitte und ein kurioser Polizeieinsatz

Gustl Mollath vor Untersuchungsausschuss
3 Bilder
Gustl Mollath steht vor seiner Vernehmung im Mollath-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag in München (Bayern), vor einer roten Wand mit einem Holzkreuz.
Bild: Peter Kneffel dpa

Wegen einer Twitter-Nachricht zum Fall Mollath hat eine Professorin Besuch von der Polizei bekommen. Gustl Mollath selbst wandte sich mit einer Bitte an den Ausschuss im Landtag.

Ursula Gresser ist Ärztin, Professorin und CSU-Mitglied - und hat wegen einer Nachricht im Netzwerk Twitter Besuch von der Polizei bekommen.

Ursula Gresser hat sich im Fall Gustl Mollath für den in der Psychiatrie sitzenden Mann stark gemacht. Die Ärztin twitterte über eine Veranstaltung mit Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) am Montag. Das stand in dem Tweet der Professorin: "Wann Mollath freikommt? Diese Frage könnte man Frau Merk am Mo. 10.06.13 um 19 Uhr im Landgasthof Hofolding stellen."

Mollath-Tweet: Professorin spricht von Einschüchterungsversuch

Inzwischen ist der Beitrag auf Twitter gelöscht. Für die Polizei war der Tweet der Professorin Grund genug, ihr zwei Beamten in Zivil zu schicken.

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Wie die Ärztin am Dienstag sagte, erklärten ihr die Polizisten, es gebe Bedenken wegen der Sicherheit der Veranstaltung. Das sei ein Versuch gewesen, sie einzuschüchtern und von einem Besuch abzuhalten, sagte sie. "Das war wie der Besuch von Marsmännchen. Da war ich platt."

Justizministerium will Vorgang prüfen

Zuvor hatte der Journalist und Blogger Richard Gutjahr den Fall in seinem Blog dokumentiert. Das Justizministerium teilte am Dienstagvormittag mit, man prüfe den Vorgang noch. Der Fall Mollath war bei der Veranstaltung übrigens kein Thema. Die selbst bei Twitter aktive Ministerin sprach unter dem Motto "Facebook & Co. - sicher surfen in sozialen Netzwerken, mit Staatsministerin Dr. Beate Merk".

Mollath wirft Ex-Frau weiterhin illegale Schwarzgeldgeschäfte vor

Mollath, der vor dem Landtagsuntersuchungsausschuss aussagte, wirft seiner Ex-Frau trotz ihres aktuellen Dementis weiterhin illegale Schwarzgeldgeschäfte vor. Anfänglich habe die Bankerin im Auftrag ihres Arbeitgebers illegal Schwarzgelder von Bankkunden in die Schweiz geschafft, später sogar hinter dem Rücken der HypoVereinsbank Schwarzgeld-Transfers eingefädelt, sagte er am Dienstag. "Ich habe gewusst, das muss aufhören - zum Schutz meiner damaligen Frau und zu meinem Schutz", sagte er.

Mollath bittet um Unterbringung im Gefängnis

Vor dem Ausschuss hat Gustl Mollath, der seit sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten wird, um seine Unterbringung in einem normalen Gefängnis gebeten. "Sollte ich lebenslang in Sicherungsverwahrung bleiben müssen, wünsche ich mir eine Unterbringung in einem normalen Gefängnis", sagte Mollath am Dienstag. Er sei sicher, dass dort die Bedingungen deutlich besser seien als in der geschlossenen psychiatrischen Klinik.

Gustl Mollath appellierte daher an die anwesenden Landespolitiker, dafür die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Der Freistaat Bayern könnte damit zugleich erhebliche Kosten sparen: "Die Unterbringung in einem normalen Gefängnis wäre etwa nur halb so teuer wie in der Psychiatrie." Derzeit koste seine Unterbringung in der Psychiatrie rund 100 000 Euro im Jahr. "Inzwischen belaufen sich die Kosten also auf rund 800 000 Euro", fügte der 56-Jährige hinzu.

Mollath war 2006 wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen worden - weil er laut damaligem Urteil seine Frau schwer misshandelt und die Reifen mehrerer Dutzend Autos zerstochen haben soll. Mollath selbst - und mit ihm viele Unterstützer - glauben, er sei Opfer eines Komplott seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe aufgedeckt habe. dpa/AZ

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