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München
04.09.2019

Warum sich ein BMW-Mann für einen Fahrrad-Highway einsetzt

So wie in dieser Animation könnten Fahrrad-Highways in München aussehen.
Foto: BMW

Manfred Schoch ist Betriebsratschef des bayerischen Autokonzerns BMW. Warum er für einen Fahrrad-Highway in München kämpft und das für ihn kein Widerspruch ist.

Bauzäune versperren den Weg zum ehemaligen S-Bahnhof Olympiastadion. Ein verwittertes Bauwerk, noch grauer als die Hochhäuser im Hintergrund. Farbtupfer gibt es wenige auf dem Areal: Mit Spraydosen besprühte Betonwände und weggeworfene Plastiktüten. Zurück ins Jahr 1972: München bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor. Zuschauermassen werden in die Landeshauptstadt strömen. Die U-Bahn alleine wäre überlastet, deshalb braucht es eine zusätzliche Verkehrsader. Sie führt zu dem Gebäude, das heute eine Ruine ist. Nach den Sommerspielen fuhr die S-Bahn den Bahnhof nur sporadisch an, ab 1984 noch für vier Jahre zu Fußballspielen im Olympiastadion. Dann wurde der Betrieb eingestellt. Seitdem ist das verwitterte Bauwerk sich selbst überlassen. Richtung Norden und Süden verlaufen noch die alten, rostigen Gleise. Ihren Zweck, Menschen zu bewegen, haben die Wege längst verloren.

Die Idee: Ein Fahrrad-Highway auf der alten S-Bahn-Strecke

Das könnte sich ändern. Wenn es nach Manfred Schoch geht, soll es dort, wo jetzt noch der Geisterbahnhof verfällt und die Gleise verwittern, bald ganz anders aussehen. Schoch ist Betriebsratschef bei BMW und macht sich für eine Idee stark: ein Fahrrad-Highway in Richtung Norden auf der alten Bahnstrecke, nur einige hundert Meter von der Münchner BMW-Zentrale entfernt. Mit einem Fahrradparkhaus auf dem Gelände des Geisterbahnhofs. „Das könnte ein Mosaikstein sein, mit dem wir die Verkehrsprobleme in München lösen könnten.“

So sieht es heute am alten S-Bahnhof Olympiastadion aus.
Foto: Philipp Wehrmann

Seit Jahren beobachtet Schoch, 63, wie das Verkehrschaos für seine Mitarbeiter, die täglich zu ihrem Arbeitsplatz pendeln, immer schlimmer wird. „Entweder stecken sie kilometerlang mit dem Auto im Stau fest. Oder sie quetschen sich in überlastete S- und U-Bahnen. Das ist jeden Tag eine Quälerei.“ Und nicht nur für BMW-Mitarbeiter, sondern für tausende Pendler. Allein im Münchner Norden zieht sich ein Industriegürtel mit über 100.000 Beschäftigten. Insgesamt zählt die Bundesagentur für Arbeit knapp 400.000 Menschen, die täglich für den Job nach München kommen, und etwa 190.000 Beschäftigte, die jeden Tag aus München auspendeln.

4500 BMW-Mitarbeiter sollen das Auto stehen lassen

Allein am BMW-Standort beim Olympiapark sind derzeit rund 45.000 Mitarbeiter beschäftigt. Viele von ihnen kommen jeden Tag aus dem nördlichen Umland. Manfred Schoch: „Diesen Mitarbeitern möchte ich eine Alternative anbieten, die schneller und unkomplizierter ist.“ Schochs Ziel: „Ich will zehn Prozent unserer Mitarbeiter, also 4500, dazu bewegen, aufs Fahrrad umzusteigen. Doch dafür braucht es die passende Infrastruktur.“ Schochs Idee: Den alten S-Bahnhof Olympiastadion in ein Fahrradparkhaus umbauen. Die Gleise dieser ehemaligen Strecke sollen mit Schotter aufgefüllt, gegebenenfalls asphaltiert und zum Fahrrad-Highway umgebaut werden, der nach Norden in Richtung Feldmoching, Oberschleißheim, Unterschleißheim und Lohhof führen soll.

Folgt man den Bauzäunen, führt ein Abhang hinunter auf eine Wiese. Einen Fußweg gibt es nicht. An und auf den Gleisen wachsen Pflanzen, einige blühen gelb und rosa. Hier kann lange keine Bahn gefahren sein. Und auch Fahrradfahrer sind weit und breit nicht zu sehen. Hier gibt es nur ein Verkehrsmittel: An der östlichen Seite verläuft die Bundesstraße 304. Auto an Auto schiebt sich im Feierabendverkehr über die vierspurige Fahrbahn. Automann Schoch sagt bemerkenswerte Sätze wie: „Wir brauchen endlich das gleiche Netz für Fahrradfahrer, wie wir es für Autos schon haben.“ Mit einer Halbschale könnte die Strecke überdacht werden, damit die Radler vor Regen und Wind geschützt würden. „Es muss nicht immer so kompliziert sein. Das ist eigentlich kein Mammutprojekt.“ Er fordert: Wenn Bundesregierung, Freistaat, die Stadt München und BMW je ein paar Millionen Euro dazugeben würden, komme ein ordentliches Budget für das Projekt zusammen.

Manfred Schoch kämpft in München für einen Fahrrad-Highway.
Foto: dpa

Doch warum setzt sich ein Mann wie Schoch, der seit Jahrzehnten für einen der größten deutschen Autokonzerne arbeitet, dafür ein, dass seine Mitarbeiter das Auto stehen lassen und aufs Fahrrad umsteigen? „Das mag nach einem Widerspruch klingen. Aber die Verkehrssituation in München ist mittlerweile einfach so angespannt, dass wir etwas unternehmen müssen.“ Man könne gar nicht mehr von Verkehr sprechen, wenn alles nur noch steht. „Wer nur im Stau feststeckt, hat auch keinen Spaß mehr am Autofahren.“

BMW und die Stadt München sitzen an einem Tisch

Andreas Groh, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Klubs München, kennt diese Pläne: „Die ganze Route entlang der Gleise ist seit Jahren im Gespräch – auch im Münchner Stadtrat.“ Allerdings gebe es Bedenken mit den Gegebenheiten der Strecke: „Die Herausforderung sind wohl einerseits Altlasten im Boden der Gleise zum Beispiel Teere, die eine sehr teure Sanierung notwendig machen. Und andererseits der Naturschutz. Trotzdem denke ich, wäre ein Radschnellweg dort eine gute ergänzenden Tangente.“

Auch ein Sprecher der Stadt München kennt die Tücken: „Radschnellwege sind im Hinblick auf ihre Erfordernisse und Kriterien aufwendig und schwer umzusetzen. Eine gute und direkte Radverbindung wird aber unsererseits befürwortet.“ Es gibt bereits regelmäßige Gespräche mit BMW bezüglich des Themas Radschnellverbindungen. „BMW sitzt mit uns in Projekten zum Radverkehr und zu einer Radschnellverbindung im Münchner Norden am Projekttisch.“ Darüber hinaus gibt es ein vom Stadtrat beschlossenes Projekt zu einer Radschnellverbindung im Münchner Norden. Die Strecke soll in der Altstadt starten und entlang der Leopoldstraße nach Unterschleißheim und Garching führen.

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