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USA: Fünf Millionen gemeldete Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie
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01.07.2020

Tödliches Virus: Wie wirkt sich Corona auf die Sterberate in Bayern aus?

Ein Corona-Patient mit schwerem Verlauf auf der Intensivstation. Während in einigen Ländern Massengräber ausgehoben werden müssen, hält das Gesundheitssystem in Deutschland der Pandemie stand.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Plus Sterben wegen Corona mehr Menschen? Das Statistische Bundesamt hat eine Sonderauswertung mit vorläufigen Sterbefallzahlen veröffentlicht - auch mit Blick auf Bayern.

Corona stellt die Welt auf den Kopf. Ausgangssperren, geschlossene Schulen und Geschäfte, Kontaktverbot. Es kommt zu erschreckenden Szenen. Wegen der vielen Toten wurden in den USA oder auch in Brasilien Massengräber ausgehoben. Jedoch nicht in Deutschland. Das Gesundheitssystem hierzulande hielt in den ersten Monaten der Pandemie stand. Es stellt sich dennoch oder gerade deswegen die Frage: Wie groß sind eigentlich die direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie auf die Sterberate in Deutschland? Das Statistische Bundesamt hat dazu jetzt eine Sonderauswertung mit vorläufigen, tagesgenauen Zahlen der Standesämter veröffentlicht, die auch Rückschlüsse auf den Freistaat zulassen.

Bayern hat deutschlandweit die meisten Corona-Todesfälle

In Bayern sind deutschlandweit bislang die meisten Corona-Todesfälle zu beklagen (Stand: 30. Juni 2020). 2589 Menschen, die mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert waren, kamen im Freistaat ums Leben, die meisten davon im Münchner Stadtgebiet (218 Personen) und in Rosenheim (195). In Augsburg und im Kreis Augsburg sind bislang 24 Fälle bekannt, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind.

Bei der Betrachtung der jeweiligen Jahresverläufe der Sterbefallstatistik zeigen sich deutschland-, aber auch bayernweit Übereinstimmungen sowie Besonderheiten. So gibt es im Zeitraum von ungefähr Mitte Dezember bis Mitte April die laut Statistischem Bundesamt "typischen Schwankungen während der Grippezeit". In diesem Jahr wie schon 2018 kommt es aber in dieser Zeit auch zu einem kurzzeitigen Anstieg.

Demnach starben in Bayern im März 2018 etwa 14.400 Menschen. Diesen Höchstwert führt das Bundesamt auf eine "besonders heftige" Grippewelle zurück, die sich zahlenmäßig auch in ganz Deutschland bemerkbar machte: 107.104 Menschen kamen im März 2018 in der Bundesrepublik ums Leben, so viele wie in keinem anderen Monat seit 2016.

Für das Jahr 2020 kommt das Statistische Bundesamt zu dem Ergebnis, dass den vorläufigen Sterbefallzahlen zufolge die Auswirkungen der Grippewelle im Vergleich zu den Vorjahren "sehr gering ausgeprägt" sind. Im Januar 2020 starben in Bayern - nach der vorläufigen Auszählung - knapp 12.400 Menschen. Im Februar 2020 waren es etwa 11.700 Personen. Auch im März 2020 ist bei einer monatsweisen Betrachtung mit bayernweit insgesamt rund 12.700 Sterbefällen kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar.

Sterberate im April 2020 um 20 Prozent höher als im Jahresdurchschnitt

Im April allerdings lag die Zahl der Verstorbenen mit derzeit mehr als 13.000 gemeldeten Fällen deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre (+20 Prozent). So kam es beispielsweise in Seniorenheimen in Aichach und Würzburg zu mehreren Todesfällen innerhalb kürzester Zeit. Die Zahlen im Mai 2020 liegen dagegen wieder im Bereich des Durchschnitts der Vorjahre: 10.745 Todesfälle in Bayern, 10.624 im Schnitt aus den Jahren 2016 bis 2019.

Die vorläufigen Daten der Sonderauswertung lassen es auch zu, die Kalenderwochen zu überprüfen. Hier zeigt sich in Bayern ab der Kalenderwoche 13 (23. März) ein drastischer Anstieg der Sterbefallzahlen. Ungefähr zur gleichen Zeit erreichte auch die Zahl der Covid-19-Todesfälle, die beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet werden, ihren Höchststand.

In den Kalenderwochen 14 und 15 starben knapp 3300 Menschen, ein Anstieg von knapp 25 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre. Seit der 20. Kalenderwoche (11. bis 17. Mai) liegen die Werte zwar knapp über, aber wieder im Bereich des Durchschnitts der Vorjahre. Allerdings, das gibt das Statistische Bundesamt zu beachten, werde sich die Zahl der Sterbefälle durch Nachmeldungen noch leicht erhöhen.

Was ist über die Corona-Todesfälle in Bayern bekannt?

Die meisten bestätigten Corona-Infizierten in Bayern sind zwischen 50 und 59 Jahre alt. Nicht weiter verwunderlich: Von dieser Altersgruppen leben in Bayern aktuell die meisten Menschen. Und auch sonst entsprechen die anhand der Fallzahlen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) rekonstruierten Balken der Corona-Infizierten weitestgehend dem Kurvenverlauf der Demografie. Wenngleich die Unter-Zehnjährigen bei den Corona-Infizierten unterrepräsentiert sind.

Vergleicht man dieses Schaubild mit den Zahlen der Corona-Todesfälle, wird deutlich: Die meisten Menschen, die mit oder an dem Coronavirus gestorben sind, gehören nicht der Altersgruppe mit den meisten Infizierten, sondern der der 80- bis 89-Jährigen an. Im Schnitt stirbt jeder fünfte Infizierte im Alter über 80 Jahren an oder mit dem Coronavirus.

Das LGL sagt dazu: "Grundsätzlich leiden ältere Menschen verhältnismäßig öfter an Vorerkrankungen. Damit steigt auch die Anfälligkeit für Infektionen und das Risiko für einen schweren Verlauf." Verstorbene Kinder im Alter bis zu zehn Jahren, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, gibt es in Bayern nach Angaben des LGL keine.

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Und auch diesen Kommentar: Corona ist und bleibt eine Zumutung

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02.07.2020

Meinen Respekt an H. Kroha! Endlich einmal ein objektiver, fundierter Bericht über Corona!

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