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Coronavirus

09.03.2020

Trotz schwacher Wirtschaft: Wer profitiert vom Coronavirus?

Die Preise für Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind massiv angestiegen.
Bild: Barbara Gindl, dpa

Der Dax bricht, Erdöl ist billig wie lange nicht. Wie man trotz der Corona-Krise lukrative Geschäfte machen kann – und wer von der Epidemie profitiert.

Man muss nicht lange suchen, um den Wucher zu finden. Nur ein paar Klicks im Internet und da ist er schon: Ein kleines Fläschchen Sterillium, 100 Milliliter Flüssigkeit, mit der man sich die Hände desinfizieren kann – für 54 Euro. Derlei unglaubliche Preise gäbe es in normalen Zeiten nicht. Aber normal ist vieles nicht mehr, seit die Coronavirus-Epidemie um die Welt geht. Und aus dieser Angst der Menschen, die mehr und mehr gedeiht, wird von vielen Händlern gnadenlos Profit geschlagen.

Schutz vor dem Coronavirus: Mundschutzmasken sind teuer geworden

Franziska Utzinger, Apothekerin aus Nersingen und Pressesprecherin des Bayerischen Apothekerverbands in den Landkreisen Neu-Ulm und Unterallgäu, ärgert das. „Mit der Panik der Menschen wird Geld gemacht“, sagt sie. Wie maßlos die Preise mittlerweile sind, belegen die Zahlen: Der Listenpreis einer Flasche Sterillium liegt der Apothekerin zufolge bei 3,95 Euro. „Diesen Preis können wir derzeit aber auch nicht halten, wir müssen schließlich auch mehr für die Desinfektionsmittel bezahlen“, erklärt sie. Deswegen koste ein Fläschen Sterillium in Apotheken – sofern es verfügbar ist – derzeit etwa fünf bis sechs Euro – im Internet indes wird es für das Zehnfache angeboten. Extreme Preissprünge gibt es auch bei Mundschutzmasken. Utzinger hat vor zwei Wochen für zehn Stück 120 Euro bezahlt – nun kostet die selbe Menge der Apothekerin zufolge 1200 Euro.

Dass die Nachfrage den Preis bestimmt ist eine unumstößliche Grundsäule der freien Marktwirtschaft. Und weil die Nachfrage nach Produkten, die einen Schutz vor dem Virus versprechen, derzeit eben immens ist, verwundert es auch nicht, dass die Preise durch die Decke gehen. Einer, der deswegen gerade das Geschäft seines Lebens gemacht haben dürfte, ist Timo Klingler aus Heidelberg. Innerhalb von 24 Stunden habe sein Unternehmen eine sechsstellige Summe eingenommen, erzählte er dem Online-Magazin Bento. Im Januar, als die Preise langsam anstiegen, investierte er in Atemschutzmasken – gekauft hat er sie für 60 Cent pro Stück, nun verkauft er sie für mehr als 20 Euro.

Angst vor einer Corona-Erkrankung: Aldi bietet Desinfektionsmittel an

Ähnlich profitabel ist die Situation für das Unternehmen Ophardt Hygiene aus dem nordrhein-westfälischen Issum. Die Firma stellt Desinfektionsmittel-Spender her. „In der Tat verzeichnen wir eine stark erhöhte Nachfrage“, sagt Unternehmenssprecher Markus Theißen. Auch bei Aldi dürfte der Umsatz steigen: Der Discounter bietet ab 9. März Desinfektionsprodukte wie etwa ein Handgel gegen Bakterien und Viren an.

Und es gibt noch mehr Gewinner: Das amerikanische Investmenthaus MKM Partners hat einen „Stay at Home“-Index mit Aktien zusammengestellt, die angeblich besonders gefragt wären, wenn die Angst vor dem Virus steigt und viele Menschen zuhause bleiben. Dazu zählen etwa der Streaming-Gigant Netflix, die Waffenschmiede Sturm Ruger, der Dosensuppen-Anbieter Campbell, der Spieleentwickler Activision Blizzard, der Videokonferenz-Spezialist Zoom, die Bürochat-App Slack oder der Heim-Fitnessgerätehersteller Peloton.

Nebenwirkungen der Corona-Krise: Die Spritpreise sinken

Immerhin: Auch, wenn der Verbraucher derzeit für manche Produkte mehr Geld ausgeben muss, profitiert er in einigen Bereichen auch. Etwa beim Tanken. Diesel und Benzin sind so günstig wie lange nicht. Laut der monatlichen Marktauswertung des ADAC kostete im Februar ein Liter Super E10 im Bundesmittel 1,383 Euro, das sind 2,0 Cent weniger als im Vormonat. Der Diesel verbilligte sich noch deutlicher um 6,0 Cent auf durchschnittlich 1,239 Euro je Liter. Hauptgrund für den Rückgang sind dem ADAC zufolge sinkende Rohölnotierungen. Ein Barrel der Sorte Brent kostet aktuell rund 54 Dollar, das sind knapp vier Dollar weniger als vor einer Woche. Bei den Schwankungen macht sich laut ADAC die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen einer weiteren Ausbreitung bemerkbar.

Und noch einen Profiteur der Corona-Krise gibt es: die Umwelt. Satellitenbilder der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigen, dass über China die Luft sauberer wird. Dass die Luftverschmutzung zumindest teilweise zurückgeht, liegt Experten zufolge an den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie. Der Rückgang des Stickstoffdioxid-Ausstoßes sei zuerst über Wuhan zu entdecken gewesen, hieß es von der Nasa. Aus der Millionenmetropole waren erstmals Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet worden, kurz danach war die Stadt weitgehend unter Quarantäne gestellt worden. Der Verkehr in und aus der Stadt wurde eingestellt, Fabriken und Unternehmen wurden geschlossen. Von Wuhan hat sich der Rückgang des Stickstoffdioxid-Ausstoßes dann über ganz China ausgebreitet.

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