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Schilder, Stahlkrallen & Co.

08.11.2019

Ulm versucht Lkw von maroder Brücke fernzuhalten - ohne Erfolg

Eigentlich ist die Umfahrung groß und frühzeitig ausgeschildert. Trotzdem stehen regelmäßig Lastwagen vor der für sie gesperrten Gänstorbrücke.
Bild: Thomas Heckmann

Plus Ulm und Neu-Ulm stoßen beim Schutz der Gänstorbrücke über die Donau an ihre Grenzen. Verkehrsplaner treibt die Situation beinahe in den Wahnsinn.

Ein paar Wochen noch bis zum fünften Versuch. Oder ist es der sechste? Die meisten Beobachter dürften die Übersicht verloren haben. Einen Anlauf nach dem anderen haben die Städte Ulm und Neu-Ulm unternommen, um die sogenannte Gänstorbrücke zu retten. Viele Versuche klangen erfolgversprechend – und schlugen dann doch fehl. Jetzt also Anlauf Nummer sechs. Oder ist es gar der siebte?

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Ulm und Neu-Ulm kommen mit Schutzmaßnahmen nicht hinterher

Zum Hintergrund: Die Brücke über die Donau verbindet die beiden Städte Neu-Ulm und Ulm – damit automatisch auch die beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg – und ist eine zentrale Verkehrsachse. Doch die Brücke ist marode. Das Bauwerk muss abgerissen werden, soll aber noch ungefähr fünf Jahre halten. So lange, bis die Nachfolgebrücke errichtet ist. Doch damit das klappt, dürfen keine zu schweren Fahrzeuge mehr über die Gänstorbrücke rollen. Das aber scheint vielen Lastwagenlenkern herzlich egal zu sein.

Wie kaputt das in die Jahre gekommene Bauwerk ist, hat die Experten der beiden Donaustädte im Juni 2018 kalt erwischt. Von einem Tag auf dem anderen sperrten sie vorsichtshalber je eine Spur pro Richtung und bestellten eine Monitoring-Anlage. Das Gerät misst Veränderungen an der Brücke. Doch seit dem Frühsommer 2019 kommen die Verantwortlichen mit ihren Schutzvorkehrungen nicht mehr hinterher. Dabei ließen sich die Ulmer Brückenexperten, die sich um das Bauwerk kümmern, strenge Vorschriften und regelrecht rabiate Abwehr-Bauten einfallen.

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Für die Gänstorbrücke in Ulm gilt eine Gewichtsbegrenzung

Nachdem ein Schwertransporter mit einem Gewicht von 77 Tonnen im Mai über die Brücke bretterte, führten die Städte eine Gewichtsbegrenzung für Fahrzeuge auf der Brücke ein: 40 Tonnen Richtung Ulm, 24 Tonnen Richtung Neu-Ulm. Kaum waren die Schilder aufgestellt, rollte der nächste Schwertransporter über die baufällige Brücke. Er wog knapp 60 Tonnen.

Also wurden die Schilder wieder abgebaut und durch neue ersetzt – mit noch härteren Einschränkungen. Höchstens 3,5 Tonnen dürfen Fahrzeuge nun wiegen, die dort über die Donau fahren wollen. Ausnahmen gelten lediglich für Busse und Einsatzfahrzeuge. Doch wieder nahmen auch zahlreiche Lastwagenfahrer – nicht selten mit einheimischen Kennzeichen – die „Ausnahme“ für sich in Anspruch.

Wie es nun mit der Gänstorbrücke über die Donau weitergeht

Nächste Eskalationsstufe: eine Höhenbeschränkung. Im August wurde eine rot-weiß gestreifte Tafel in 3,20 Metern Höhe über der Brücke angebracht. So hoch, dass die Stadtbusse gerade so hindurchkommen. Doch statt Umwege zu fahren, zerkratzten etliche Lastwagenfahrer lieber die Dächer ihrer Brummis. Also befestigten Ulmer Bauhof-Mitarbeiter Stahlkrallen am Schild. Das dürfte die Kratzer weiter vertieft haben. Zudem haben die Städte zwischenzeitlich eine Überwachungskamera installiert, einen Sicherheitsdienst bezahlt und einen Blitzer umfunktioniert, um Fotos der ignoranten Übeltäter zu bekommen. Doch der Erfolg all der Maßnahmen hielt sich in Grenzen.

Die Krallen haben die städtischen Ingenieure wieder entfernen lassen, die Tafel baumelt weiter über den Brückenzufahrten – noch. Ende November tritt eine Schleuse mit Betonelementen an ihre Stelle. Der Durchgang wird so schmal, dass Lastwagen nicht mehr hindurchpassen. Für die Busse und Einsatzfahrzeuge gibt es dann eine eigene Schranke. Zusätzlich meldet die Monitoring-Anlage Gefahren – im Notfall schaltet eine Ampel auf Rot. Mal schauen, ob Versuch Nummer sieben dann die erhoffte Lösung bringt. Oder ist es schon der achte?

Lesen Sie dazu auch: Schleuse, Schranke und Ampel sollen die Gänstorbrücke retten

Welche Baustellen die Stadt Ulm beschäftigen: Ulm braucht einen Masterplan zur Rettung der Brücken

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