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Landkreis Dillingen

30.03.2018

Bauern klagen über geringe Wertschätzung

Ein Bündel mit rund 800 Unterschriften übergaben Kreisobmann Klaus Beyrer, Kreisbäuerin Annett Jung (von links) und BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer (rechts) an den Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange (Mitte) und Landtagsabgeordneten Johann Häusler (Zweiter von rechts). Die unterzeichnenden Landwirte fordern bei der Umsetzung der Düngeverordnung die Nutzung der gesetzlichen Spielräume.

Die neue Düngeverordnung und die Afrikanische Schweinepest machen Landwirten in der Region große Sorgen. Sie überreichen Abgeordneten in Finningen 800 Unterschriften.

Als CSU-Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange bei der Kreisversammlung der Obmänner des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Finningen über den schwarz-roten Koalitionsvertrag und die Landwirtschaft sprach, konfrontierte ihn BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer mit der Gefühlslage bäuerlicher Familien. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat noch nie die Bedeutung und die hohen Produktionsstandards der deutschen Landwirtschaft gewürdigt“, sagte Bayer. „Unsere bäuerlichen Familien empfinden die Wertschätzung der Politik für ihre Leistungen als sehr gering“, stellte der Geschäftsführer klar. Von der Kanzlerin erwarte er, dass sie endlich einmal die ständige Gängelung der Landwirte öffentlich rüge. Mit der für einen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gebotenen Vorsicht räumte Lange laut Pressemitteilung ein, dass sich hier auch er selbst zuweilen ein klareres Bekenntnis und entschiedeneres Vorgehen der Politik wünschen würde.

Kreisobmann Klaus Beyrer hatte die Frühjahrstagung der Dillinger Ortsobmänner in Finningen mit einem Dank an Kreisbäuerin Annett Jung eröffnet. Gemeinsam mit ihren Landfrauen habe sie mit hohem persönlichen Einsatz dafür gesorgt, dass der Auftritt des Bauernverbands auf der Regionalausstellung WIR erneut ein großer Erfolg geworden sei. War auf der Dillinger Messe das Bekenntnis der Bevölkerung zur heimischen Landwirtschaft zu spüren, so fühlen sich die bäuerlichen Familien laut Pressemitteilung von der Politik umso mehr im Stich gelassen.

„Uns wurde eine neue Düngeverordnung aufgedrängt, die massiv in unsere Betriebsabläufe und Ertragspotenziale eingreift“, beschwerte sich Klaus Beyrer. „Mit den vorgegebenen Bedarfswerten werden wir große Probleme haben, einen ordentlichen Qualitätsweizen hinzubekommen.“ Die Düngeverordnung gängle die Landwirte und schüre ihren Unmut.

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Der Bauernverband überreichte dem Bundestagsabgeordneten Lange und dem Landtagsabgeordneten Johann Häusler ein Bündel mit 800 Unterschriften. Die unterzeichnenden Landwirte fordern bei der Umsetzung der Düngeverordnung die Nutzung der gesetzlichen Spielräume insbesondere bei der Düngebilanzierung und der Länderöffnungsklausel für eine praktikable und bezahlbare Gülleausbringtechnik.

Sorge bereitet dem Kreisobmann auch die Afrikanische Schweinepest. Zwar habe sich ihre Ausbreitung vor allem durch die intensive Bejagung des Schwarzwilds in Tschechien merklich verlangsamt, doch das Risiko eines Ausbruchs im benachbarten Bayern bestehe fort. Es gebe bereits Versicherungsunternehmen, die aus Furcht vor hohen Verlusten keine Anträge auf Ertragsschadensversicherungen mehr annehmen. Um die Afrikanische Schweinepest vorbeugend zu bekämpfen, müssten auch im Freistaat die Wildschweine intensiv bejagt werden, so Beyrer. Dazu gehöre die Genehmigung von Nachtsichtvorsatzgeräten, die der Jägerschaft die Jagd auf die Schwarzkittel deutlich erleichtern würden. Der Kreisobmann forderte von der Unteren Jagdbehörde im Dillinger Landratsamt, diese Geräte weniger zögerlich als bisher zu genehmigen.

Abgeordneter Lange wusste die meisten Landwirte hinter sich, als er seine „begrenzte Trauer“ über das Scheitern der geplanten Jamaika-Koalition bekundete. Bei landwirtschaftlichen Themen verspricht sich Lange, wie es in der Pressemitteilung heißt, von der SPD mehr Stabilität und Kontinuität als von den Grünen. Mit Julia Klöckner hätten die Bauern eine Landwirtschaftsministerin bekommen, auf die sie sich verlassen könnten. Erfreut zeigte sich der Unionsfraktionsvize vom eindeutigen Bekenntnis des Koalitionsvertrags zur bäuerlichen Landwirtschaft und den Familienbetrieben. Die Bundesregierung stelle sich damit hinter die moderne, bäuerliche und regional verwurzelte Landwirtschaft in Deutschland. In der laufenden Legislaturperiode werde die schwarz-rote Koalition auf nationaler Ebene 1,5 Milliarden Euro mehr als bisher für die Förderung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume bereitstellen, sagte Lange. Dies rief schließlich Eugen Bayer mit seiner grundsätzlichen Kritik an der laut Pressemitteilung mangelnden Wertschätzung der Landwirtschaft auf den Plan. (pm)

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