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Dillingen

04.07.2019

Bei Hitze im Auto bleiben? Was die Dillinger Polizei dazu sagt

Nur „kurz“ im Auto gelassen: Die Polizei warnt ausdrücklich davor, bei den aktuellen Temperaturen Kinder oder auch Tiere im Auto zurückzulassen. Im Innenraum des Pkw kann es sehr schnell sehr unerträglich werden – das gilt schon bei Außentemperaturen von „nur“ 20 Grad. „Einfach einen Gang runterschalten und die Hitze so gut es geht meiden.“

Plus Es ist heiß – draußen und drinnen. Können Menschen oder Tiere nicht kurz im Wagen warten? Nein, warnt die Dillinger Polizei. Warum die Beamten im Sommer viel mehr Einsätze haben.

30 Grad und heißer. Der Sommer hat schon richtig Gas gegeben, auch bei uns im Landkreis Dillingen. Die Badetücher an den Seen und den Freibädern sind seit mehr als zwei Wochen dicht aneinandergereiht, die Eiskugeln werden im Akkord in die Waffeln gedrückt, und genügend Sonnencreme ist die Standardausrüstung in der Handtasche. Schön. So soll Sommer sein. Aber er hat auch seine Schattenseite – und bei den aktuellen Temperaturen ist die sogar empfehlenswert. Das gilt für Mensch und Tier.

Vergangene Woche hat die Dillinger Polizei mitgeteilt, dass eine junge Frau ihre zwei Hunde im Auto zurückgelassen hat. Passanten haben die stark hechelnden entdeckt und daraufhin die Polizei informiert. Beim Eintreffen der Beamten herrschte immer noch 29,5 Grad Außentemperatur, die Fensterscheiben des Wagens waren komplett geschlossen. Gegen die 27-jährige Besitzerin wird nun wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Das war bislang in diesem Sommer der einzige Fall dieser Art, wie Katharina von Rönn, Polizeihauptmeisterin in Dillingen, sagt. Im Interview sagt sie aber auch, dass sie und ihre Kollegen im Sommer mehr Einsätze hat.

Woran liegt das?

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Katharina von Rönn: Auch die Polizeiinspektion Dillingen (PI) verzeichnet in den Sommermonaten eine steigende Zahl von Einsätzen. Erfahrungsgemäß sind hierbei besonders die Wochenenden ab Freitagmittag die einsatzstärksten Zeiten.

Gibt es dafür bestimmte Gründe oder Verhaltensmuster?

Katharina von Rönn: Das hängt vermutlich von verschiedenen Faktoren ab. Bei Unfällen ist es oft Unaufmerksamkeit, manchmal auch Zeitdruck. Jeder will möglichst schnell nach Hause, um das schöne Wetter zu genießen. Naturgemäß sind in den Sommermonaten auch viele Fahrradfahrer und Motorradfahrer unterwegs. Manche sind ungeübt und unterschätzen die Gefahren im Straßenverkehr.

Welche Einsatze sind es konkret? Was häuft sich?

Katharina von Rönn: Die Einsätze decken das komplette Spektrum ab. Vor allem Unfälle untertags, aber auch Streitigkeiten. In den Abendstunden steigt die Zahl der Ruhestörungen, Streitigkeiten und Körperverletzungen. Oft spielt hier übermäßiger Alkoholkonsum eine tragende Rolle.

Kann man sagen: Im Winter die Glätte, im Sommer die Hitze?

Katharina von Rönn: Im Grunde gilt für alle Wetterextreme: Wer draußen unterwegs ist, sollte sich immer auf die jeweiligen Wetterbedingungen einstellen. Im Winter eben die Winterausrüstung und defensive Fahrweise, im Sommer immer genügend – alkoholfreie – Getränke dabei haben, Schatten aufsuchen sowie Pausen einplanen.

Der Fall in Weisingen, als eine Frau ihre Hunde im Auto zurückgelassen hat, war bislang ein Einzelfall, richtig?

Katharina von Rönn: Bislang war der Vorfall der einzig angezeigte Fall, bei dem gegen eine Hundehalterin wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ermittelt wurde. Leider kommt es immer wieder vor, dass Hunde in geparkten Fahrzeugen zurückgelassen werden, weil der Besitzer etwas einkaufen oder erledigen muss. Oft handelt es sich hierbei nur um wenige Minuten, sodass der Besitzer oft vor der Streifenbesatzung wieder vor Ort ist und nicht mehr angetroffen werden kann.

Wurden auch Kinder im Auto gelassen? Haben Sie Richt- bzw. Gradwerte, ab wann Mensch und Tier im Auto nichts mehr zu suchen haben?

Katharina von Rönn: Von Kindern, die in überhitzten Pkw zurückgelassen wurden, ist seitens der PI Dillingen kein Einsatz bekannt. Eine pauschale Grenze, ab wann Kinder und Tiere nicht mehr im Fahrzeug belassen werden sollten, gibt es nicht. Generell ist ein Fahrzeug kein geeigneter Ort, um dort Kinder oder Tiere warten zu lassen. Schon bei Temperaturen ab 20 Grad kann es im Innenraum deutlich wärmer sein, sodass Hitzschlag und Kreislaufkollaps drohen. Auch geöffnete Fenster sind da keine Alternative.

Wann ist es strafbar, wenn ein Tier oder Kind im Auto zurückgelassen wird?

Katharina von Rönn: Auch hier gibt es keine eindeutige Grenze. Sobald Personen oder Tiere Anzeichen von Hilflosigkeit und Anzeichen von körperlicher Überlastung zeigen, weil sie sich selber nicht aus dem Pkw befreien können und ihre körperliche Unversehrtheit gefährdet ist, können strafbare Handlungen vorliegen. Bei Tieren wären das Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, bei Menschen wäre es zumindest die Fahrlässige Körperverletzung. Dieses hängt immer davon ab, inwieweit Schäden drohen oder schon eingetreten sind.

Aus Sicht der Polizei: Wie verhalte ich mich im Sommer richtig? Was raten Sie den Menschen?

Katharina von Rönn: Jeder kennt sich selbst am besten. Das heißt: Jeder ist auch für sein Verhalten selbst verantwortlich. Starke Hitze und Alkohol vertragen sich nicht. Auch der Geübteste kann dann Probleme bekommen. Vielleicht sollten wir hier von den südländischen Nachbarn lernen. Einfach einen Gang runterschalten und die Hitze so gut es geht meiden.

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