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Familie

17.01.2014

Bundeswehr: Arbeiten neben der Wiege

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2 Bilder
Christina Gleich

Die Soldaten wünschen sich weniger Versetzungen und eine Kinderbetreuung

Dillingen In diesem Zimmer in der Dillinger Kaserne steht eine Kinderwiege, links von ihr ein Schreibtisch mit Computer und davor eine Spielkiste. Eine Einrichtung, untypisch für die Bundeswehr. Hauptmann Benedikt Brandenburger schließt die Tür. Ein Schild mit der Aufschrift Kinder-Arbeits-Zimmer hängt an ihr. Es ist eine Übergangslösung.

Soldaten wünschen sich seit Langem eine dauerhafte Lösung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Kasernen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will dieses Konzept umsetzen. Oberstleutnant Bernhard Stephan, stellvertretender Bataillonskommandant in der Dillinger Luitpold-Kaserne, unterstützt den Vorschlag. „Alles ist zu befürworten, was zum Wohl des Mitarbeiters führt und im Interesse des Dienstleiters ist.“ Er sieht den Schwerpunkt der Umsetzung vor allem in puncto Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit. Baue man die Kinderbetreuung aus – von der Leyen will das als Erstes umsetzen –, so habe der Dienstherr mehr von seinen Soldaten und diese bei voller Arbeitszeit ein volles Gehalt. Erziehende würden dieses Angebot dankbar annehmen. Die Karriere und Familienplanung solle in Zukunft unabhängig von Versetzungen sein. „Die persönliche Förderung wird oftmals abgelehnt, weil sie soziale und persönliche Nachteile mit sich bringt“, sagt der Oberstleutnant. Häufige Versetzungen belasteten die Familien.

Hauptmann Benedikt Brandenburger ist Vater von zwei Kindern. Er wechselte in den vergangenen fünf Jahren drei Mal seinen Wohnsitz – mit der Familie. Die Idee, eine Kindertagesstätte am Standort einzurichten, sieht er als große Chance. Vor allem könnte er seine Frau entlasten, wenn er die Kleinen in die Krippe bringt. Sie hätte dann Zeit für einen Job.

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Sein künftiger Standort nach seiner Zeit in Dillingen liegt in Nordrhein-Westfalen – die Aussicht auf Krippenplätze sei dort ernüchternd, die Wartezeiten lang. Gäbe es Tagesmütter in den Einrichtungen der Bundeswehr, hätte Brandenburgers Familie eine Sorge weniger.

Die Versetzungswünsche von Soldatinnen mit Kindern werden bereits berücksichtigt. Stabsunteroffizierin Christina Gleich hat eine Tochter im Alter von 15 Monaten, die Familie wohnt in Höchstädt. Um deren Unterstützung annehmen zu können, wurde sie zu ihrem Vorteil von Manching nach Dillingen versetzt. Trotzdem lauern noch Probleme: Die Öffnungszeiten der Kinderkrippen und die Chance, nach der Versetzung überhaupt einen Platz für die Tochter zu bekommen, sind schwierig. Am Ende findet sie nicht in Dillingen, aber immerhin in Höchstädt einen Krippenplatz. Mit Tagesmüttern in der Kaserne könnte die 25-Jährige Vollzeit und mit hundert Prozent Gehalt arbeiten. „Für mich als Mama hat das nur Vorteile“, sagt sie. „Auch finanziell.“

In der Liegenschaft in Dillingen existiert bereits ein Kinder-Arbeits-Zimmer. Wer kurzfristig keine Betreuung findet, arbeitet am Computer, während das Kind in der Spielecke Holzklotztürme baut. Für Familien, in denen ein Elternteil im Einsatz ist, bietet die regionale Familienbetreuungsstelle seit Jahren Unterstützung und Hilfe an: organisierte Ausflüge am Wochenende, Videokonferenzen ins Einsatzgebiet oder gegenseitiger Erfahrungsaustausch. Im März zieht die Familienhilfe von Donauwörth in die Dillinger Kaserne.

Auf welchem Weg von der Leyen die Reform umsetzt, ist bis jetzt noch nicht klar. Oberstleutnant Stephan weiß jedoch, dass für die Betreuung in der Liegenschaft Dillingen Platz zur Verfügung stehen wird. Um gegenüber anderen Berufen konkurrenzfähig zu sein, müsse die Bundeswehr Reformen einführen, die Dienst und Familie unter einen Hut bringen. Stephan verspricht sich selbst dann Erfolge, „wenn das Angesprochene nur im Ansatz umgesetzt wird.“

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