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Dillingen

22.11.2018

Demenz: Was tun, wenn der Opa die Oma einsperrt

Sie haben über das Thema Demenz informiert (von links): Hermann Hillenbrand, Direktor der AOK Günzburg, David Sieveking, Margit Hartmann, Markus Proske, Gudrun Mack-Traub.
Bild: Andrea Knaus

In Dillingen wird mit dem Film „Vergiss mein nicht“ über die Krankheit informiert, zusätzlich geben Experten Auskunft.

Der Saal des Dillinger Kinos ist am Dienstagabend voll. Rund 200 Besucher interessieren sich für das Thema Demenz, das im Mittelpunkt der diesjährigen Kinotour der AOK steht. Gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft Landesverband Bayern will die Krankenkasse informieren und bei der Aufklärung helfen. Mit dem Film „Vergiss mein nicht“ erzählt der Regisseur David Sieveking seine eigene Geschichte, seine Mutter ist an Demenz erkrankt. Er zieht wieder Zuhause ein, um für einige Zeit die Pflege zu übernehmen und den Vater zu entlasten. Entstanden ist eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie.

Was tun, wenn der Kranke keine Hilfe will?

Im Anschluss stehen die geladenen Experten dem Publikum Frage und Antwort. Markus Proske, Demenzberater und Humortherapeut aus Binswangen, gibt den Rat, bei Auffälligkeiten einen Profi aufzusuchen. Im Film sind die zunehmenden Merkzettel der Mutter an der Küchenwand ein Indiz für die Erkrankung. Margit Hartmann, AOK-Pflegeberaterin und Demenzpartnerin für den Landkreis Dillingen, informiert über die Angebote der Krankenkasse. Gudrun Mack-Traub vom ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Caritas in Dillingen berichtet über ihre Arbeit: Die Begleitung eines Menschen am Ende seines Lebens durch geschulte Hospizbegleiter kann den Angehörigen das Gefühl der Überforderung zumindest teilweise nehmen.

Eine Frau fragt, wie man einem Dementen, der keinesfalls Hilfe in Anspruch nehmen möchte, mobilisieren könne, zum Arzt zu gehen. Das Expertenteam rät, kreativ zu werden. Möglicherweise könne eine Notlüge helfen. Sieveking überlistete seine Mutter mit dem Vorwand, eine Schülerin wolle Unterricht bei der ehemaligen Sprachenlehrerin nehmen. Tatsächlich handelte es sich um eineFachkraft der Caritas, die zwei Mal die Woche vorbeikam.

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Was tun, wenn der Betroffene mich nicht mehr kennt?

Wie soll man reagieren, wenn ein Betroffener seine Familie nicht mehr erkennt oder mit falschem Namen anspricht? Proske rät, „keine Fragestunde“ durchzuführen. Man solle den Alltag so einfach wie möglich gestalten. Nicht die Sprache sei entscheidend, sondern Werte wie Respekt, Liebe und Zuneigung, beispielsweise in Form einer Umarmung. Eine betroffene Angehörige fragt, wie man vermittele zwischen der dementen Oma und dem fitten Opa, der seine Frau „zur Sicherheit einsperrt“. Der Demenzberater betont, dass Bewegung guttue und eine Einschränkung keinesfalls zielführend sei. Die Vertreterin der AOK wird auch zu möglichen Entlastungsleistungen für Angehörige befragt. Vielen im Publikum sind diese zu niedrig. Auch sei zu wenig ausgebildetes Personal vorhanden. Eine Besucherin beklagt, dass sie einen Antrag auf ehrenamtliche Unterstützung gestellt habe, jedoch mit einem Platz auf der Warteliste vertröstet wurde – hinter neun anderen.

Die Experten raten, Beratung in Anspruch zu nehmen und sich frühzeitig mit den Themen Vollmacht und Betreuung auseinanderzusetzen. Bestenfalls ziehen alle Beteiligten „an einem Strang“.

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