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Höchstädt

13.11.2018

Der Duft der Douglasie und der Klimawandel

Eine Douglasie. Diese Bäume kommen mit dem Klimawandel besser zurecht als zum Beispiel die Fichte.
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Eine Douglasie. Diese Bäume kommen mit dem Klimawandel besser zurecht als zum Beispiel die Fichte.
Bild: Marcus Merk

Wie entwickelt sich der Höchstädter Wald? Von Problemkindern wie Fichte und Esche, und „Laubbäumen“ wie der Tanne.

Eigentlich, sagte Förster Hermann Rupp, sei man diesen Sommer dauernd dem Käfer hinterhergerannt. Die Situation mit Borkenkäfern und Co. hätte im Wald der Hospitalstiftung überhandgenommen. Der Höchstädter Stadtwald sei besser dran, weil dort vor allem Laubbäume stehen. In der Stadtratssitzung am Montagabend stellten Rupp und Marc Koch, Bereichsleiter Forst am Wertinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Zahlen des Forstwirtschaftsjahres vor. Zuvor hatten 17 Menschen vor der Saaltür für die B16 entlang der Bahntrasse demonstriert. An der Sitzung selbst nahmen sie aber nicht teil.

Laut Rupp verteilt sich der Hiebsatz im Stadtwald zu jeweils 28 Prozent auf Stamm- und Industrieholz und zu 44 Prozent auf Brennholz. Die Mehreinnahmen belaufen sich auf 14938,56 Euro.

Für die Hospitalstiftung sieht der Hiebsatz so aus: 40 Prozent Stammholz, 59 Prozent Brennholz, Mehreinnahmen: 22744,94 Euro. Im Schnitt auf acht Jahre gesehen betrage der Holzeinschlag in beiden Wäldern je rund 760 bis 780 Festmeter.

Der Duft der Douglasie und der Klimawandel

Warum kein Friedwald?

Stadtrat Wolfgang Konle hat über Peter Wohlleben gelesen, Förster und Autor einiger Bücher über den Wald, und erkundigte sich über die ökologische Ausrichtung in Höchstädt. Wohlleben hat laut Marc Koch den Nerv der Zeit getroffen mit teils „spirituellen Ansichten“. Der Autor bewirtschafte einen Kommunalwald in Rheinland-Pfalz mit vielen dicken Eichen, „in denen manche Menschen mehr sehen“, erzählte Koch. Nachdem lange kein Plus erwirtschaftet wurde, setzte Wohlleben auf den Friedwald. Dabei würden für die Bestattung rund um einen Baum wie bei einer Torte zehn Stücke angelegt und verkauft. „Das schlägt jeden Holzpreis“, sagte Koch. In einzelnen Fällen könnte das eine Lösung ein, doch gibt es viele Anbieter, sinken die Preise. Ein Friedwald müsste genehmigt und für 99 Jahre gesichert sein – auch vor Wildschweinen.

Wenn sich für einzelne Bäume Paten finden

Eine andere Naturschutz-Idee: Alte Bäume aus der Nutzung nehmen und verkaufen. So ein Baum darf nicht gefällt werden. Fichten kommen dafür wegen der Käferprobleme nicht infrage. Allerdings dürfen solche Patenschaften laut Koch keinen Gewinn abwerfen. Solche Bäume brauchen laut Förster Rupp besondere Merkmale. In der Spitalstiftung gibt es so etwas. Bislang durften solche fünf Jahre lang nicht angefasst werden – jetzt sind es zwölf. Das sieht Rupp kritisch.

Günter Ballis erkundigte sich, wie schwer der Wildverbiss ist und ob Pappeln zur Hackschnitzelproduktion eine Idee wären. Außerdem wollte der Stadtrat wissen, wie sehr der Wald, speziell die Fichte, unter dem trockenen Sommer gelitten hat. Koch zufolge ging es dem Wald vor dem Sommer insgesamt besser. Die Trockenheit halte weiter an. Doch weil der Wald zu 75 Prozent aus Laubbäumen besteht, sei der Schaden noch gering. Die Fichte hätte unter 600 Höhenmetern kaum noch eine Zukunft. Die Esche sei ebenfalls ein Problemkind und werde zurzeit nicht nachgepflanzt. Das Eschentriebsterben betreffe auch junge Pflanzen. Daher müssten die Bäume aus Sicherheitsgründen nach und nach geerntet werden. Das Ziel sei es, mehr klimatolerante Arten wie Bergahorn, Buche, Ulme oder andere Laubarten zu pflanzen. Dazu zählen laut Koch auch Tanne und Douglasie, weil sie dem Klimawandel ganz gut gewachsen seien. Wie die Eiche, die aber nur vereinzelt und nicht am Wegesrand stehen sollte, weil der Eichenprozessionsspinner, eine Raupe, mit seinen Härchen bei Menschen Ausschlag verursachen kann. Doch den Baum selbst schädige die Raupe nicht. Die Wertschöpfung aus den genannten Laubbaumarten sei höher als aus der Pappel.

Laut Rupp seien im Sommer einige Laubbäume braun geworden, er sei gespannt, wie es sich entwickelt. „Hoffentlich kommen alle Laubbäume wieder“, ergänzte Stadtrat Simon Wetschenbacher. Johann Jall fragte, wie viele solcher Sommer der Wald überhaupt aushalte. „Der hält sich, die Frage ist nur, wie er eines Tages aussieht“, antwortete Förster Rupp.

Der Verbiss sei im Wesentlichen tragbar laut Koch. Sein Kollege Rupp meinte, an bestimmten Stellen könnte es besser sein. Zu den Preisen gefragt, antwortete Koch, dass Buchen und Eschen teils in Containern nach Übersee verschwinden und als Schaufel- oder Eisstiele zurückkommen. Während für die Fichte derzeit 100 bis 120 Euro pro Festmeter gezahlt würden, seien es für Eiche bis zu 400 Euro. Die Eiche sei der Renner. Hans Mesch, Ludwig Kraus und Bürgermeister Gerrit Maneth bedankten sich für den Waldbegang, der kürzlich stattgefunden hatte. Dabei seien bereits viele Fragen beantwortet worden. Maneth schwärmte noch vom Duft der Douglasie, der ihn an eine Sauna erinnert habe.

Die Preise für Brennholz seien die gleichen wie im Vorjahr, sagte Kämmerer Alexander Ernst. Die maximale Zuteilung beträgt wieder zehn Ster pro Selbstwerber. Den Preisen wurde geschlossen zugestimmt.

Biogasanlage Die Stadt Höchstädt hat keine Einwände dagegen, dass auf dem Gelände einer Biogasanlage bei Deisenhofen zwei Container aufgestellt werden. Auf dem Gelände war im Sommer eine Halle abgebrannt (wir berichteten). Diese wird nun neu errichtet. Außerdem wird ein bestehender Tank mit Schwefelsäure gefüllt.

Auwaldrunde Bürgermeister Maneth hat das Projekt in der Steuerungsgruppe Regionales Donautal vorgestellt. Dort wurde Unterstützung signalisiert. Hauptsache, der Weg werde nachhaltig gesichert – und die „kleine Auwaldrunde“ brauche einen anderen Namen. Im Mitteilungsblatt soll ein Aufruf gemacht werden. Irgendetwas mit Schloss und schlau schwebt der Verwaltung vor. Schließlich soll der Spaziergänger auf der 4,1 Kilometer langen Runde auch Informationen bekommen, über die Seen, das Schloss und mehr. Während der Förderkreis Schloss Höchstädt bereits seine Unterstützung zugesagt hat, hofft der Bürgermeister auch, dass sich noch andere Vereine einbringen und vielleicht mal eine Veranstaltung auf der Tour anbieten.

Baugebiet Kirchenäcker Die archäologischen Untersuchungen sind abgeschlossen, die Vergabe für die Kanalbauarbeiten ist laut Stadtbaumeister Thomas Wanner erfolgt. Bereits in diesem Jahr noch könnte mit dem Kanal begonnen werden, hofft er. Das Vergabesystem war bereits beschlossen worden. Dazu gehört unter anderem: Zum Zuge kommen sollen zuerst Interessenten aus Deisenhofen, die dort wohnen oder dort gelebt haben.

LED Anders als angekündigt, statten die Lechwerke bereits ab kommender Woche die ersten Straßenlampen mit LEDs aus. Das teilte Geschäftsstellenleiter Achim Oelkuch mit. Er freut sich darüber, weil die Stromersparnis jetzt im Winter noch höher sei als im Sommer.

Fasching Bürgermeister Gerrit Maneth zeigte ein Foto vom Rathaussturm am Sonntag. Er ist stolz, dass die Prinzessin der Schlossfinken, Marina Haußmann, im eigenen Haus tätig ist: im Bürgerbüro. „Da kannst Du Dir ja dann jedes Mal Deinen Schlüssel holen“, sagte Jakob Kehrle zur Belustigung des Gremiums.

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